Kolumne

Realitätsnähe statt Hellseherei – Gedanken zur agilen Projektarbeit

| Autor / Redakteur: Peter Siwon / Eilyn Dommel

Es gibt eine gute Alternative zur Hellseherei: Agile Methoden wie Scrum
Es gibt eine gute Alternative zur Hellseherei: Agile Methoden wie Scrum ( foto art Elisabeth Wiesner)

ELEKTRONIKPRAXIS-Kolumnist Peter Siwon erklärt wie sich komplexe Softwareprojekte mit agilen Methoden effektiver durchführen lassen und betrachtet hierbei auch die menschliche Seite des Projekterfolgs.

Los Leute, wir werden heute agil und ab morgen schnurren unsere Softwareprojekte wie Kätzchen. Vieles deutet darauf hin, dass sich komplexe Softwareprojekte mit agilen Methoden effektiver durchführen lassen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Projektteams schneller und entschlossener ihrer Realität stellen.

Der Umstieg auf die Agilität ist zunächst ein Eingeständnis der Projektleitung und all der anderen Stakeholder, die sich in Projekten herumtreiben: „Ehrlich gesagt blicken wir nicht wirklich vollständig durch!“ Der Durchblick fehlt uns, wenn wir von der Projekt-Gegenwart aus in die Projekt-Zukunft blicken. Er fehlt uns aber auch, wenn wir aus der Projekt-Gegenwart in die Projekt-Vergangenheit blicken. Der Blick nach hinten erscheint zwar etwas realistischer, wird allerdings durch allerlei Verdrängungs- und Verklärungsmechanismen verfälscht. Wenn dem so ist, sollten wir vielleicht der Gegenwart etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Ich meine damit nicht, dass wir Projekte nicht planen und organisieren sollten, sondern, dass wir eine realistische Planung durchführen. Was heißt hier realistisch? Realistisch heißt agil.

Grob beschrieben bedeutet „agil“ Folgendes: Wir orientieren uns in unserem Vorgehen an den vier Werten und zwölf Prinzipien des agilen Manifests. Ihre Umsetzung äußert sich bei dem Prozessframework Scrum grob skizziert folgendermaßen:

Wir setzen uns ein Projektziel, wir legen die wesentlichen Qualitätsmerkmale, Features und Risiken fest, entscheiden was zu tun ist und überlegen uns, an welchen Faktoren wir die Zielerreichung überprüfen. Kurz wir geben dem Projekt einen groben Rahmen, eine grobe Richtung und ein klares Ziel. Dann entscheiden wir, was wir in einer überschaubaren Zeit so erledigen können, dass ein funktionierendes und getestetes Zwischenergebnis vorliegt, das wir dem Kunden zeigen können.

Jeder Projektbeteiligte nimmt sich nun etwa eine Aufgabe pro Tag für den Zeitraum von 2-4 Wochen (Sprint) vor. Das Team beobachtet täglich in kurzen Meetings den Projektfortschritt und trifft sich alle 2-4 Wochen, um herauszufinden, welche Erkenntnisse für den weiteren Projektfortschritt berücksichtigt werden (Retrospektive) und wie der nächste Sprint (Planung) aussehen wird. Nach ca. 1-4 Sprints wird das Ergebnis (Release) dem Kunden gezeigt (Ergebnisreview). Soweit der prinzipielle Ablauf in einem agilen Projekt.

Ergänzendes zum Thema
 
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Das geniale Prinzip, das dahinter steckt ist, dass der Projektablauf systematisch mit einem Kommunikationsprozess verzahnt ist, der das Lernen aus Erfahrungen fördert. Es wird dafür gesorgt, dass die Projektdurchführung zeitnah und genau beobachtet wird und so kurzfristig Lehren für den weiteren Verlauf gezogen werden. Es passiert genau das, was notwendig ist, wenn wir realistischerweise den Projektverlauf nicht vorhersagen können: Wir ersetzen unrealistische langfristige Detailplanung durch kurzfristigere Detailplanung auf Basis von Beobachtungen der Projektrealität. Wir verschieben unsere Aufmerksamkeit von einem unsinnigen Blick in die Glaskugel auf eine hilfreiche Beobachtung der Projektrealität. Das Tolle dabei ist, dass jeder Stakeholder von diesem Lernprozess profitiert, vor allem der Kunde. Denn er bekommt das, was er braucht.

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