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Betriebssysteme 20 Jahre Linux – von Studentenprojekt zum erfolgreichsten Embedded-Betriebssystem

| Redakteur: Franz Graser

Vor exakt 20 Jahren hat der damalige Student Linus Torvalds die erste Version eines Unix-basierten Betriebssystems verbreitet. Was damals als Fleißarbeit entstand, eroberte unter dem Namen Linux auch und gerade die Embedded-Welt.

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Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde mit schöner Regelmäßigkeit der Durchbruch von Linux auf dem PC-Desktop vorausgesagt. Dieser sei mit hoher Wahrscheinlichkeit für das kommende Jahr zu erwarten, aber ganz bestimmt für das Jahr danach – so lauteten die Schlagzeilen der Artikel in den PC-Zeitschriften.

Während Linux auf den Schreibtischcomputern und Notebooks eher ein randständiges Dasein führt, ist das freie Betriebssystem bei Serverrechnern und eben aus dem Embedded-Bereich nicht mehr wegzudenken.

Laut der jährlich veröffentlichten Marktstudie "Embedded Software Market Intelligence" von VDC Research war Linux bereits 2004 das am häufigsten verwendete Betriebssystem für eingebettete Systeme mit einer Verbreitung von 15,5 Prozent. Bedingt durch die Vielzahl unterschiedlicher Embedded-Betriebssysteme war dieser Wert sehr hoch einzuschätzen.

Vier Jahre später verwendeten immerhin 18 Prozent der befragten Ingenieure Linux als Embedded-Betriebssystem. Und das war noch bevor Android, das Smartphone-Betriebssystem auf Linux-Basis, Fahrt aufnahm.

Diese Entwicklung konnte 1991 niemand vorhersehen – nicht zuletzt deshalb, weil die erste Version des Linux-Kernels auf Intels 80386-Prozessor zugeschnitten war – zu dieser Zeit ein sehr teures Stück Hardware.

Torvalds erntete deshalb auch viel Kritik. Andrew Tanenbaum, Professor für Informatik an der Freien Universität Amsterdam und Autor des Betriebssystems Minix, warf Linux außerdem vor, obsolet zu sein.

Die monolithische Architektur des Betriebssystemkerns bedeutete aus seiner Sicht einen Rückschritt in die siebziger Jahre, da Tanenbaum sogenannte Mikrokernel-Architekturen favorisierte.

Zwei Dinge trugen jedoch zu der weiten Verbreitung von Linux bei: Zum einen die freie Lizenzierung unter der General Public License (GPL), die jedem das Recht gibt, die Software nicht nur zu verwenden, sondern auch zu verändern – solange der Quellcode der veränderten Fassung ebenfalls veröffentlicht und freigegeben wird.

Und zum zweiten die schnell wachsende Community von Ingenieuren, Softwareentwicklern, Studenten und Bastlern. die Linux weiterentwickelten, ergänzten und an unterschiedlichste Anwendungsfälle anpassten.

Hilfe gab es auch aus der Industrie. IBM kündigte 1999 an, Linux zu unterstützen, schon im Jahr darauf kündigte Big Blue an, in den kommenden Jahren eine Milliarde Dollar in die Entwicklung von Linux zu investieren. Die Portierung von Linux für die Serverfamilie System z wurde insbesondere im IBM-Forschungszentrum Böblingen vorangetrieben.

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