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125 Jahre drahtlose Telegrafie

Guglielmo Marconi gilt als der Erfinder der drahtlosen Telegrafie, schließlich erhielt er dafür 1909 zusammen mit Karl Ferdinand Braun den Nobelpreis für Physik. Aber weit gefehlt – der deutsche Tüftler Ferdinand Schneider aus Fulda war schneller!

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Der Edison von Fulda: Ferdinand Schneider präsentierte vor 125 Jahren die Funktelegrafie – ein halbes Jahr vor Marconi.
Der Edison von Fulda: Ferdinand Schneider präsentierte vor 125 Jahren die Funktelegrafie – ein halbes Jahr vor Marconi.
(Bild: Stadtarchiv Fulda)

Ein halbes Jahr vor Marconi, nämlich bereits am 24. März 1895, führte Ferdinand Schneider während eines Experimentiervortrags in Fulda weltweit zum ersten Mal die drahtlose Telegrafie vor.

Im Gegensatz zu Marconi fehlte Schneider jedoch das erforderliche Kapital, seine Ideen kommerziell zu verwirklichen. Trotzdem fand Schneider Abnehmer für seine Erfindung, darunter viele Schulen. Sogar in den Kolonien des Kaiserreichs kamen Schneiders Funktelegrafen zum Einsatz.

Der weniger bekannte „Edison von Fulda“

Schneider entwickelte unter anderem auch Entfernungsmesser, Mikrofone, Projektoren, Motoren, Sprechmaschinen, Sicherheitsmanometer, Blitzableiter, Signalanlagen und Windkraftanlagen. In seinem Haus in Fulda betrieb er mit einer Windturbine. Der Strom aus dem von ihr angetriebenen Dynamo konnte in einer 30-Volt-Batterie gespeichert werden und brachte die überall im Haus angebrachten Osmiumlampen zum Leuchten. Schneider baute zahlreiche Windturbinen, die wohl bekannteste stand auf dem Kreuzberg in der Rhön, wo sie das Franziskanerkloster mit Strom versorgte. Seine Idee einer „Weltuhr“, einem Vorläufer der heutigen Funkuhr, fand damals jedoch ein zwiespältiges Echo.

Dem „Edison von Fulda“ wurden 117 deutsche und 64 ausländische Patente erteilt. Die Vielzahl seiner Erfindungen wurde Schneider aber zum Verhängnis: Er konnte die Patentgebühren nicht mehr aufbringen, Haus und Laboratorium wurden 1936 zwangsversteigert. Wegen Mittellosigkeit musste er Ehrendoktorwürden der Universitäten Jena und Zürich ablehnen. Als er 89-jährig in einem Altenheim starb, wussten nur noch Fachleute von seinen bahnbrechenden Leistungen.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS - Wissen. Impulse. Kontakte.