Softwareentwicklung
Von den Vorurteilen gegenüber den Werkzeugen im Anforderungsmanagement
19.05.2011 | Autor: Jens Palluch *
Sollen Anforderungsmanagement-Werkzeuge eingeführt werden, müssen vorher viele Vorurteile aus den Köpfen geräumt werden. Schließlich sollen Anforderungswerkzeuge die Projektentwickler bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen.
Viele Vorurteile ranken sich um die spezialisierten Werkzeuge für das Management von Anforderungen, den AM-Werkzeugen. Das gilt speziell für die drohende Einführung eines solchen Werkzeugs im Unternehmen.
Da heißt es etwa: „Das AM-Werkzeug ist zu komplex“, „Das AM-Werkzeug passt nicht zu unserem Prozess“, „Das AM-Werkzeug erhöht die Qualität unseres Anforderungsmanagement-Prozesses nicht“ oder „Der Mehraufwand ist zu groß, dafür haben wir keine Zeit“. Und nicht zu vergessen die beiden Klassiker: „A fool with a tool is still a fool“ und „Erst den Prozess definieren, dann das Werkzeug einführen“.
Diese Vorurteile stehen der Einführung und dem Einsatz von AM-Werkzeugen oft im Wege.
Anforderungsmanagement - was ist das überhaupt?
Um zu verstehen, woher diese Vorurteile kommen und wie man ihnen begegnen kann, muss zunächst klar sein, worum es beim Anforderungsmanagement eigentlich geht. Das Anforderungsmanagement umfasst alle Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Verwaltung von Anforderungen und Anforderungsdokumenten. Um diese Tätigkeiten kommt man nicht herum, wenn man Anforderungen richtig managen will. Dazu gehören [IREB11]:
- die Definition von Attributen und Strukturen für Anforderungen und Anforderungsdokumente
- die Definition von Sichten auf Anforderungen
- die Priorisierung von Anforderungen
- die Verfolgbarkeit von Anforderungen (Requirements Traceability)
- die Tätigkeiten des Konfigurationsmanagements für Anforderungen und Anforderungsdokumente
- die Verwaltung von Anforderungsänderungen
- die Änderungshäufigkeit von Anforderungen
- die Anzahl der Anforderungen
- die Anzahl der beteiligten Stakeholder
- die Lebensdauer des Systems
- der Grad der Wiederverwendung der Anforderungen
Dabei können sehr vielfältige Werkzeuge eingesetzt werden. Dieser Artikel beschränkt sich auf die klassischen AM-Werkzeuge, die insbesondere die Verwaltung von Anforderungen, speziell die in natürlicher Sprache, unterstützen.
Der Faktor Mensch im Anforderungsmanagement
Die meisten Vorurteile haben ihren Ursprung in der ablehnenden Haltung, die Menschen einem solchen Werkzeug entgegen bringen. Woher kommt diese ablehnende Haltung? Nach dem Pyramidenmodell von Robert Dilts [NLPEDI, DILT06] gibt es fünf verschiedene Ebenen, die sich gegenseitig beeinflussen.
Unser Verhalten entspricht unseren Fähigkeiten und Werten. Sind unsere Fähigkeiten schlecht, ein bestimmtes AM-Werkzeug zu verwenden, führt der Zwang zum Gebrauch des Werkzeugs zu einer negativen Einstellung in unseren Werten: „Das bringt doch gar nichts!“ Die Werte-Ebene besteht jedoch länger. Das heißt: Wird uns ein neues AM-Werkzeug präsentiert, lehnen wir es von vornherein ab. Auf der Werte-Ebene muss also zunächst eine Änderung herbeigeführt werden. Das ist nicht so einfach, denn die Werte oder die Beurteilung eines AM-Werkzeuges hängen natürlich auch mit der Haltung gegenüber dem Anforderungsmanagement generell zusammen.
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