Computer-Geschichte

30 Jahre Acorn Archimedes: Der vergessene Traumcomputer

13.06.17 | Redakteur: Franz Graser

Der Acorn Archimedes A3000 ist klassischen Tastaturcomputern wie dem Atari ST und dem Amiga 500 nachempfunden. Das rechte Typschild trägt das Logo „British Broadcasting Corporation Microcomputer System“
Der Acorn Archimedes A3000 ist klassischen Tastaturcomputern wie dem Atari ST und dem Amiga 500 nachempfunden. Das rechte Typschild trägt das Logo „British Broadcasting Corporation Microcomputer System“ (Bild: Acorn Archimedes A3000 computer main unit / Binarysequence / CC BY-SA 3.0)

Ende der achtziger Jahre stritten sich die Fans, ob der Commodore Amiga oder der Atari ST der bessere Home-Computer sei. In Großbritannien war derweil der Acorn Archimedes dank seiner Grafikfähigkeiten und seiner RISC-Architektur seiner Zeit weit voraus. Letztere lebt bis heute unter dem Namen ARM fort.

Die drei Buchstaben ARM standen am Anfang für Acorn RISC Machine. Der britische Computerhersteller Acorn verbaute diesen Prozessortyp ab 1987 in dem Home-Computer Archimedes. Der vor 30 Jahren erschienene, liebevoll „Archie“ genannte Rechner war seinen Zeitgenossen von Atari und Commodore zwar weit voraus, erreichte jedoch nur in Großbritannien nennenswerte Verkaufszahlen. Die ARM-Chiparchitektur trat dagegen einen Siegeszug um die ganze Welt an.

Aber der Reihe nach: Wer in den achtziger Jahren mit der Computerei begann, hatte seinen ersten Kontakt mit einiger Wahrscheinlichkeit mit dem Commodore 64 (dem altehrwürdigen „Brotkasten“) oder wenige Jahre später mit seinem Nachfolger, dem Commodore Amiga oder dem Atari ST.

Auch in Großbritannien waren diese Rechner populär. Allerdings gab es dort seit 1981 mit dem Heimcomputer BBC Micro von Acorn einen nicht zu unterschätzenden Konkurrenten. Der Rechner, der auf dem Acht-Bit-Prozessor 6502 von MOS Technologies basierte, war nämlich Hauptdarsteller einer Fernsehserie der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt BBC.

Diese Fernsehserie mit dem Namen The Computer Programme sollte Fernsehzuschauern die Möglichkeiten der Computertechnik näher bringen. Unter anderem vermittelte die Show Grundlagen der Programmiersprache BASIC.

Die Serie war Teil des sogenannten Computer Literacy Project, das von der BBC Anfang der achtziger Jahre ins Leben gerufen worden war. Die BBC trat mit verschiedenen britischen Herstellern in Kontakt, um mit ihnen zu diskutieren, welcher Computer für dieses Projekt am besten geeignet wäre.

Zu den Kandidaten gehörten unter anderem Sinclair Research des englischen Heimcomputerpioniers Sir Clive Sinclair, Dragon Data und Acorn Computers. Zu dem Zeitpunkt, als die BBC mit Acorn in Kontakt trat, hatte die Firma bereits das Konzept für einen für die damalige Zeit sehr schnellen Home-Computer entwickelt, der den Spezifikationen der BBC entsprach.

Allerdings existierte das Gerät damals noch nicht. Innerhalb einer Woche baute das Acorn-Team einen Prototypen. Der Rechner mit dem Codenamen Proton wartete mit 16 Kilobyte Hauptspeicher auf, der 6502-Prozessor war zudem mit für die damalige Zeit bemerkenswerten 2 Megahertz getaktet. Er verfügte über einen hochauflösenden Bildschirmmodus (640 x 256 Pixel) bei acht darstellbaren Farben sowie über einen vierkanaligen Soundprozessor von Texas Instruments.

Die erste Version dieses Rechners kam im Dezember 1981 auf den britischen Markt. Neben den reinen Leistungsdaten trug die Präsenz auf den Fernsehschirmen der Nation dazu bei, dass sich der BBC Micro etwa 1,5 Millionen Mal verkaufte, obwohl das Gerät im Vergleich zur Wettbewerbern wie dem Sinclair ZX Spectrum und dem Commodore 64 deutlich teurer war.

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