10.02.12 | Redakteur: Peter Koller
Es ist das Ende einer Ära: Kodak, das Unternehmen, das einst der Welt das Fotografieren beigebracht und die Digitalkamera erfunden hat, steigt aus dem Kamerageschäft aus.
Dem Sparkurs nach der Insolvenz wird das Angebot von Digitalkameras, Videokameras und digitaler Bilderrahmen zum Opfer fallen, wie der US-Konzern am Donnerstag ankündigte.
Der Name soll allerdings weiterleben: Kodak plant, Lizenzen für die Nutzung der weltbekannten Marke zu vergeben. An dem schrumpfenden, aber bis zuletzt profitablen Traditionsgeschäft mit analogen Filmen und Fotopapier will Kodak weiter festhalten.
Bei Kodak war Ende des 19. Jahrhunderts der Fotofilm erfunden worden. Das Unternehmen machte mit günstigen Kameras das Fotografieren anschließend zu Massenmarkt und strich satte Gewinne ein, bis der Vormarsch der Digitalbilder sein Geschäftsmodell durchkreuzte.
Nach jahrelangen hohen Verlusten musste Kodak im Januar schließlich Insolvenz anmelden und versucht nun den Neustart. Kodak will sich als Druckerspezialist neu erfinden.
Der Ausstieg aus dem Digitalkamera-Geschäft sei der "logische Schritt" bei diesem Wandel, sagte Marketingchef Pradeep Jotwani. Pro Jahr sollen dadurch mehr als 100 Millionen Dollar eingespart werden. Zunächst werde der Ausstieg aber rund 30 Millionen Dollar an Belastungen bedeuten.
Früher waren Filme eine Goldgrube für Kodak und Rivalen wie Agfa. Der Umbruch zur Digitalfotografie machte diese sichere Einnahmequelle aber zunichte. Dabei gehörte Kodak sogar zu den Pionieren der neuen Technik.
Kodak-Ingenieur Steve Sasson gilt als Erfinder der Digitalkamera. Er hatte die erste Digicam 1975 im Labor der Elmgrove-Fabrik von Kodak aus mehr oder weniger herumliegenden Teilen zusammengebaut: Die Optik kam von einer Super-8-Kamera, der CCD-Sensor war ein Prototyp, der AD-Wandler wurde einem digitalen Voltmeter entliehen und für die Datenspeicherung wurde eine Compact-Cassette verwendet. "Es hat 23 Sekunden gedauert, damit ein Bild mit 100 Linien Auflösung aufzunehmen", erinnert sich Sasson.
(Mit Material von dpa)
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