Einkaufs-Vorstand Markus Duesmann

„Verbotene Abschalteinrichtungen waren nie ein Thema bei BMW“

| Autor / Redakteur: Max Hägler und Klaus Ott, SZ.de* / Benjamin Kirchbeck

Verbotene Abschalteinrichtungen für Dieselfahrzeuge waren laut Einkaufsvorstand Markus Duesmann nie ein Thema bei BMW.
Verbotene Abschalteinrichtungen für Dieselfahrzeuge waren laut Einkaufsvorstand Markus Duesmann nie ein Thema bei BMW. (Bild: BMW)

Stattdessen habe Markus Duesmann, damals Leiter für Antrieb bei BMW, gerätselt, wie Audi die guten Diesel-Abgaswerte erreichen konnte. Die Idee, dass sich der Konkurrent illegaler Mittel bediente, sei ihm nie gekommen.

Markus Duesmann, Einkaufsvorstand bei BMW, ist Druck gewohnt. Der Manager war jahrelang in der Formel 1 zugange, erst für Mercedes und dann für seinen jetzigen Arbeitgeber. Bei den Rennboliden, die der Diplom-Ingenieur entwickeln half, zählte jede Zehntelsekunde; in jeder Runde.

Als Duesmann bei BMW andere Spitzenjobs übernahm, wurde der Druck freilich nicht kleiner. Nun zählte jeder Liter. Die Diesel-Fahrzeuge vom Konkurrenten Audi verbrauchten viel weniger Ad Blue.

Dieses Gemisch aus Harnstoff und Wasser, neutralisiert gesundheitsschädliche Stickoxide. Und weil es eine recht klebrige Brühe ist, möchten Hersteller den Autofahrern möglichst selten das Nachfüllen zumuten. Als Duesmann bei BMW in München im Jahr 2012 Leiter des Bereichs Antrieb wurde, gab es intern deswegen heftige Debatten.

„Es gab großen Druck“, erinnert sich der Manager im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Der Wettbewerber schaffe viel längere Laufzeiten ohne Nachfüllen, hieß es aus anderen Abteilungen, sei also angenehmer im Betrieb. Wie kann das sein?

Das Marketing und der Vertrieb, also die Verkäufer, stellten drängende Fragen. Was damals kein Außenstehender über Audi wusste: Die Ingolstädter manipulierten mit einer Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung: Sie schalteten den Katalysator herunter, der Ad Blue verwendete.

Entscheidend ist, was eingebaut wurde

Bei BMW, sagt Duesmann, sei das anders gewesen. „Verbotene Abschalteinrichtungen waren bei uns nie ein Thema. Wir haben nie darüber diskutiert, ob wir das machen.“ Eine Aussage, die sich in diesen Tagen nur noch wenige auszusprechen trauen. Bei BMW scheinen sie offensichtlich keine Zweifel zu haben an ihrer Unbescholtenheit. Als er Bereichsleiter war, hätten er und seine Kollegen versucht herauszufinden, was Audi anders macht. Aber vergeblich, wie Duesmann erzählt.

Auch bei BMW diskutierten Ingenieure über wirklich alles, was mit Motoren und Software angestellt werden kann, ob legal oder illegal, das bestreitet niemand wirklich im Konzern. Entscheidend sei, was letztlich eingebaut werde, heißt es stets. Oder wie Duesmann formuliert:

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Die Hardware / Platine für die Ansteuerung kommt vom Zulieferer, wie weit da die Leute bei BMW...  lesen
posted am 04.08.2017 um 09:44 von Unregistriert

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posted am 04.08.2017 um 07:31 von Marionese,Marionese

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posted am 03.08.2017 um 12:48 von nicht registrierter Nutzer

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