Langsamere Prozessorentwicklung

Intel verabschiedet sich vom Tick-Tock-Modell

24.03.16 | Autor: Sebastian Gerstl

Von "Tick-Tock" zu "Process-Architecture-Optimization": Da die Fortschritte in der Fertigungstechnik langsamer ausfallen als geplant, stellt Intel künftige Prozessorentwicklungen von einem zwei- auf einen dreistufigen Zyklus um.
Von "Tick-Tock" zu "Process-Architecture-Optimization": Da die Fortschritte in der Fertigungstechnik langsamer ausfallen als geplant, stellt Intel künftige Prozessorentwicklungen von einem zwei- auf einen dreistufigen Zyklus um. (Bild: Intel)

Das Tick-Tock-Modell zur Entwicklung neuer Prozessoren in zwei Stufen ist nicht mehr haltbar: Chip-Hersteller Intel wendet sich von seinem im letzten Jahrzehnt angewendeten Plan ab. Der Grund: Fortschritte in der Fertigungstechnik fallen zunehmend langsamer aus als geplant.

Seit 2007 hatte Intel bei der Entwicklung neuer Prozessoren auf ein Pendel-Modell, das sogenannte "Tick-Tock"-Verfahren, gesetzt: Zuerst folgte die Entwicklung neuer Fertigungsverfahren für Nodes ("Tick"), anschließend folgte das Fertigen einer neuen Architektur auf dieser Basis ("Tock"). Auf diese Weise sollten im Zwei-Jahres-Takt komplett neue, leistungsfähigere Prozessorarchitekturen entstehen.

Nun hat sich Intel von diesem Entwicklungsmodell wieder verabschiedet: Im Rahmen der jährlichen und verpflichtenden K-10-Meldung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission - SEC) kündigt der Chip-Hersteller den Umstieg von einem zwei- auf ein dreistufiges Entwicklungsverfahren, genannt "Process-Architecture-Optimization", an.

Der Grund dafür ist, dass Fortschritte in der Prozessentwicklung langsamer und teurer ausfallen als bei EInführung des Tick-Tock-Modells vorgesehen. Im PAO-Modell wird nach der Optimierung der Architektur ein weiterer Schritt eingefügt, bei welchem weitere Verbesserungen vorgesehen sind.

Intels Tick-Tock-Modell war bereits im vergangenen Jahr merklich aus dem Tritt geraten: Im Sommer 2015 hatte Intels CEO Brian Brzanich angekündigt, dass die geplanten 10-Nanometer-CPUs, Codename "Cannonlake", erst im 2. Halbjahr 2017 statt wie geplant schon 2016 erscheinen. Statt dessen wurde mit "Kaby Lake" eine weitere Prozessorenfamilie auf Basis der 14-nm-Technologie vorgestellt. Der Release der Cannonlake-Prozessoren, die im 10nm-FinFET-Verfahren produziert werden, soll 2017 auch der Startschuss für das neue PAO-Entwicklungsmodell sein. Auch wenn Intel es nicht offiziell bestätigt hat, so ist aus den Erfahrungen des letzten Jahres anzunehmen, dass sich die gesamte Entwicklungszeit dadurch verlängern wird.

Marktbeobachter mutmaßen, dass durch diese Umstellung Intel seinen Vorsprung in der Fertigungstechnik verlieren könnte. So hat IBM im vergangenen Jahr bereits erste erfolgreiche Tapeouts von 7-nm-Chips vorgestellt. Auch der taiwanesische Hersteller TSMC hat angekündigt, bereits kommenden Sommer mit der Fertigung von Chips in 7-nm-Verfahren zu beginnen. Ob diese allerdings auch nennenswerte Leistungssteigerungen mit sich bringen ist derzeit noch ungewiss.

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