Linux
Von der Halbleiter- zur kommerziellen Linux-Distribution
10.11.2009 | Autor: Dean Minsenheimer*
Für den Entwicklungsstart werden häufig Linux-Distributionen des Halbleiter-Herstellers oder eigene Anpassungen genutzt. Für Entwickler, die im Laufe des Projekts auf eine kommerziell unterstützte Linux-Distribution umsteigen möchten, bietet MontaVista seit der Version MontaVista Linux 6 neue Wege für den reibungslosen Umstieg.
Der Markt für kommerzielle Lösungen im Bereich Embedded Linux entstand vor zehn Jahren. Inzwischen hat Linux nicht nur bewiesen, dass es auch den Herausforderungen im Embedded-Markt gewachsen ist, sondern es ist eine ganze Industrie für Embedded Linux entstanden. Allein die Art und Weise, wie Embedded Linux auf den Markt gebracht wird, hat sich kaum weiterentwickelt.
Anfangs übernahmen die Anbieter kommerzieller Linux-Produkte ihr bestehendes RTOS-Modell und wandten es auf Linux an. Sie erzeugten Board-Support-Packages (BSP), um vordefinierte Produkte mit einem festgelegten Funktionsumfang so weit wie unbedingt erforderlich anzupassen, damit sie auf neuen Hardwareplattformen einsetzbar wurden. Dieses Modell war zu Zeiten proprietärer Softwareplattformen sinnvoll, denn der Anbieter war der einzige wirkliche Innovator in der Software-Entwicklungskette.
Die meisten kommerziellen Linux-Anbieter arbeiten heute noch mit diesem Modell. Sie bieten eine oder einige wenige binäre Linux-Distributionen mit festgelegten Merkmalen an, die eine Anzahl von Hardwareplattformen unterstützen.
Zwischen Hardwarenähe und Funktionalität
Dieses Modell stellt die Entwickler vor eine Reihe von Herausforderungen. Die meisten Entwickler beginnen mit Prototypen oder einer frühen Entwicklungsstufe, in der sie die Referenzimplementierung des Halbleiterherstellers nutzen. Auch wenn diese Referenzimplementierungen gewöhnlich gut in die Hardware integriert sind und es den Entwicklern erlauben, die Leistung und Funktionen der Hardware umfassend auszunutzen, fehlen ihnen zahlreiche nicht hardwarespezifische Merkmale. Für den Entwickler heißt das, er ist gezwungen, die Distribution anzupassen.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Qualität. Die Hardwareanbieter stellen Linux in erster Linie zur Verfügung, um schnell die Voraussetzungen für die Entwicklung mit ihrer Hardware zu schaffen. Sie übernehmen weder die Tests noch die Behebung von Fehlern oder die Integration, die für ein kommerzielles Produkt erforderlich sind. Auch leisten sie für Entwickler, die ihre Linux-Distributionen an die Kundenwünsche anpassen, keinen technischen Support.
Die Vorteile kommerzieller Distributionen liegen in der Qualität
Kommerzielle Linux-Distributionen bieten mehr Qualität und Support. Da sie jedoch generisch sind und eine festgelegte Anzahl von Merkmalen enthalten, ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie die volle Funktionalität des Prozessors oder des Ein-Chip-Systems (SOC) ausnutzen. Das heißt für den Entwickler, dass er entweder Kompromisse bei den Funktionen eingehen oder die Distribution anpassen muss. Die Anpassung kommerzieller Linux-Distributionen ist häufig eine schwierige Aufgabe, da sie in binärer Form zur Verfügung gestellt werden, nicht in Quellcode-Format.
Mit dem aktuellsten Release gehen wir bei MontaVista in der Entwicklung für Embedded Linux einen neuen Weg. Statt die Entwickler zu einer Entscheidung zwischen der Linux-Distribution eines Halbleiterherstellers und einer kommerziellen Distribution zu zwingen, haben wir daran gearbeitet, die Linux-Lieferkette anzupassen. Die Entwickler können zu Beginn die Referenzimplementierung des Halbleiterherstellers einsetzen oder eigene Wege einschlagen. Zum richtigen Zeitpunkt im Entwicklungszyklus können sie dann unkomplizert auf MontaVista Linux 6 umstellen.
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