Aufgemerkt

29. Oktober 1969: Die Geburt des Internets

26.10.14 | Redakteur: Martina Hafner

Quasi die Geburtsurkunde des Internet: Das kurze handschriftliche Protokoll der ersten Datenübertragung im ARPANET
Quasi die Geburtsurkunde des Internet: Das kurze handschriftliche Protokoll der ersten Datenübertragung im ARPANET (Creative Commons)

Mit der Verbindung zweier Großrechner wurde am 29. Oktober 1969 das Internet geboren. Die erste aus Los Angeles verschickte E-Mail sollte das 500 Kilometer entfernte Stanford Research Institute erreichen.

Den Beteiligten war die Bedeutung ihrer Tat ganz offensichtlich nicht bewusst: Außer einem handgeschriebenen Zettel sind keine Dokumente überliefert, nicht alle beteiligten Personen sind bekannt – und sogar das Datum an sich ist umstritten. Doch der 29. Oktober 1969 gilt mittlerweile als die Geburtsstunde des Internet.

Es hieß damals noch ARPANET, benannt nach der geldgebenden Advanced Research Projects Agency (ARPA) des US-Militärs und sollte erstmals Computer an den vier US-Universitäten von Los Angeles, Stanford, Santa Barbara und Utah verbinden. Am 7. April 1969 vergibt ARPA einen Auftrag an BBN Technologies für den Bau eines kleinen Netzwerkes von Rechnerknoten – heute würde man sie Switches nennen – die als Interface Message Processor (IMP) geführt wurden.

Einer der Hauptakteure bei der Gestaltung der Architektur des Computernetzwerks ist Professor Leonard Kleinrock in Los Angeles. Er entwickelte schon Anfang der 1960er-Jahre die Paket-basierte Datenübertragung, die bis heute eines der entscheidenden Grundprinzipien der Datenübermittlung im Internet ist. Am Abend des 29. Oktober sitzt sein Student Charley S. Kline an einem Computer vom Typ SDS Sigma 7. Er ist über eine 500 Kilometer lange Netzwerkverbindung mit einem SDS 940 in Stanford verbunden.

Und genau auf der Maschine will sich Kline an diesem Abend aus der Ferne einloggen. Er will das Wort Login eintippen, aber schon nach dem zweiten Buchstaben schmiert die Verbindung ab – der Speicher war übergelaufen! Trotzdem sind die beiden Buchstaben L und o die erste Datenfernübertragung zwischen zwei Computern in einem dezentralen Netzwerk. Kline hält das Ergebnis handschriftlich auf einem Zettel fest und signiert mit CSK.

Zunächst schien es, als wäre der Absturz gleich zu Beginn ein schlechtes Omen. Nach drei Jahren sind gerade mal 40 Rechner vernetzt. Lange Zeit bleibt das Netz auf eine Nutzung durch Militärs und Universitäten beschränkt. Erst als das Netz 1989 nach dem Ende des Kalten Krieges für die zivile kommerzielle Nutzung freigegeben wird, ändert sich die Lage schlagartig: Noch im gleichen Jahr hängen bereits 100.000 Rechner im nunmehr Internet genannten Netzwerk.

Eine Zählung der im Internet verfügbaren Websites durch das Netcraft Web Server Survey im April 2014 ergab die Zahl von 958.919.789 erreichbaren Hosts.

In der Rubrik „Aufgemerkt“ stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik und Elektrotechnik vor.

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