VCD-Umweltliste: Diese 34 Autos können Sie beruhigt kaufen

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Alle vom VCD vorgestellten Autos verbrauchen nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße vergleichsweise wenig Kraftstoff und Energie. Und sie werden auch in einigen Jahren in jeder Umweltzone fahren dürfen.
Alle vom VCD vorgestellten Autos verbrauchen nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße vergleichsweise wenig Kraftstoff und Energie. Und sie werden auch in einigen Jahren in jeder Umweltzone fahren dürfen. (Bild: VCD)

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat eine Liste mit 34 Fahrzeugen veröffentlicht, die nach Meinung des VCD von Verbrauchern trotz des Abgasskandals bedenkenlos gekauft werden können. Wenig überraschend: Von Dieselfahrzeugen wird grundlegend abgeraten.

Wer sich ein sparsames Auto kaufen und damit auch in den nächsten Jahren sicher in die Innenstädte fahren will, sollte nach Benzin-Hybrid- und Erdgasfahrzeugen sowie kleinen, effizienten Benzinern Ausschau halten. Von Dieselfahrzeugen sowie Benzinern mit Direkteinspritzung ohne Partikelfilter rät der ökologische Verkehrsclub VCD in seiner VCD Auto-Umweltliste 2017/2018 dringend ab.

Die Liste enthält 34 Pkw, davon sechs Benzin-Elektro-Hybride, fünf Erdgas-Pkw, 13 Benziner und zehn Elektroautos. Alle vom VCD vorgestellten Autos verbrauchen nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße vergleichsweise wenig Kraftstoff und Energie. Und sie werden auch in einigen Jahren in jeder Umweltzone fahren dürfen.

Diesel-Pkw tauchen in der Liste nicht auf. Da nach wie vor nur sehr wenige Daten zum Schadstoffausstoß und Spritverbrauch von Pkw auf der Straße verfügbar sind, verzichtete der VCD auf ein umfassendes Auto-Ranking. Stattdessen präsentierte er eine Positiv-Liste von Fahrzeugen, zu denen verlässliche und aus Umweltsicht vertretbare Emissions- und Verbrauchswerte vorliegen.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Die Entscheidung, in Zeiten des Abgasskandals ein Auto zu kaufen, sollte wohl überlegt sein. Wer seinen Euro-4-Diesel jetzt für einen Euro-6-Diesel verschrottet, kann mit dem Neuwagen vielleicht schon bald nicht mehr in die Umweltzone fahren. Es ist ein Skandal, dass heute immer noch Euro-6-Diesel zugelassen werden, die den gesetzlichen Stickoxid-Grenzwert bei Straßenmessungen um das Mehrfache überschreiten.“

Es werde dringend empfohlen, nur ein umwelttechnisch einwandfreies Auto zu kaufen, so Lottsiepen weiter. Die gute Nachricht sei, dass die Verbraucher mit den Pkw aus der Auto-Umweltliste auf der sicheren Seite sind. Zu den empfehlenswerten Autos zählt der VCD Benzin-Hybride wie den Toyota Prius Hybrid.

Dieser ist inzwischen in der vierten Generation unterwegs und bewährt sich in vielen Städten als sparsames und zuverlässiges Taxi. Auch Erdgasmodelle wie der VW eco up! sind zu empfehlen. Eine gute Wahl sind zudem effiziente Benziner ohne Direkteinspritzung wie der Citroen C1 VTi 68 Stop&Start. Elektroautos wie der BMW i3 sind besonders für Fahrzeugflotten und Pendler geeignet. Die vier genannten Fahrzeuge stehen stellvertretend für die vom VCD empfohlenen Antriebe.

Dieselfahrzeuge kann der VCD nicht empfehlen, da kaum ein Autohersteller belegen konnte, dass die Stickoxid-Grenzwerte seiner Pkw auch auf der Straße eingehalten werden. Die einzige Ausnahme, der Mercedes E 220d, wurde nicht in die VCD Auto-Umweltliste aufgenommen, da er zu viel Sprit verbraucht und vor Fahrverboten nicht völlig sicher ist.

Solange es keine blaue Plakette gibt, könnten alle Diesel von Fahrverboten betroffen sein. Auch direkteinspritzende Benziner sind nicht in der Liste enthalten, da sie noch keinen Partikelfilter haben und deshalb eine hohe Zahl ultrafeiner und besonders gesundheitsschädlicher Partikel ausstoßen.

Gerd Lottsiepen weiter: „Die Autoindustrie weiß, wie schädlich die Partikel aus direkteinspritzenden Benzinern sind, und sie weiß, dass Partikelfilter wirksam und kostengünstig sind. Doch sie spielt auf Zeit. Ab September 2018 gilt für neuzugelassene Benziner ein neuer Grenzwert für Partikel. Aus diesem Grund müssen innerhalb des nächsten Jahres fast alle neuen direkteinspritzenden Benziner mit einem Filter ausgerüstet werden. Wenn die Hersteller jetzt noch filterlose Autos verkaufen, hintergehen sie wieder einmal ihre Kunden und vergiften bewusst die Menschen mit Schadstoffen.“

Wasilis von Rauch, Bundesvorsitzender des VCD, erinnerte daran, dass der Diesel und andere Verbrennungsmotoren in der Klimakrise nicht zukunftsfähig sind: „Die Autoindustrie ist mitverantwortlich dafür, dass die CO2-Emissionen aus dem Verkehr in Deutschland seit Jahren ansteigen statt zu sinken. Die Dieselaffäre muss ein Weckruf für die Politik sein, endlich die überfällige Verkehrswende einzuleiten. Wir brauchen insgesamt weniger Autos auf unseren Straßen, mehr E-Mobilität und schärfere CO2-Grenzwerte. Das trägt zu mehr Lebensqualität, zum Gesundheits- und Klimaschutz bei.“

Der VCD hatte für die diesjährige Auto-Umweltliste bei den Herstellern Angaben zu realistischen Verbräuchen und Emissionen ihrer Pkw abgefragt. Die Autokonzerne sollten neben den offiziellen Angaben, die aus einem Labortest im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) stammen, auch Daten aus Straßenmessungen liefern – insbesondere aus RDE-Messungen (Real Driving Emissions).

Die Hersteller müssen seit April 2016 neue Modelle auch Straßentests unterziehen. Dennoch gaben viele Autokonzerne an, die Daten aus den realistischen Messungen nicht liefern zu können. Um für die in der VCD Auto-Umweltliste 2017 /2018 empfohlenen Fahrzeuge realistische Angaben machen zu können, griffen die VCD-Autoexperten zusätzlich auf unabhängige Quellen wie das Online-Tool spritmonitor.de oder das Emissions-Kontroll-Institut zurück. Alle Fahrzeuge in der Liste stoßen auf der Straße nicht mehr als 150 g CO2/km aus.

Michael Müller-Görnert, VCD-Verkehrsexperte kritisiertt: „Auch im Jahr zwei des Abgasskandals nehmen die Autokonzerne ihre angekündigte Transparenzoffensive nicht ernst. Sie mauern, wenn es darum geht, die Daten aus Straßenmessungen herauszugeben. Sie werden auf der IAA in Frankfurt fast nur Fahrzeuge vorstellen, die nach den alten, laschen Regeln zugelassen wurden und im nächsten Jahr als neu verkauft werden. Für uns heißt das: Die Autohersteller verkennen die Zeichen der Zeit und verspielen weiter das Vertrauen der Verbraucher.“

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