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Aufgemerkt 14. August 1984: Der IBM PC AT

Redakteur: Franz Graser

In der Rubrik „Aufgemerkt“ stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik vor. Diesmal: Der IBM PC AT.

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Das Kürzel AT stand für „Advanced Technology“. Der PC AT wartete mit dem vollwertigen 16-Bit-Prozessor 80286 von Intel auf und verfügte über einen leistungsfähigeren Systembus als seine Vorgänger. Ein äußerliches Erkennungsmarkmal war das Schloss, mit dem man den Rechner gegen unbefugte Benutzung sperren konnte.
Das Kürzel AT stand für „Advanced Technology“. Der PC AT wartete mit dem vollwertigen 16-Bit-Prozessor 80286 von Intel auf und verfügte über einen leistungsfähigeren Systembus als seine Vorgänger. Ein äußerliches Erkennungsmarkmal war das Schloss, mit dem man den Rechner gegen unbefugte Benutzung sperren konnte.
(Bild: IBM)

Big Blue war etwas verspätet in das Geschäft mit Personal Computern eingestiegen. Als 1981 der erste IBM PC mit der Typnummer 5150 erschien, definierte er trotzdem quasi über Nacht den De-facto-Standard für Bürorechner.

Dennoch war der IBM PC technisch gesehen ein Kompromiss: Die Entwicklung war unter hohem Zeitdruck erfolgt, so dass Big Blue auf Komponenten von Drittherstellern wie Intel zurückgriff und sich auch das Betriebssystem von Microsoft zuliefern ließ.

So ging IBM etwa den Kompromiss ein, den Original-PC mit dem Intel-Prozessor 8088 zu bestücken. Der Chip war intern zwar ein 16-Bit-Prozessor, er verfügte jedoch nur über einen 8 Bit breiten Datenbus. Das bedeutete unter anderem, dass für die übrige Elektronik preiswertere 8-Bit-Komponenten verwendet werden konnten.

Erst 1984 mit dem IBM PC AT (das Kürzel AT stand für „Advanced Technology“) brach bei Big Blues PCs endgültig das 16-Bit-Zeitalter an. Das Grundmodell des AT (Typ 5170) war mit einem 80286-Prozessor von Intel ausgestattet, der mit 6 Megahertz getaktet war. Spätere Varianten des AT warteten mit einer Taktfrequenz von 8 Megahertz auf.

Auch das Innenleben des AT war auf die 16-Bit-Technik abgestimmt. Das Mainboard verfügte über einen 16 Bit breiten Datenbus und einen 24 Bit breiten Adressbus. Damit war es möglich, maximal 16 Megabyte Hauptspeicher anzusprechen. Beim Original-PC waren 640 Kilobyte die Schallgrenze gewesen.

Zu den Neuerungen des AT zählte auch eine batteriegepufferte Systemuhr. Die Batterie versorgte zudem den BIOS-Speicher mit Strom, damit bestimmte Systemeinstellungen auch dann erhalten blieben, wenn der Rechner ausgeschaltet wurde.

Auch das Tastatur-Layout war überarbeitet worden: Der Ziffernblock wies etwas mehr Abstand zum alphanumerischen Teil des Keyboards auf, zudem gab es drei Status-LEDs, die anzeigten, ob die NUM-LOCK-Taste, die CAPS-LOCK-Taste oder die SCROLL LOCK-Taste aktiv waren. Ein Jahr später führte IBM mit der Model-M-Tastatur im Wesentlichen das Keyboard-Layout ein, das wir bis heute kennen.

Mit dem AT gelang es Big Blue ein letztes Mal, den praktisch für die gesamte Geräteklasse der IBM-Kompatiblen gültigen Standard vorzugeben. Denn den nächsten Entwicklungsschritt hin zu einer 32-Bit-Architektur vollzog der Konkurrent Compaq: Die Texaner verbauten 1986 erstmals Intels 32-Bit-Prozessor 80386 in einem PC und initiierten den Busstandard EISA (Extended Industry Standard Architecture).

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Diese Systembus-Architektur war der Micro Channel Architecture (MCA), die IBM 1987 in seinen PS/2-Modellen einführte, zwar technisch unterlegen. EISA hatte aber den Vorteil, dass ältere Erweiterungskarten weiter verwendet werden konnten.

Damit war die Spaltung vollzogen. Die Hersteller der IBM-kompatiblen PCs waren nicht mehr bereit, die Technologieführerschaft von Big Blue zu akzeptieren.

Dennoch blieb Big Blues letzter echter PC-Standard viele Jahre lang präsent. Bis in die 2000er-Jahre hinein verlangten viele kommerzielle Softwarepakete als Systemvoraussetzung explizit einen „IBM-AT-kompatiblen PC“.

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