24.10.12 | Redakteur: Martina Hafner

Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung leiden Deutschlands Unternehmen eher mäßig an einem Problemdruck durch unbesetzte Fachkräftestellen. Insgesamt sei die Nachfrage 2011 zwar stark angestiegen. Im Zeitverlauf seien dies aktuell aber stark konjunkturabhängige Größen.
Der Großteil der Betriebe konnte seinen Fachkräftebedarf auch 2011 vollständig decken, zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Studie beruht auf dem IAB-Betriebspanel, einer jährlich durchgeführten repräsentativen Befragung von 16.000 Betrieben. Viele Betriebe reagieren aber bereits auf die drohende Verschärfung der Fachkräfteengpässe durch den demografischen Wandel.
Der Fachkräftebedarf lag 2011 sogar über dem bisherigen Höchststand im Boomjahr 2000, stellten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher durch ihre Befragung fest. Der Problemdruck war dabei jedoch etwas geringer als vor gut zehn Jahren: Acht Prozent der Betriebe konnten im ersten Halbjahr 2011 Fachkräftestellen nicht besetzen (vgl. Höchstwert 2000: zehn Prozent).
Die meisten Fachkräfteeinstellungen erfolgten im Bereich der Unternehmensnahen Dienstleistungen auf der einen Seite und im Bereich der Personennahen Dienstleistungen auf der anderen Seite, hier vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen. Mit der gestiegenen Nachfrage nach Fachkräften traten Stellenbesetzungsschwierigkeiten häufiger auf als im Vorjahr.
Mit besonders großen Problemen hatten das Finanz- und Versicherungsgewerbe, der Bereich der Unternehmensnahen Dienstleistungen, die Branche Information und Kommunikation sowie der Bereich der übrigen personennahen Dienstleistungen zu kämpfen, Bereiche der Wirtschaft mit einer Nichtbesetzungsquote von 30 Prozent und mehr.
Dieser Anteil stieg in den letzten Jahren zwar deutlich an, erreichte aber nicht den bisher höchsten Wert von zehn Prozent aus dem Jahr 2000. „Besetzungsschwierigkeiten hängen genauso wie die Höhe des Fachkräftebedarfs von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab“, erklären die Forscher des IAB.
In der Studie geben die Forscher zu bedenken, dass für einen Betrieb selbst einzelne offene Fachkräftestellen durchaus ein Problem sein können. Die Betriebe würden darauf mit verschiedenen Strategien reagieren, zumal viele von einer Verschärfung der Fachkräfteengpässe ausgehen: So wollte im Jahr 2011 beispielsweise jeder vierte Betrieb seine älteren Beschäftigten länger im Betrieb halten. Vier Jahre zuvor waren es nur 16 Prozent.
Auch die Weiterbildungsbeteiligung der Betriebe ist gestiegen und hat mit 53 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Vier Jahre zuvor lag der Wert bei 45 Prozent, im Jahr 2000 lediglich bei 37 Prozent. Die Weiterbildungsquote, also der Anteil der Mitarbeiter, die an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben, an allen Beschäftigten aller Betriebe stieg auf 30 Prozent. Vier Jahre zuvor betrug sie lediglich 23 Prozent.
Nach wie vor nehmen ältere Arbeitnehmer in geringerem Maße an betrieblich unterstützter Weiterbildung teil als jüngere Kollegen. Ihr Anteil hat aber immerhin deutlich zugenommen.
Derzeit seien der Ausbau der Weiterbildung von Mitarbeitern, die verstärkte Ausbildung von Fachkräften, aber auch die Schaffung von attraktiven Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben weit oben auf der Agenda, berichten die IAB-Forscher.
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