Kolumne

Mit der Lücke leben – Systemische Prinzipien in der Projektleitung

| Autor / Redakteur: Peter Siwon / David Franz

Erfolgreiche Projektleiter haben gelernt, mit der Lücke zu leben.
Erfolgreiche Projektleiter haben gelernt, mit der Lücke zu leben. (Bild: foto art Elisabeth Wiesner)

ELEKTRONIKPRAXIS-Kolumnist Peter Siwon erklärt die systemischen Regeln und Prinzipien bei der Leitung von Projekten und betrachtet hierbei auch die menschliche Seite des Projekterfolgs.

Als junger Projektleiter habe ich mir oft gedacht: Warum machen die ach so erfahrenen Kollegen Dinge, die ich ganz anders machen würde? Leben die denn noch in der Steinzeit? Ich ging teilweise hart ins Gericht mit der Praxis, die ich als ehrgeiziger, tatendurstiger Frischling vorfand. Ach, was hätte ich alles geändert, wenn sie mich nur gelassen hätten. Gemeinsam mit anderen Heißspornen übte ich die virtuelle Palastrevolution, lästerte ich über Kollegen und Chefs. Mir war damals nicht bewusst, dass ich durch mein Verhalten gegen wichtige systemische Prinzipien verstieß. Doch davon gleich mehr.

Die respektlose Haltung gegenüber Älteren oder Chefs hat sich mittlerweile biologisch gesehen weitgehend erledigt, da ich jetzt meist schon zu den Ältesten gehöre. Ich bin aber immer noch verärgert über Führungspersonen, die eine Zumutung für ihre Mitarbeiter sind. Dieser Ärger gilt nicht selten mir selbst, weil ich immer wieder Anfängerfehler begehe, obwohl ich es tatsächlich besser weiß und mich nicht einmal hinter dem Deckmantel der Unwissenheit verstecken kann. Wenn ich so streng mit mir wäre wie mit anderen, würde ich mich tadeln: „Peter!! Du hast Unwissenheit durch Ignoranz ersetzt!! Was ist wohl schlimmer?“

Ich bin nicht ganz so streng mit mir selbst. Doch immerhin streng genug, um mich mit diesem Dilemma immer wieder aktiv auseinanderzusetzen. Führungskompetenz ist eine Dauerbaustelle, zumindest bei mir. In meinem Bestreben, den einen oder anderen Missstand zu beheben, beschäftige ich mich mit der menschlichen Seite des Projekterfolgs und stieß dabei auf eine Goldgrube der Erkenntnis: die Systemische Denkweise.

Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Bei der Beantwortung dieser Frage halte ich es wie der alte Pauker in dem Uraltfilm „Die Feuerzangenbowle“: Da stellen wir uns mal janz dumm. Wat is na eine systemische Denkweise? (Wer die Szene nicht kennt, siehe Google: Feuerzangenbowle Dampfmaschine.)

Am besten wir nehmen dazu ein Projekt als Beispiel. Ein Projekt ist ein System, weil es sich gegenüber seiner Umgebung u.a. durch ein Ziel und Personen abgrenzt, die mehr oder weniger freiwillig dem Projekt zugeteilt wurden. Ein wichtiger Aspekt der systemischen Denkweise ist es nun, dass man davon ausgeht, dass die Projektmitarbeiter sich ständig gegenseitig in ihrem Verhalten beeinflussen. Beispiel: Es gibt einen Kollegen, der sich am liebsten einigelt, um ungestört über eine Lösung zu grübeln. Ein anderer wiederum ist bestrebt, seine Aufgaben durch intensive Kontaktaufnahme mit seinen Leidensgenossen zu lösen. Bringen Sie die beiden Typen zusammen, wirkt das möglicherweise wie Nitro und Glyzerin. Bumm! Wer ist schuld?

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