ESE-Kongress 2011

Den schleichenden Software-Qualitätsverlust aufhalten

14.12.11 | Redakteur: Franz Graser

Sebastian Rummler, Geschäftsführer Axivion: "Schlechte innere Softwarequalität schlägt unmittelbar auf die Funktionalität durch"
Sebastian Rummler, Geschäftsführer Axivion: "Schlechte innere Softwarequalität schlägt unmittelbar auf die Funktionalität durch"

Softwaresysteme, die über Jahre entwickelt werden, verändern ihre Struktur. Mitunter sind sie nur noch schwer zu überschauen; daraus entstehen Fehlerquellen. Das Softwarehaus Axivion hat eine Methode zur Bekämpfung dieser Erosion entwickelt.

Sebastian Rummler, Geschäftsführer des Stuttgarter Softwerkers, erläutert in einem Interview am Rande des ESE-Kongresses die Problematik, die Software-Erosion mit sich bringt.

Axivion bietet eine Lösung an, die die Software-Erosion innerhalb eines Systems verringern soll. Was ist damit gemeint?

Software-Erosion ist der stete Verlust an innerer Softwarequalität. Das heißt: Während man in den Standard-Qualitätssicherungsthemen wie beim Test und anderen Methoden immer darauf achtet, die Einhaltung der funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen zu überprüfen, vernachlässigt man zu oft das Qualitätsfundament.

Ist das ganze System wartbar, verstehbar, testbar, modifizierbar, portierbar? Um diese Fragen geht es beim Thema der Software-Erosion. Denn wenn ich nicht aktiv Qualitätssicherungs-Maßnahmen für diese innere Softwarequalität einführe, entsteht eben Software-Erosion.

Kann man gegen diese Software-Erosion etwas tun? Es gibt ja in der Naturwissenschaft das Gesetz der Entropie, also die Tatsache, dass die Unordnung in einem System über einen gewissen Zeitraum zunimmt. Ist das auch bei der Software so?

Es gibt in der Tat jemanden, der gesagt hat: Ich stelle jetzt die Gesetze der Software-Evolution auf. Professor Meir Lehman hat in seinen empirischen Studien viele Systeme untersucht und immer festgestellt, dass Software-Erosion passiert.

Aus unserer Sicht ist das aber kein Naturgesetz, denn die Software entsteht ja nicht durch natürliche Prozesse, sondern wird durch Menschen geschaffen und verändert. Software-Erosion wird also nur zum Naturgesetzt, wenn man nichts dagegen unternimmt. Vor Software-Erosion kann man sich also schützen, und einen solchen Schutz bieten wir von Axivion an.

Gibt es Metriken, an denen man erkennen kann, dass Software-Erosion vorliegt? Im Garten sieht man ja zum Beispiel, wenn Unkraut überhand nimmt. Ist das auch bei Software möglich?

Solche Metriken gibt es in der Tat. Es gibt sogenannte "bad smells", die man untersuchen kann. Dazu gehört zum Beispiel die Klonrate im System – sprich: Wie viel Redundanz gibt es in diesem System? Man kann auch klassische Code-Metriken wie die McCabe-Komplexität oder die Verschachtelungstiefe verwenden. Die können Anhaltspunkte geben, dass man sagen kann: In diesem System ist höchstwahrscheinlich Software-Erosion vorhanden.

Im Detail muss man dann immer noch mehr auf die Dinge eingehen. Denn Software-Erosion bedeutet zum Beispiel auch, dass die Architekturdokumente nicht auf dem neuesten Stand sind. Es gibt in diesem Fall dann ein Softwaredesign-Dokument, aber der Code sieht letztlich ganz anders aus. Das ist auch Software-Erosion.

Das kann man zunächst nicht auf einen Blick erkennen, anders als bei der Wiese mit dem Unkraut. Aber man kann es auch automatisiert erkennen. Wenn Sie zum Beispiel mit unserer Lösung Ihre Architektur aufzeichnen, so wie Sie sie dokumentiert haben, können Sie sofort sehen, bis zu welchem Grad der Code davon abweicht. Das ist ein Indikator dafür, wie weit das System von Erosion betroffen ist.

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