Angemerkt

Müssen Entwickler zu Whistleblowern werden?

25.11.15 | Redakteur: Franz Graser

Franz Graser, Leitender Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: "Softwareentwicklung ist nicht nur eine Frage von Technik und Methoden, sondern auch von Ethik und Verantwortung."
Franz Graser, Leitender Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: "Softwareentwicklung ist nicht nur eine Frage von Technik und Methoden, sondern auch von Ethik und Verantwortung." (Bild: VBM-Archiv)

Vielleicht hatte die VW-Affäre im Nachhinein ein Gutes: Niemand muss der Öffentlichkeit mehr weit ausholend erklären, was Embedded-Software eigentlich ist. Jeder weiß jetzt, dass es bei den betroffenen Fahrzeugen irgendwo ein Steuergerät gibt, auf dem Software läuft, die ... Sie wissen schon.

Leider ist das kein besonders erbauliches Beispiel für Embedded-Software. Aber das Negativ-Thema VW ist nun einmal in der Welt, und die Community der Ingenieure und Entwickler muss sich überlegen, welche Lehren daraus gezogen werden können. Und da steht natürlich die Frage im Raum, inwieweit Entwickler, die von illegalen Praktiken im Unternehmen Wind bekommen, verpflichtet sind, diese Dinge zu melden.

Sie merken: Es geht nicht nur um Technik und Methoden, sondern es gibt auch eine Dimension der Ethik und Verantwortung. Und deshalb muss es mündige Mitarbeiter geben, die bei aller Liebe zu technischen Lösungen auch einen inneren Kompass haben, der zuverlässig anzeigt, was richtig und was falsch ist.

Als Beispiel möchte ich hier den amerikanischen Ingenieur Roger Boisjoly nennen, der Mitte der achtziger Jahre immer wieder vor Mängeln der Dichtungsringe in den Feststoff-Boostern des Space Shuttle warnte. Eine Zeitlang ging alles gut. Doch dann trat am 28. Januar 1986 genau das ein, was Boisjoly vorhergesagt hatte. Der Challenger-Katastrophe fielen nicht nur sieben Astronauten zum Opfer, sondern das gesamte US-Raumfahrtprogramm wurde um Jahre zurückgeworfen.

Ich denke, im Nachhinein wäre VW sicher um solche mündigen Mitarbeiter froh gewesen. Denn der Schaden, den die viel zitierte Schummel-Software angerichtet hat, ist nun viel größer, als die Entwicklung eines Dieselmotors mit regelkonformer Abgasreinigung gekostet hätte.

Ich freue mich darauf, mit Ihnen über dieses Thema zu diskutieren. Am besten auf dem diesjährigen ESE Kongress in Sindelfingen (www.ese-kongress.de). Wir sehen uns!

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posted am 02.12.2015 um 22:21 von Unregistriert

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posted am 02.12.2015 um 07:11 von Unregistriert

Lieber Olaf! Für Betrugs- und Steuerhinterziehungsangelegenheiten sind in einem Konzern einzig...  lesen
posted am 27.11.2015 um 17:31 von Unregistriert

Da bin ich mir aber ziemlich sicher, dass die Staatsanwaltschaft in der VW-Affäre auch noch...  lesen
posted am 25.11.2015 um 15:30 von Olaf Barheine


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