IPCEI-Allianz 17 EU-Staaten wollen gemeinsame Entwicklung von Mikroelektronik vorantreiben

Autor / Redakteur: mit Material von dpa / Sebastian Gerstl

Bislang entfallen weniger als zehn Prozent der weltweiten Halbleiterproduktion auf die Europäische Union. Seit langem wird eine Steigerung dieses Anteils auf 20 Prozent gefordert. Diesem Wunsch lassen 17 europäische Staaten nun Taten folgen: Zusammen wurde ein Important Project of Common European Interest (IPCEI) erstellt, welches die Halbleiter-Industrie samt Lieferkette in Europa vorantreiben soll.

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Europa will eine lokale, von den USA und China unabhängige Halbleiterentwicklung etablieren: In einer IPCEI-Allianz planen 17 EU-Staaten eine forcierte Förderung der lokalen Halbleiter-Industrie. Der Fokus soll auf der Finanzierung, der Entwicklung und der Produktion von Hardware in Europa liegen.
Europa will eine lokale, von den USA und China unabhängige Halbleiterentwicklung etablieren: In einer IPCEI-Allianz planen 17 EU-Staaten eine forcierte Förderung der lokalen Halbleiter-Industrie. Der Fokus soll auf der Finanzierung, der Entwicklung und der Produktion von Hardware in Europa liegen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

In einer Allianz für Mikroelektronik möchten Deutschland und 16 weitere EU-Staaten Milliarden in die Entwicklung moderner Mikroprozessoren und Halbleiter investieren. „Das ist ein entscheidender Bereich für die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nach einer Videokonferenz der für Digitalisierung zuständigen EU-Minister.

Allein in Deutschland gebe es in den kommenden Jahren einen Förderbedarf von mehreren Milliarden Euro. Dabei gehe es auch um „eine beträchtliche Zahl von Arbeitsplätzen“, sagte Altmaier.

Der CDU-Politiker stellte am Montag eine gemeinsame Erklärung von 17 EU-Staaten vor, die ein sogenanntes IPCEI (Important Project of Common European Interest) zu Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien unterstützen soll. Dabei handelt es sich um ein Vorhaben von europäischem Interesse, „das mittels staatlicher Förderung einen wichtigen Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und Wirtschaft leistet“. Ein ähnliches Projekt gibt es etwa im Bereich der Batteriezellen-Produktion.

Europa soll sich aus der Abhängigkeit von China und den USA herauslösen

EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sprach von einem „wichtigen Schritt für Europas digitale Souveränität“. Bislang sei Europa zu abhängig von Zulieferern aus Drittstaaten.

Derzeit besteht in Europa eine steigende Abhängigkeit an Chips aus dem Ausland, vor allem aus China und den USA. Ohne diese wäre die Hardware für die digitale Infrastruktur nicht umsetzbar, weshalb die europäischen Staaten dort ansetzen: In Europa sollen das Design und die Fertigungsanlagen entstehen, um selbst passende Prozessoren zu entwerfen und zu produzieren. Erste Schritte sind mit EuroHPC und der European Processor Initiative (EPI) bereits erfolgt, derzeit befindet sich der SiPearl Rhea in Entwicklung.

Geplant ist, dass 20 Prozent des Budgets für die Aufbau- und Resilienzfazilität in die digitale Transformation fließen sollen, was etwa 145 Milliarden Euro in den kommenden zwei bis drei Jahren entspricht. So viel Geld ist auch dringend notwendig, denn moderne Fabs sind extrem teuer, selbst technisch international rückständige Werke wie Boschs RB300 für 130 nm bis 65 nm kosten über eine Milliarde Euro. STMicroelectronics hat derzeit mit 28 nm den fortschrittlichsten Node in Europa. Das IPCEI sieht vor, auch besonders feine Fertigungsverfahren wie 2 nm in Europa einsetzen zu wollen - diese werden bisher von Fabs in Taiwan (TSMC), den USA (Intel) und Südkorea (Samsung Foundry) vorbereitet.

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