ESE Management Summit 2015

Gute Software ist machbar!

10.07.15 | Redakteur: Franz Graser

Professor Jochen Ludewig hielt den Eröffnungsvortrag beim ESE Management Summit in Würzburg. In seinem Referat ging er darauf ein, dass der Preis für schlechte Software-Qualität im Embedded-Umfeld sehr häufig in sichtbaren oder schleichenden Katastrophen besteht.
Professor Jochen Ludewig hielt den Eröffnungsvortrag beim ESE Management Summit in Würzburg. In seinem Referat ging er darauf ein, dass der Preis für schlechte Software-Qualität im Embedded-Umfeld sehr häufig in sichtbaren oder schleichenden Katastrophen besteht. (Bild: VBM-Archiv)

Softwarequalität ist kein unerreichbares Ideal. Davon überzeugte Professor Dr. Jochen Ludewig von der Universität Stuttgart die Zuhörer beim ESE Management Summit in Würzburg.

Was hat der Besuch einer Opernaufführung von Mozarts „Cosi fan tutte“ mit einem Embedded-Softwareprojekt zu tun? Der emeritierte Professor Jochen Ludewig von der Universität Stuttgart erläutert, dass für einen erfolgreichen Opernbesuch verschiedene Vorbedingungen zu ermitteln sind.

Diese wären: „Man muss feststellen, wann die Oper gespielt wird, man muss sich rechtzeitig die Karten und bezahlen, man muss sich pünktlich (und im Besitz der Karten) im Opernhaus einfinden und man sollte dabei in leidlich guter Verfassung sein. Dann steht dem Operngenuss nichts im Wege.“

Wenn man sich nun aber ohne Karte und mit 39 Grad Fieber zur falschen Uhrzeit am falschen Theaterhaus einfindet, dann wird der Plan des Kunstgenusses nicht aufgehen, sagt Ludewig: „Das war dann aber keine Panne! Das war planvolles Versagen!“, schreibt er den verhinderten Opernfreunden ins Stammbuch.

Ähnlich ist es auch bei der Softwarequalität, so Ludewig. All zu häufig werde von einer Panne gesprochen, wo planvolles Versagen mit im Spiel war – zum Beispiel, wenn die Kostenschätzung völlig daneben lag, Kollege A über die Änderungen des Kollegen B nicht informiert war, ein eigentlich behobener Fehler in einem neuen Release wieder auftritt oder die Software kaum wartbar ist.

„Was Sie sehen, sind direkte und absehbare Folgen der Organisation und Technik, mit denen die Software entwickelt und bearbeitet wurde“, so Ludewig. Das Wort Panne werde oft benutzt, wenn man sehenden Auges in ein Problem hineingelaufen sei. Ludewig nannte etwa das Beispiel, dass man mit einer Planung, an die man von Beginn an nicht geglaubt habe, in ein Projekt hineingegangen sei.

Der emeritierte Professor warnte unter anderem vor falschen oder oberflächlichen Qualitätsbekenntnissen. Commitments zur Qualität seien oft Lippenbekenntnisse, die man wie Modeschmuck trage („Natürlich ist man für Softwarequalität wie für Eier aus Bodenhaltung“). Andere trügen die Softwarequalität wie eine Monstranz vor sich her, die aber nach der Prozession wieder in der Krypta verschwinde, weil sie für den Alltag viel zu schade sei. Wieder andere – vor allem Vertreter bestimmter Institutionen – behaupteten von sich, dass die die Softwarequalität an sich verkörperten.

Video zum Thema: Keynote Prof. Dr. Ludwig auf dem ESE Kongress 2014

All diesen Gruppen, die die Softwarequalität in dieser oder einer anderen Form verehrten, rief Ludewig zu: „Verlassen Sie den vertrauten Holzweg!“

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Auch meinerseits volle Zustimmung. Das selbstfahrende Auto sowie Drive-by-Wire-Technologien...  lesen
posted am 19.07.2015 um 18:16 von Unregistriert

Ihre Antwort kann ich bestätigen! Einzig das Thema Fly-by-wire ist schon durch. Seit 25-30Jahren...  lesen
posted am 16.07.2015 um 12:59 von Unregistriert

Eigentlich müsste es ja heissen: Gute Software w ä r e machbar! aber selbst da habe ich so meine...  lesen
posted am 16.07.2015 um 09:15 von ibw-oberhaching

Keine vollständige Anforderungsanalyse und keinen sauberen Softwareentwurf. Stattdessen wird...  lesen
posted am 09.07.2015 um 17:07 von Olaf Barheine


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