Aufgemerkt 17. Juli 1989: Erstflug der B-2 Spirit

Redakteur: Peter Koller

In der Rubrik Aufgemerkt stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik und Elektrotechnik vor. Diesmal: Das Tarnkappen-Flugzeug Northrop Grumman B-2 Spirit.

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Eines der ungewöhnlichsten Flugzeuge, die je gebaut wurden: Northrop Grumman B-2 Spirit beim Auftanken in der Luft
Eines der ungewöhnlichsten Flugzeuge, die je gebaut wurden: Northrop Grumman B-2 Spirit beim Auftanken in der Luft
(Wikimedia)

Das Flugzeug, das da am 17. Juli 1989 vor der Startbahn im kalifornischen Palmdale abhob, war eine der ungewöhnlichsten Konstruktionen, die es jemals gegeben hat – und von besonderer Bedeutung für die Elektronik. Denn der Tarnkappen-Bomber B-2 Spirit von Northrop Grumman ist als Nurflügler ohne Leitwerk eine aerodynamisch instabile Konstruktion. Mit anderen Worten: Das Flugzeug würde sofort abstürzen, wenn nicht Elektronik die Fluglage ständig überwachen und kontrollieren würde.

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Nach dem Tarnkappenjäger F-117 war die B-2 das zweite Flugzeug, dass in diesem Ausmaß auf eine Unsichtbarkeit für Radarstrahlen entwickelt wurde. Dazu trug nicht nur die ungewöhnliche Form mit vielen sanften Rundungen, aber fast ohne gerade Linien bei, sondern auch die Zelle aus Kohlefaserverstärktem Epoxyd-Harz.

Der Einsatz an Elektronik, der in der B-2 getrieben werden musste, damit sie sich in der Luft halten konnte, war enorm. Anfangs sorgten insgesamt 13 extrem gegen EMV abgeschirmte Rechner in Verbindung mit einem Glasfasernetzwerk und einer großen Zahl von Sensoren für die Kontrolle. Das digitale Fly-by-Wire-Steuerungssystem war vierfach redundant ausgelegt.

2008 wurden die verteilten Rechnersyteme in einer sogenannten IPU (Integrated Processing Unit) auf Basis von Prozessoren der Pentium-Klasse zusammengefasst. Die Flugsteuerungssoftware, ursprünglich in einer Sprache namens JOVIAL programmiert, wurde in C neu geschrieben.

Außergewöhnlich ist die B-2 aber auch noch in einer anderen Hinsicht. Statt der ursprünglich geplanten 132 Maschinen wurde letztlich aus Kostengründen nur 21 gebaut und in Dienst gestellt. Die Fertigung der Maschine erwies sich als unglaublich aufwändig und führte letztlich zu einem Stückpreis von unfassbaren 2,1 Milliarden US-$ pro Maschine.

Von den 21 Maschinen sind noch 19 im Einsatz. Eine wurde durch ein Feuer am Boden zerstört, eine weitere stürzte beim Start ab, die Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten. Ursache war ein feuchter Sensor, der entgegen der Vorschriften vor dem Kalibrieren nicht durch Erhitzen getrocknet worden war. Er lieferte falsche Messwerte an den Computer, der das Flugzeug beim Abheben zu steil anstellte, wodurch die Maschine wieder auf den Boden krachte.

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