Fraunhofer-Emotionserkennung

Google Glass verrät, wie das Gegenüber drauf ist

28.08.14 | Redakteur: Peter Koller

Der SHORE-Algorithmus liefert in Echtzeit Daten zu Alter, Geschlecht und Stimmungslage - ohne dass die Daten die Brille verlassen.
Der SHORE-Algorithmus liefert in Echtzeit Daten zu Alter, Geschlecht und Stimmungslage - ohne dass die Daten die Brille verlassen. (Fraunhofer IIS/Jens Garbas)

Das könnte die ultimative Flirt-App werden – auch wenn sie eigentlich für etwas ganz anderes gedacht ist. Ein Algorithmus des Fraunhofer IIS für Googles Datenbrille Glass erkennt in Echtzeit die Emotionen des Gegenübers. Auch peinliche Fehleinschätzungen des Alters gehören der Vergangenheit an.

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS aus Erlangen zeigt seine echtzeitfähige Software zur Gesichtsdetektion und -analyse SHORE erstmals als App auf Googles Datenbrille »Glass«. Mit Hilfe der eingebauten Kamera detektiert die App Gesichter von anderen Menschen und bestimmt deren Emotionen anhand des jeweiligen Gesichtsausdrucks. Gleichzeitig schätzt die sogenannte »Glassware« (App für Google Glass) auch das Alter oder detektiert u. a. das Geschlecht der Personen. Identifizierung der Personen ist mit der Software nicht möglich. Alle Berechnungen finden in Echtzeit auf der CPU der Brille statt, das heißt die Bilddaten verlassen das Gerät nicht.

Video: Shore on Google Glass

Dadurch eröffnet sich ein ganzes Spektrum an neuen Anwendungen für Datenbrillen: z. B. als Hilfsmittel zur Kommunikation für Personen mit Erkrankungen aus dem autistischen Spektrum. Denn viele Autisten haben Probleme damit, den emotionalen Gehalt eines Gesichtsausdrucks zu interpretieren. Diese fehlende Information könnte mittels Datenbrille in das Gesichtsfeld eingeblendet werden.

Ebenso können Sehgeschädigte von der neuen Software profitieren. Sehgeschädigte könnten auf akustischem Weg Zusatzinformationen über Personen in der Umgebung erhalten. Auch interaktive Spiele oder Anwendungen aus der Marktforschung sind denkbar. Die Bestimmung des Geschlechts und die Schätzung des Alters der detektierten Personen sind weitere Merkmale der Software, die für solche Anwendungen nützlich sein können.

Durch die Teilnahme am Google Glass »Explorer Program« konnten Mitarbeiter des Fraunhofer IIS die Brille vor der Markteinführung testen. Möglich wurde die Entwicklung der App für Google Glass durch eine Entwicklung des Fraunhofer IIS in Erlangen: Die Entwickler passten die am Institut entwickelte Softwarebibliothek SHORE an und implementierten sie als Glassware.

SHORE vereint jahrelange Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aus dem Bereich der intelligenten Systeme in einer hocheffizienten echtzeitfähigen C++-Software-Bibliothek. Die Software ermöglicht die Detektion von Objekten und Gesichtern sowie deren Feinanalyse. Aufgrund des hohen Optimierungsgrads der Software kann sie für nahezu allen Plattformen und Betriebssystemen angepasst werden, insbesondere in mobilen Geräten, wie Tablets oder Smartphones.

Die Fraunhofer-Forscher besitzen darüber hinaus jahrelange Erfahrung in der Entwicklung miniaturisierter und intelligenter Kameras und der zugehörigen Algorithmik. Durch dieses Know-how wurde die performante Umsetzung von SHORE auf Glass erst ermöglicht.

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