Gastkommentar

Totgesagte leben länger – warum Bleibatterien noch immer aktuell sind

| Redakteur: Thomas Kuther

Raphael Eckert, Group Sales Manager der YUASA Battery (Europe) GmbH, einem japanischen Batteriehersteller mit Tochtersitz in Düsseldorf.
Raphael Eckert, Group Sales Manager der YUASA Battery (Europe) GmbH, einem japanischen Batteriehersteller mit Tochtersitz in Düsseldorf. (Bild: YUASA)

Blei- oder Lithiumbatterien – die Qual der Wahl. Macht Blei überhaupt noch Sinn, oder eignet sich Lithium immer? Der Einsatzzweck und die Frage nach der Wirtschaftlichkeit entscheiden.

Spricht man heutzutage von Batterien, kommt man am Thema Lithium-Ionen nicht mehr vorbei. Man gewinnt sogar den Eindruck, dass dies die vorherrschende oder sogar die alleinige am Markt befindliche Technologie ist. Es scheint, Lithium bedient mittlerweile alle Anwendungen, ob Haushalt, Freizeit oder Industrie.

Da GS YUASA als einer der weltweit führenden Hersteller sowohl Bleibatterien als auch Lithium-Ionen-Zellen produziert und global vermarktet, soll hier ein Vergleich gezogen werden. Zunächst ist eine Eingrenzung notwendig. In dieser Darstellung lassen wir die Starterbatterien für Kfz und Motorräder außen vor.

Außerdem sollen Lithium-Ionen-Batterien ganz allgemein betrachtet werden, ohne die jeweilige Chemie einzugrenzen. Wenn wir von Bleibatterien reden, sprechen wir von modernen wartungsfreien ventilgeregelten Blei-Säure-Batterien (VRLA, valve-regulated lead-acid).

Für einen Vergleich ist es sinnvoll die Anforderungen zu betrachten, die an die künftige Batterielösung gestellt werden sollen. Diese sind Zyklenfähigkeit, Umgebungstemperatur, Gewicht, Platzbedarf, Lade-/Entladeperformance, Autonomie und natürlich der Preis. Grundsätzlich scheint eine Li-Ionen-Batterie in allen Punkten der Bleibatterie überlegen.

Allerdings erkauft man sich diesen Vorteil mit einem Vielfachen des Preises, bezogen auf eine kWh. So gilt es abzuwägen und zu gewichten. Im Antriebsbereich ist die Li-Ionen-Batterie in vielen Fällen durch hohe Zyklenzahlen, geringes Gewicht, wenig Platzbedarf und eine Wiederaufladung in kurzer Zeit überlegen. Diese Faktoren kommen dem Anwendungsfeld entgegen.

Im Bereich der Energiespeicherung sieht das etwas anders aus. Hat der Anwender genügend Platz und kein Problem mit dem Gewicht, stehen von GS YUASA hochentwickelte VRLA-Batterien mit 5000 Zyklen (bei 50 Prozent DOD) sowie einer hervorragenden Ladeakzeptanz zur Verfügung. Das bedeutet, oben genannte Batterie gewinnt schon nach fünf bis sechs Stunden Ladezeit (bei 50 Prozent DOD) 100 Prozent ihrer Kapazität zurück und ist darauf ausgelegt, Strom zuverlässig über einen längeren Zeitraum abzugeben.

Bleibatterien bieten also unter Umständen mit deutlich geringerem Invest eine gute Alternative. Ein Anwendungsbeispiel ist das Kraftwerk Lerwick auf den Shetlandinseln, wo unter den gegebenen Bedingungen und den vorhandenen Räumlichkeiten die Wahl auf die Bleibatterie des Typs SLE1000 von YUASA fiel. Mit 3186 Batterien und 1 MW/3 MWh wurde Europas größter Energiespeicher auf Basis von VRLA-Batterien installiert.

Die Batterien haben die Aufgabe, das Kraftwerk bei Lastspitzen zu unterstützen. Ihre Verfügbarkeit ist so hoch, dass sie auch bei kurz aufeinanderfolgenden Lastspitzen einen kontinuierlichen Betrieb des Kraftwerks und die Stromversorgung der Insel sicherstellen. Außerdem lassen sich die Bleibatterien dank VRLA-Technik liegend verbauen und in bis zu vier Modulen übereinander stapeln.

Das bedeutet eine enorme Platzeinsparung bei der Stellfläche, im vorhandenen Batteriegebäude ließen sich Module mit einer höheren Kapazität unterbringen als mit stehend verbauten Typen – ein echter Kostenvorteil. Im wichtigsten Anwendungsfeld, der unterbrechungsfreien Stromversorgung, fällt die Wahl klar auf eine Bleibatterie. Denn tiefe Zyklen spielen hier keine Rolle, Platz und Statik sind gegeben, die Umgebungstemperatur wird in der Regel über eine Klimatisierung sichergestellt und die geforderte Autonomie von normalerweise 10 bis 15 Minuten ist für eine VRLA-Batterie überhaupt kein Problem.

Das Fazit: Moderne VRLA-Batterien werden auch in Zukunft noch eine wesentliche Rolle spielen, wenngleich Lithium-Ionen-Batterien in vielen Bereichen sicherlich auf dem Vormarsch sind. YUASA handhabt das getreu dem Motto: “Lithium works where Lead Acid doesn´t”.

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Ein ganz wichtiger Punkt wurde hier vergessen: Lithium-basierte Akkumulatoren gehen relativ...  lesen
posted am 12.09.2017 um 06:42 von Unregistriert


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