Buchtipp

… und Geld motiviert doch – die 7 großen Irrtümer

| Autor / Redakteur: Dr. Jörg Zeyringer* / Ines Näther / David Franz

Wie Geld wirkt: Faszination Geld – wie es uns motiviert und antreibt BusinessVillage; ISBN 978-3-86980-251-0; 24,80 Eur(D) / 25,50 Eur(A) / 29,80 CHF UVP
Wie Geld wirkt: Faszination Geld – wie es uns motiviert und antreibt BusinessVillage; ISBN 978-3-86980-251-0; 24,80 Eur(D) / 25,50 Eur(A) / 29,80 CHF UVP (BusinessVillage)

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Geld fasziniert, es motiviert und treibt uns an – doch nicht immer so, wie wir es erwarten. Mit dem Buch „Und Geld motiviert doch - die sieben Irrtümer“ von Dr. Jörg Zeyringer begeben Sie sich auf eine spannende Reise und erfahren, was Motivation wirklich bedeutet und warum Geld Menschen bewegt.

Schlagen Sie ein beliebiges Buch zum Thema Personalwirtschaft auf. Dort finden Sie: Geld motiviert nicht. Es sei nur ein Hygienefaktor, an finanzielle Incentives gewöhne man sich schnell und wenn es doch eine Wirkung haben könnte, dann nur als Strohfeuer, das schnell verbrenne. Dies deckt sich mit der öffentlichen Meinung, die über den Motivationsfaktor Geld herrscht. Motivationspsychologe Dr. Jörg Zeyringer meint, dass das Unsinn ist. Weshalb dennoch viele Menschen glauben – glauben müssen – dass dem nicht so sei, liegt an sieben Irrtümern, die unkritisch seit Generationen übernommen und weitergetragen werden.

Der älteste dieser Irrtümer ergibt sich aus der besonderen Nähe, die Geld zum Göttlichen aufweist. Beides trug von Anfang an ein beträchtliches Machtpotenzial in sich. Damit war eine außergewöhnliche Konkurrenzsituation geschaffen. Besonders für die Glaubenslehre der christlichen Kirche entstand dadurch eine reale Bedrohung. Die Vertreter der Kirche hatten mit einer weiteren Problematik zu kämpfen. Nur der von Gott geschaffene Mensch durfte sich vermehren. Dem Geld durfte diese Macht nicht zugestanden werden. Der Geldverleiher wurde zum Urbild des Sünders, das Geld zu etwas Bösem. Denn, „man kann nicht zugleich Gott und dem Mammon dienen“.

Geld darf also nicht motivieren, weil Geld und Glaube in Konkurrenz stehen. Oder, anders gesagt: Je größer die Angst vor Gott, desto weniger durfte die Motivationskraft des Geldes anerkannt werden. Dieses Bild wurde in unserer westlichen und christlich geprägten Kultur Jahrhunderte lang vehement vermittelt. Dass sich daraus eine (unbewusste) Überzeugung im Sinne einer sozialen Erwünschtheit entwickelt hat, die noch heute vertreten wird bzw. vertreten werden muss, überrascht nicht.

Geld ist nicht so wichtig – sagen die, die bereits sehr viel davon haben

Verstärkt wird diese Einstellung dadurch, dass man immer wieder zu hören bekommt, dass Geld nicht wichtig sei; Irrtum zwei. Auffällig dabei, dass dies vor allem von Menschen zu hören ist, die sehr viel Geld besitzen. Vielleicht fragen sich diese ja von Zeit zu Zeit, ob es gerecht sei, dass sie so viel mehr haben als andere. Die Antwort würde mit hoher Wahrscheinlichkeit eine kognitive Dissonanz auslösen, die unangenehm wäre und aufgelöst werden muss. Dafür eignet sich die Überzeugung, dass Geld nicht so wichtig sei, hervorragend. Je stärker die Bedeutung von Geld und Einkommen heruntergespielt werden kann, desto eher kann dieses mentale Problem aufgelöst werden.

Wie wichtig Geld tatsächlich ist, zeigt eine der größten Sozialstudien, die in den letzten Jahren weltweit durchgeführt wurden. Im Königreich Bhutan ermittelt man das Bruttonationalglück und erhebt, was die Menschen brauchen, um glücklich zu sein. Auffällig ist, dass sich die Mehrzahl der Antworten auf materielle Werte und Geld bezieht. Eine Szene im Trailer zum Kinofilm „What Happines Is“ verdeutlicht dies. Befragt wird ein etwa 50jähriger Mann. „Ich brauche eine Million zum Glück“, ist seine Antwort.

