Arbeitsplatzabbau

Bei Siemens stehen 2700 Jobs auf der Kippe

11.05.17 | Autor / Redakteur: dpa / Franz Graser

Siemens in Fürth: In der Sparte „Digitale Fabrik“ sollen nach dpa-Angaben 600 Arbeitsplätze wegfallen, davon 450 am Standort Fürth.
Siemens in Fürth: In der Sparte „Digitale Fabrik“ sollen nach dpa-Angaben 600 Arbeitsplätze wegfallen, davon 450 am Standort Fürth. (Bild: Nicolas Armer/dpa-Bildfunk)

Auf dem Weg zum digitalen Unternehmen setzt Siemens-Chef Kaeser erneut den Rotstift an. Auch die Probleme in einzelnen Geschäftsfeldern kosten einmal mehr Jobs.

Der Elektrokonzern Siemens treibt seine Neuausrichtung mit der Streichung und Verlagerung von rund 2700 Jobs in Deutschland voran. Am Donnerstag gab das Unternehmen in München ein ganzes Bündel von Maßnahmen bekannt, mit dem sich Siemens in den kommenden Jahren weiter für den digitalen Wandel rüsten, aber auch Problemgeschäftsfelder in den Griff bekommen will.

1700 der betroffenen Jobs will Siemens in den kommenden Jahren streichen und weitere 1000 verlagern. Die Einschnitte sollten möglichst sozialverträglich gestaltet werden, auf betriebsbedingte Kündigungen will Siemens verzichten.

Besonders im Fokus stehen ist die interne Unternehmens-IT, wo es alleine um 1350 Jobs an den Standorten München, Erlangen und Nürnberg geht, sowie die digitale Fabrik und die Zugsparte, aber auch die Ausbildung des Konzerns.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will den Stellenbau in der kommenden Woche im Ministerrat zum Thema machen, wie sie der „Passauer Neuen Presse“ und dem „Donaukurier“ sagte.

In der Sparte „digitale Fabrik“ kommt es durch die Zusammenfassung mehrerer Lager im Großraum Nürnberg, Fürth, Erlangen und Amberg zu einem neuen Logistikzentrum in Amberg zu Einschnitten. Dieses neue Zentrum soll von einem externen Dienstleister betrieben werden. Durch den Schritt würden die Reaktionszeiten künftig kürzer, erklärte der Chef der Division, Jan Mrosik. „Wir können individuelle Wünsche gezielter bedienen und sparen uns aufwendigen Warenverkehr zwischen den heute bestehenden Standorten.“

In Fürth sind zudem Anpassungen in einem Werk der digitalen Fabrik geplant, das seit Jahren rückläufige Geschäfte zu spüren bekomme. In Summe stehen damit rund 850 Jobs in der Sparte auf der Kippe, davon sollen 600 wegfallen, und wiederum davon 450 in Fürth.

In der Zugsparte reagiert Siemens mit Stellenabbau auf den schärferen Wettbewerb. Mit dem Zusammenschluss der beiden größten chinesischen Zughersteller zum neuen Riesen CRRC war der Preis- und Kostendruck in der Branche massiv gewachsen.

Hinzu komme eine angespannte Haushaltslage in zahlreichen Ländern, die deshalb Investitionen verschieben, erklärte das Unternehmen. In Krefeld in Nordrhein-Westfalen streicht Siemens deshalb rund 300 Arbeitsplätze.

Auch in der Ausbildung räumt Siemens auf. Bisher ist sie auf deutschlandweit 33 Standorte verteilt, diese Zahl soll bis 2021 schrittweise angepasst werden, wie es hieß. Davon könnten noch einmal deutschlandweit rund 180 Jobs betroffen sein.

Siemens hatte erst vergangene Woche gute Quartalszahlen vorgelegt, die besser ausgefallen waren, als von vielen Analysten erwartet. Konzernchef Kaeser treibt den Wandel des Unternehmens in Richtung Digitalisierung und Industrie 4.0 seit einiger Zeit entschieden voran und hatte immer wieder angekündigt, auch auf Probleme in einzelnen Geschäftseinheiten frühzeitig zu reagieren. Siemens hat deutschlandweit insgesamt rund 114 000 Beschäftigte, weltweit beschäftigte der Konzern zuletzt rund 351 000 Menschen.

Bei der Gewerkschaft sorgten die neuerlichen Einschnitte für Unmut. „Siemens verfällt in sein gewohntes Muster, auf wirkliche oder eingebildete Schwierigkeiten mit Kostensenkungen und Stellenabbau zu reagieren“, sagte ein IG-Metall-Sprecher. Gerade angesichts hervorragender Geschäftszahlen und voller Kassen halte man die Maßnahmen für voreilig.

Bislang handele es sich bei dem Maßnahmenpaket derweil nur um eine „Wunschliste“, so der Sprecher. „Bevor Verhandlungen aufgenommen oder gar Entscheidungen getroffen werden, wird die Arbeitnehmerseite erst einmal jede einzelne Maßnahme gründlich auf ihre Plausibilität und mögliche Alternativen überprüfen.“

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