Aufgemerkt

1956: Der erste „Blitzer“

| Redakteur: Kristin Rinortner

Der Blitzer: Die "Gebühreneinzugsmaschine" wurde 1956 von Telefunken entwickelt.
Der Blitzer: Die "Gebühreneinzugsmaschine" wurde 1956 von Telefunken entwickelt. (Bild: fotoknips/Fotolia.com, Kay Taenzer)

In der Rubrik Aufgemerkt stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik vor. Heute geht es um das Verkehrsradar.

Die Erfindung des „Blitzers“ geht auf die Firma Telefunken zurück. Selbige stellte mit dem VRG 2 das erste „Verkehrsradargerät zur Geschwindigkeitsüberwachung“ im September 1956 auf der Internationalen Polizeiausstellung in Essen vor. Der erste Feldversuch des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen folgte am 21. Januar 1957, 1958 begann die Serienfertigung bei Telefunken.

Am 15. Februar 1959 schließlich wurde auf der Straße zwischen Düsseldorf und Ratingen die erste Blitzerbox aufgebaut. Die Apparatur bestand aus einem Kasten von der Größe eines Fernsehers und einer Kamera mit Blitz, die mittels Dreibein-Stativ aufgestellt wurde.

Der Kasten sendete elektromagnetische Wellen im Radiofrequenzbereich aus, die dann vom Auto reflektiert wurden. Durch die Relativbewegung des Fahrzeugs zum Sender ändert sich die Frequenz der reflektierten Strahlung (Doppler-Effekt), über die dann die Geschwindigkeit errechnet werden konnte. Lag diese über einem Limit, wurde ein Foto (mit Blitz) ausgelöst. Das Foto zeigte das Nummernschild und oben rechts die Geschwindigkeit.

Obwohl es mit 20 000 Mark nicht ganz billig war, favorisierte die deutsche Polizei dieses Gerät, da es leicht bedienbar war und zuverlässige Beweise für die Geschwindigkeitsübertretung lieferte. Bis dato hatten die Beamten mit Stoppuhren, Funkgeräten und Geschwindigkeitstabellen gearbeitet. Seit 1956 sind auch sogenannte Überwachungsfahrzeuge im Einsatz, die mit einer Kamera ausgerüstet sind.

Nach zahlreichen Weiterentwicklungen verwendet die Polizei heute verschiedene High-Tech-Instrumente zur Geschwindigkeitsmessung, die weitaus kleiner sind. Genutzt werden neben der Radarmessung die Detektion mit Laserstrahlung und Lichtschranken (Einseitensensoren).

Aktuelle Blitzer arbeiten auf Basis von Lasertechnik und digitaler Bildverarbeitung. Sogenannte „Schwarzlichtblitzer“ senden den Blitz im infraroten Bereich aus, der für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist (zum Beispiel im Richard-Strauss-Tunnel in München).

Beim „Superblitzer“ TraffiStar S 330 (Jenoptik Robot) messen drei im Abstand von 1 m in die Fahrbahn eingelassene Drucksensoren die Geschwindigkeit, bei Tempoüberschreitung wird eine etwa 15 m entfernte Digitalkamera ausgelöst, die hinter Schildern versteckt ist. Diese liefert unabhängig von Wetter und Tageszeit gestochen scharfe Bilder. Zu finden zum Beispiel auf der Autobahn A99 bei Aschheim.

Das Streckenradar (Section Control) kontrolliert die Geschwindigkeit über einen längeren Abschnitt (3 bis 8 km). Dabei wird jedes Fahrzeug zu Beginn der Strecke von hinten fotografiert. Am Streckenende wird erneut abgelichtet. Mithilfe von Computern wird die Geschwindigkeit berechnet (Weg-Zeit), ist diese zu hoch wird noch ein klassisches Blitzer-Foto aufgenommen. Diese Technik ist in Österreich und den Niederlanden im Einsatz und soll in Deutschland ab März 2015 auf der Bundesstraße 6 zwischen Gleidingen und Laatzen (Region Hannover) getestet werden.

Bei den installierten Starenkästen rangiert Deutschland übrigens auf Rang 5 hinter Brasilien, Italien, den USA und Großbritannien. Die meisten davon stehen in Baden-Württemberg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. //

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