Interview mit Dietmar Harting

„Ein Unternehmer muss immer rastlos sein“

29.10.12 | Redakteur: Kristin Rinortner

Dietmar Harting: „Es muss Menschen geben, die etwas vorantreiben.“
Dietmar Harting: „Es muss Menschen geben, die etwas vorantreiben.“ ( Bild: Harting )

Unternehmerische Rastlosigkeit ist das Markenzeichen von Dietmar Harting. Anlässlich seines 45. Dienstjubiläums hat die EP-Redaktion den Unternehmer in Espelkamp besucht.

Herr Harting, im Juli hatten Sie Ihr 45-jähriges Dienstjubiläum. Worauf sind Sie besonders stolz?

Also ich habe zunächst einmal gar nicht daran gedacht, dass ich schon 45 Jahre im Unternehmen bin. Besonders stolz bin ich darauf, dass es uns gelungen ist, unsere Kinder in das Unternehmen zu integrieren und sie heranzuführen an eine klare Unternehmensübernahme.

Gab es eine Jubiläumsfeier?

Zu meinem Dienstjubiläum habe ich die Führungsmitarbeiter Sonntag nachmittags eingeladen zu einem Kaffee – meine Frau hat das organisiert – und ich habe postuliert, dass ich mich 45 Jahre jung fühle!

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das war das Jahr 1974. Damals war Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und mich besuchte einer unserer Vertreter aus Frankreich, mit dem wir einen sehr engen Kontakt hatten. Mit ihm habe ich diskutiert, ob es sinnvoll ist, das Unternehmen im Ausland auf eigene Beine zu stellen und wie man das realisieren könnte. Begonnen haben wir dann 1978 in Frankreich und danach hat sich das in ziemlich schneller Folge weiterentwickelt. Heute haben wir fast 40 Tochtergesellschaften. Diese Internationalisierung ist etwas sehr wichtiges gewesen.

Woran denken Sie gerne zurück?

Vor allem an den Beginn denke ich gern zurück, weil die Denkweise eines Unternehmens, das im Handel tätig ist, völlig anders ist als die Denke in Industrieunternehmen. Auf der einen Seite die klare Gesamtkostenrechnung im Industriebereich, die sehr stark hineingeht in die Abschreibung und all diese Thematiken. Auf der anderen Seite das Umsatzkostenverfahren der Händler und auch der amerikanischen Unternehmen. Das war für uns ganz neu und spannend.

„Ein Unternehmer muss immer rastlos sein“, so lautet Ihr Motto. Welche Ziele beruflich wie privat haben Sie sich denn gesetzt?

Ich beschäftige mich sehr mit neuen Technologien und das wird auch immer mein Hobby sein. Diese Ideen versuche ich natürlich auch im Geschäft zu vermitteln. Ich bin ja noch für einige Unternehmen hier in der HARTING-Gruppe zuständig: den Automotive-Bereich, HARTING Systems und HARTING Mitronics.

Daneben bin ich leidenschaftlicher Jäger und ich betreibe eine eigene Landwirtschaft. Ich habe das kombiniert mit einer 2-MW-Anlage, die Bio-Erdgas erzeugt. Wir machen keine Verstromung, wir reinigen das Biogas, indem wir das CO2 herausziehen und erzielen dadurch Erdgas-Qualität. Das verkaufen wir mittlerweile an etliche Unternehmen und auch an Energieanbieter. Wir sind also ausverkauft, wenn ich so sagen darf (lacht) und wir liefern auch an Harting.

Wie kommt man auf so etwas?

Ich hatte mit einem Partner eine Biogas-Anlage, das war schon 2001/2002. Diese Anlagen haben einen entscheidenden Nachteil: Wir verstromen, wir können die Wärme nur teilweise nutzen, und wir sind leider so weit weg von der Infrastruktur, dass wir riesige Leitungen legen müssten, um die Wärme zu verkaufen.

Ich habe mich immer gefragt, was machst du mit der Wärme? Es gibt Unternehmen, bei denen können Sie die Wärme in einem Container speichern; der Container kommt mit dem Lastwagen. Aber das können Sie nur über bestimmte Entfernungen machen. Wir haben andere Verfahren überlegt, aber letzten Endes führte das an dieser Stelle nicht mehr weiter. Man muss anders vorgehen und keinen Strom erzeugen, sondern Erdgas. Damit kommt man in den großen Speicher hinein, in das Erdgasnetz. Biomethan ist ja gleichwertig mit dem Gas, das aus Island und Norwegen importiert wird. Damit ist meine Landwirtschaft gekoppelt.

Inwiefern ist das Unternehmen Harting auch ein ökologischer Vorreiter?

Im Unternehmen sind wir 100%ig versorgt mit Bioerdgas. Wir erzeugen durch Blockheizkraftwerke 10% unseres Stroms und die Wärme nutzen wir dann auch über Absorptions-Kälteanlagen zur Klimatisierung. Das rentiert sich auch. Wir sind ja Klimaschutz-Unternehmen und haben jetzt auch drei Elektrofahrzeuge. Wir wollen etwas bewegen!

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