Strategie

Durchblick im Patentwesen dank Crowdsourcing

30.10.12 | Redakteur: Margit Kuther

Patentvergabe: Europäisches Patentamt in München
Patentvergabe: Europäisches Patentamt in München (Bild: EPO)

Patente sind nicht zu unterschätzende, immaterielle Unternehmenswerte. Globale Expertennetzwerke können die komplexe Patentrecherche ergänzen.

Vier Augen sehen mehr als zwei und viele Augen können rundum blicken. Nach diesem Prinzip funktioniert BluePatent. Die Plattform für Patentrecherche und -bewertung veröffentlicht online Aufrufe, um mit Hilfe von Crowdsourcing Patente auf ihre Gültigkeit zu untersuchen sowie deren Potenzial einzuschätzen oder entsprechende Verwertungsmöglichkeiten zu identifizieren.

Nutzer aus aller Welt, darunter Patentexperten, aber auch Wissenschaftler und technische Fachleute, beteiligen sich an der Recherche. Durch diese globale Vernetzung können die Recherchen besonders umfassend und effizient durchgeführt werden – ohne Einschränkungen durch fachliche Grenzen oder sprachliche Barrieren.

Schutzrechte sind essentielles Firmenkapital

Patente sind wertvolle, immaterielle Unternehmenswerte und bilden einen elementaren Bestandteil im strategischen Management. Häufig nutzen Unternehmen Patente, um ihre Mitbewerber unter Druck zu setzen oder eine gute Verhandlungsposition zu erlangen.

So kaufte erst im Frühjahr dieses Jahres der Internetriese Google den heruntergewirtschafteten Handybauer Motorola, um Zugriff auf dessen rund 15.000 Schutzrechte für Mobilfunktechnologien zu erhalten. Diese Vielzahl an Patenten bietet Google mit seiner Android-Technologie eine gute Grundlage und wappnet das Unternehmen für den Mobilfunk-Kampf gegen Samsung und Apple.

Umso bedeutender ist es - für alle Seiten - zu wissen, welche Patente tatsächlich Bestand haben und welche unter Umständen angefochten werden können.

Erfolgreich mit Crowdsourcing

Für Patentprüfer oder -anwälte ist die Fülle an Dokumenten und Materialien, die zur Recherche herangezogen werden müssten, ein unübersichtliches, schier undurchdringliches Patentdickicht. Es ist nahezu unmöglich, alle relevanten Schriftstücke zu berücksichtigen oder überhaupt zu finden. An dieser Stelle kommt BluePatent ins Spiel und ergänzt mit Hilfe von Crowdsourcing die klassischen Recherchemöglichkeiten.

„Um wirklich stichhaltige, umfassende Ergebnisse erzielen zu können, lagern wir die Recherchen an ein globales Expertennetzwerk aus“, erklärt Petr Nemec, Gründer und Geschäftsführer von BluePatent. „Wir sehen BluePatent als Business-Intelligence-Lösung für den IP-Sektor und wollen diesen Bereich nachhaltig optimieren.“

Die Rechercheaufrufe werden auf der Plattform eingestellt, die weltweit ansässigen Rechercheure begeben sich auf die Suche nach entsprechenden Dokumenten und laden diese hoch. Die internen IP-Experten sortieren die Einsendungen nach Relevanz und führen eine vertiefende Analyse durch. „So konnten wir bereits einige vertrackte Fälle von Schutzrechtsverletzungen aufdecken“, erläutert Nemec.

Zusammenarbeit mit Patentverein.de

Erst kürzlich konnte BluePatent zur erfolgreichen Verteidigung in einem seit Jahren andauernden Rechtsstreit um ein Patent zugunsten eines beklagten Unternehmens beitragen. „Das war ein besonders großer und wichtiger Erfolg für uns und zeigt, dass Crowdsourcing ein probates Mittel ist, in der Fülle der weltweiten Patentschriften und Veröffentlichungen noch Stand der Technik-Dokumente zu finden, mit dem Streitpatente zu Fall gebracht werden können“, so Nemec.

Dr. Heiner Flocke, Vorsitzender der Industrie-Initiative „Patentverein.de e.V.“, ergänzt: „BluePatent hat sehr schwierige Rechercheaufgaben für bereits laufende Verfahren erhalten und konnte uns tatsächlich mit ergänzenden Fundstellen zum Stand der Technik entscheidend den Rücken stärken. Der reibungslose Ablauf und das Ergebnis zeugen von einem ausgereiften Verfahren bei fachlich komplexen Recherchefällen.“

Der Patentverein.de e.V. hat sich 2003 als Initiative mittelständischer Unternehmen gegründet und setzt sich für Patentqualität und gegen Patentmissbrauch ein. BluePatent bietet dabei wichtige Unterstützung. „Die BluePatent-Recherche gestattet gerade innovativen KMUs, sich künftig gegenüber Angriffen aus Patenten deutlich wehrhafter zu zeigen und ,Freedom to Operate‘ zu erhalten“, fasst Dr. Flocke zusammen. Vor allem das gemeinsame Ziel, das Patentsystem transparenter zu gestalten, bietet eine optimale Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Spamschutz 

Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein:
Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 36468190) | Fotos: EPO

Elektronik-News: Top informiert - täglich 14 Uhr

Immer bestens informiert: Technologie-und- Business-News, Trends und Hintergrund-Berichte topaktuell und kompakt aus der Redaktion

* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung und AGB einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.
Heftarchiv
ELEKTRONIKPRAXIS 17/2014

ELEKTRONIKPRAXIS 17/2014

Test der Ethernet-Konformität mit dem Oszilloskop

Weitere Themen:

Beschleunigung mit MEMS messen
Vom Touch zur Gestensteuerung
Sieben Vorteile durch Laserlöten

zum ePaper

zum Heftarchiv

ELEKTRONIKPRAXIS 16/2014

ELEKTRONIKPRAXIS 16/2014

Ideen-Board für Spansions FM ARM Cortex-M MCUs

Weitere Themen:

Geld verdienen mit sozialen Medien
Hardware für digitale Hörgeräte
Chips für smarte Stromversorgung

zum ePaper

zum Heftarchiv

ELEKTRONIKPRAXIS 15/2014

ELEKTRONIKPRAXIS 15/2014

Das Internet of Things ist mehr als die Summe seiner Teile

Weitere Themen:

Welches Display ist das richtige?
Datenmanagement mit C-Controller
Sicherungen für die Raumfahrt

zum ePaper

zum Heftarchiv