Diskutiert man mit Menschen die Motivationskraft des Geldes, entwickelt sich das Gespräch auffallend schnell in die Richtung Irrtum drei. „Ja, aber Geld alleine macht doch auch nicht glücklich“ oder „ja, aber doch nicht jeden“, oder „ja, aber doch nicht am stärksten“. Stellt sich die Frage, weshalb dies dermaßen betont wird?

Geld unterscheidet sich diesbezüglich nicht von möglichen anderen Motivatoren. Für sich alleine betrachtet machen sie alle keinen Sinn. Nicht, weil sie nicht wirken, sondern weil das menschliche Verhalten, das Leben allgemein, eben in Kontexten stattfindet. Dementsprechend sollte die Diskussion über menschliche Antriebe ebenfalls in Zusammenhängen geführt werden. Dass Geld alleine nicht ausreicht, wenn man sonst nichts zur Verfügung hat, keine Freizeit, um es auszugeben, keine Freunde, um es mit ihnen zu teilen, nicht die Gesundheit, um überhaupt Planungen anzustellen, ist keine wesentliche Erkenntnis. Bleibt die Frage, ob die Tatsache, dass Geld für die meisten von uns, extrahiert von den individuellen Kontexten, keine Bedeutung hat, die grundsätzliche Motivationskraft des Geldes aufhebt.

Geld stellt vielmehr einen der größten Antriebe dar, die Menschen zu bestimmten Handlungen bewegen. Zu guten wie zu schlechten. Natürlich gibt es Unterschiede. So wirkt Geld in einer eher individualistischen Gesellschaft noch stärker als in einer eher kollektivistischen. Und selbstverständlich gibt es neben dem Geld weitere wesentliche Motivationsfaktoren, die eine hohe Wirkung erzielen.

Wenn Geld nicht motiviert, stellt sich die Frage, ob Mitarbeiter ordentlich bezahlt werden sollen, erst gar nicht

Irrtum vier besteht darin, dass viele noch immer glauben, der Mensch ist nur intrinsisch motivierbar und Geld somit als Motivator ausscheidet. Mitverantwortlich dafür sind zwei Modelle aus den Ansätzen der humanistischen Psychologie. Die Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg und die Bedürfnishierarchie von Abraham Maslow. Auf der Suche nach dem guten Menschen (siehe Irrtum 1) entschieden sich beide dafür, dem Geld die Motivationsfähigkeit abzusprechen. Das, obwohl sie auf keine wissenschaftlich einwandfreien Forschungen zurückgreifen konnten. Für Unternehmen war diese Botschaft höchst erfreulich und es ist gut nachvollziehbar, dass sie an dieser These festhalten wollten. Wenn Geld nicht motivierend wirken kann, dann stellt sich die Frage, ob Mitarbeiter ordentlich bezahlt werden sollen bzw. müssen, erst gar nicht.

Nun könnte man einwenden, dass Geld doch nur Mittel zum Zweck sei, also maximal eine extrinsische Motivation bewirken würde. Neuere motivationspsychologische Erkenntnisse zeigen aber, dass die strikte Unterscheidung in intrinsisch und extrinsisch motivierte Handlungen eine gewisse Unschärfe aufweist. Dem sozialen Kontext wird dabei zu wenig Bedeutung beigemessen. Aber auch unabhängig von der Diskussion über extrinsische und intrinsische Motivation gilt: Geld ist nicht nur Mittel zum Zweck. Dies zu unterstellen, ist wirklichkeitsfremd.

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Herr Zeyringer! Ist das ernsthaft Ihre Auffassung von der Wirkung des Geldes? Dann sollten Sie...  lesen
posted am 01.06.2015 um 19:03 von Unregistriert

mehr geld kann sicherlich bei bedachtem einsatz die lebensquantität steigern, aber steigt damit...  lesen
posted am 08.07.2014 um 11:25 von Unregistriert

Das Problem beim Geld ist, dass ich Geld brauche, um mich von der Arbeit zu verabschieden. Mit...  lesen
posted am 07.07.2014 um 15:28 von Unregistriert


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