23.04.2010 | Redakteur: Holger Heller
CompactPCI Serial (CPCI-S.0) definiert für 6HE den zusätzlichen Steckverbinder P0. Seine Hauptaufgabe ist die Verstärkung der Stromversorgung für die Baugruppe.
6HE-Karten sind um ca. 130% größer als 3HE-Karten. Entsprechend mehr Elektronik verbraucht aber auch mehr Strom. Die Leistungsaufnahme aus 12 V ist für 3HE-Boards auf 60 W beschränkt. Für 6 HE sind 150 W zulässig. Dies genügt auch zur Versorgung leistungshungriger Server-Chipsätze. 150 W sind zugleich die physikalische Grenze für Luftkühlung von Baugruppen, die mit je vier Teileinheiten ein 19“-Rack füllen. Ein 19“-Baugruppenträger mit 20 6HE-Slots könnte dann theoretisch bis 3000 W Wärmeleistung erzeugen.
Die neuen AirMax-Steckverbinder von CompactPCI Serial haben keine speziellen Stromversorgungspins. Zur Spannungszuführung werden Standardstecker genutzt, die zur Signalübertragung geeignet sind. Pro Pin kann der Stecker bei 85 °C mit einer Stromlast von 1 A belastet werden. Durch die Konstruktion des Steckverbinders stehen die Kontakte einzeln, ohne eine thermische Kopplung. Wird eine Kontaktverbindung wärmer als eine andere, so erhöht sich der Innenwiderstand und der Strom sucht sich den Weg über kühlere Kontakte. Dies garantiert eine gleichmäßige Belastung aller Kontakte.
Der für P0 gewählte Steckertyp ist identisch zu P1. Er hat demnach 72 Kontakte und könnte bis zu 24 differenzielle Signale verbinden. Seine Pins verstärken die 12-V-Versorgung, aber auch die 5-V-Standby-Versorgung. Insgesamt darf nun ein 6HE-Board bis zu 25 W Leistung aus den 5 V Standby entnehmen – ebenfalls ein Zugeständnis an Server-Chipsätze.
Ganz neu eingeführt wurden zwei redundante, isolierte 48-V-Stromversorgungen. Sie sollen verschiedene Telekom-Standards, aber gerade auch Lösungen wie Power-over-Ethernet (PoE) unterstützen. Eine 6HE-Karte kann knapp 100 W über die Busplatine bereitstellen. Auf die thermische Bilanz hat dies kaum Einfluss, da bei PoE ja externe Geräte mit Leistung versorgt und die 48 V lediglich gesteuert werden.
Zwei Reihen des P0 sind für zwei zusätzliche Ethernet-Kanäle reserviert. Diese kommen zu den acht Kanälen hinzu, die als Full-Mesh-Netzwerk definiert sind. Während die acht Kanäle das Multiprozess-Netz von CompactPCI Serial bilden, können die zwei Zusatzkanäle zur Integration in vorhandene CompactPCI-Systeme auf Basis des PICMG-Standards 2.16 dienen, aber auch zur Systemadministration. Parallele CompactPCI-Systeme verwenden dafür noch den IPMB, einen I²C-Bus.
Der Trend geht aber auch hier zu Ethernet. Intel bezeichnet diese Technologie als AMT. Sie dient z.B. zum Update von Software auch bei ausgeschaltetem System. Die zusätzlichen Ethernetkanäle sind ein echtes Alleinstellungsmerkmal von CompactPCI Serial und belegen, dass der Standard CPCI-S.0 für die Zukunft gut gerüstet ist.
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 338476)