Breitbandausbau

Bauern verlegen ihr eigenes Highspeed-Internet

20.01.17 | Autor / Redakteur: Nina Dinkelmeyer, Welt online* / Sebastian Gerstl

WLAN unter der Heide: Die britische Initiative B4RN bringt Breitband-Internetanschluss in regionale Gebiete. Vielerorts werden die Glasfaserkabel auf privaten Äckern und Feldern verlegt.
WLAN unter der Heide: Die britische Initiative B4RN bringt Breitband-Internetanschluss in regionale Gebiete. Vielerorts werden die Glasfaserkabel auf privaten Äckern und Feldern verlegt. (Bild: B4RN/b4rn.org.uk)

Internet auf dem Land, das ist so eine Sache: Jahrelang kämpften die Einwohner im englischen Lune Valley mit der digitalen Abgeschiedenheit. Doch dann beschlossen sie, selbst Abhilfe zu schaffen.

Ein Kilometer bis zum nächsten Haus, zweieinhalb bis zum nächsten Dorf: Christine Conder weiß, wie sich Abgeschiedenheit anfühlt. Die 62-Jährige bewirtschaftet mit ihrem Mann eine Farm im Lune Valley in der englischen Grafschaft Lancashire. 60 Milchkühe haben sie, dazu Schafe. Doch abgeschnitten von der Außenwelt fühlten sich die Conders lange Zeit aus einem anderen Grund: Sie krochen durchs Internet – bis sie beschlossen, etwas zu ändern.

Heute ist Christine Conder nicht nur Ehefrau eines Landwirts und gelernte Friseurin, sondern auch Internetpionierin. Zusammen mit drei Partnern gründete sie im Dezember 2011 die Initiative B4RN und brachte so Highspeed-Internet ins Lune Valley. Mehr als 3200 Kilometer Glasfaserkabel haben sie nach eigenen Angaben unter Äckern und Wiesen verlegt. In Eigenregie und mit vielen freiwilligen Helfern. Die Kühe und Schafe im Lune Valley, sie grasen heute auf superschnellen Datenautobahnen.

„Wir hatten keine andere Wahl“, sagt Conder. Wenn die 62-Jährige von B4RN erzählt, klingt das kompromisslos. „Wir wollten Internet. Wir wollten es unbedingt. Unser Projekt wurde aus Verzweiflung geboren.“

B4RN, das steht für Broadband for the Rural North, Breitband für den ländlichen Norden. Die gemeinnützige Organisation verspricht eine Bandbreite von einem Gigabit pro Sekunde. Zum Vergleich: Der Durchschnitt in Großbritannien liegt laut der Medienaufsichtsbehörde Ofcom bei 37 Megabit pro Sekunde.

Abgeschnitten vom Leben

Vor allem ländliche Gegenden sind bislang ohne schnelles Internet. Dem „Ofcom Connected Nations Report 2016“ zufolge haben 920.000 Grundstücke auf dem Land keinen Zugang zu Geschwindigkeiten über zehn Megabit in der Sekunde. Das entspricht einem Viertel. Auch in Deutschland gibt es dieses Problem.

„Wenn die Menschen kein Internet haben, sind sie abgeschnitten, von der Arbeit, von der Ausbildung, vom Leben“, sagt Conder. Die 62-Jährige kann viele Geschichten erzählen. Von Schülern, die nachsitzen sollten, weil ihnen die Lehrer nicht glaubten, dass sie kein Internet haben – und deshalb die Hausaufgaben nicht machen konnten. Von Jugendlichen, die Nachrichten mit Einladungen zu Partys nie bekommen haben. Von Studenten, die in den Sommerferien nicht nach Hause kamen, weil sie bei Mama und Papa kein Internet haben.

Es waren die Älteren, die daran etwas ändern wollten. Conders Partner – Barry Forde, Lindsey Annison und Monica Lee – kämpften ebenfalls mit langsamem Netz in ihren Dörfern in Lancashire und im benachbarten Cumbria. Sie alle sind Internetfans der ersten Stunde und brachten technisches Wissen mit. Der Netzwerkexperte und heutige B4RN-Geschäftsführer Forde arbeitete unter anderem für die Universität Lancaster. Gemeinsam entwickelten sie einen Businessplan. Als sie dafür keine Finanzierung bekamen, wandten sie sich an die anderen Landwirte im Lune Valley. „Barry hat ihnen nichts verheimlicht“, sagt Conder. „Er sagte, es wird nicht einfach werden.“ Die Bauern ließen sich dennoch überzeugen. Sie waren die ersten, die in das gemeinnützige Unternehmen einstiegen. Zudem gaben sie die Erlaubnis, dass die Glasfaserkabel auf ihren Grundstücken verlegt werden dürfen.

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