Energieeffizienz und Ökodesign, Teil 9

Anforderungen an die Energieeffizienz von Fernsehgeräten

23.03.2010 | Autor / Redakteur: Laura Spengler* / Gerd Kucera

Seit Januar 2010 gelten die ersten Anforderungen, welche die Leistungsaufnahme von Fernsehern in verschiedenen Betriebszuständen begrenzen

Mit einer im Juli 2009 verabschiedeten Verordnung will die EU den Energieverbrauch von Fernsehgeräten verringern. Ab Januar 2010 gelten die ersten Anforderungen, die die Leistungsaufnahme von Fernsehern in verschiedenen Betriebszuständen begrenzen. Schrittweise werden weitere Anforderungen wirksam, denen Fernsehgeräte genügen müssen bevor sie innerhalb der EU in Verkehr gebracht werden dürfen.

Mit der Verordnung (EG) Nr. 642/2009 wurden im Juli 2009 neue EU-weite Anforderungen an die Energieeffizienz von Fernsehgeräten erlassen. Die ersten dieser Anforderungen gelten ab Anfang Januar 2010 für alle Fernseher, die innerhalb der EU auf den Markt gebracht werden. Auf weitere Stufen der Verordnung, die die Energieeffizienz in den nächsten Jahren bis 2012 schrittweise steigern, können sich die Fernsehgerätehersteller jetzt schon einstellen.

Die Verordnung ist eine Umsetzungsmaßnahme der Ökodesign-Richtlinie (2005/32/EG) und hat damit wie andere solcher Maßnahmen unter anderem das Ziel, den Energieverbrauch in der Nutzungsphase der erfassten Produkte zu reduzieren. Im Vorwort der Verordnung wird zwar auch auf die Umweltrelevanz der Herstellung und Entsorgung von Fernsehgeräten hingewiesen, es werden aber keine Anforderungen spezifiziert, da dies bereits Gegenstand anderer Instrumente ist (Richtlinien 2002/95/EG und 2002/96/EG).

Tabelle 1: Termine, Geltungs- und Regelungsbereich der Verordnung 642/2009
Tabelle 1: Termine, Geltungs- und Regelungsbereich der Verordnung 642/2009

Neben den Anforderungen an die Energieeffizienz werden in der Verordnung jedoch Pflichten für die Hersteller bezüglich der bereitzustellenden Produktinformationen formuliert, u.a. über das Vorhandensein von Quecksilber oder Blei im Fernsehgerät.

Seit Januar 2010 gilt der Grenzwert 1 W

Sowohl Fernsehapparate als auch Videomonitore fallen in den Geltungsbereich der neuen Verordnung. Die Leistungsaufnahme der Geräte in verschiedenen Betriebszuständen (Ein-Zustand, Bereitschaftszustand/Standby und Aus-Zustand) wird begrenzt. Beim Ein-Zustand hängt der ab dem 20. August 2010 erlaubte Grenzwert von der Art des Geräts und von der Bildschirmgröße ab. Des Weiteren werden hochauflösende und sonstige, nicht hochauflösende Geräte unterschieden.

Tabelle 2: Status quo der verschiedenen Produktgruppen (Stand Oktober 2009)
Tabelle 2: Status quo der verschiedenen Produktgruppen (Stand Oktober 2009)

Ab April 2012 gilt für Fernsehgeräte unabhängig von deren Auflösung ein strengerer Grenzwert. Für alle Fernsehgeräte gleichermaßen gilt ab dem 7. Januar 2010, dass im Aus- und Bereitschaftszustand eine Leistungsaufnahme von 1 W nicht überschritten werden darf – es sei denn, es besteht eine Informations- oder Statusanzeigefunktion, dann gilt eine Höchstgrenze von 2 W für den Bereitschaftszustand. Diese Werte werden ab August 2011 verschärft. Zusätzlich müssen Fernsehgeräte ab August 2011 mit einer Abschaltautomatik ausgerüstet sein, die spätestens vier Stunden nach der letzten Aktion durch den Nutzer einsetzt.

Trotz Energieeinsparung steigt der Verbrauch

Der EU-Kommission zufolge können mit der Maßnahme bis 2020 in der EU jährliche Energieeinsparungen von 28 TWh im Vergleich zum Business-as-usual-Szenario erreicht werden. Trotz dieser Energieeinsparungen wird der absolute Energieverbrauch durch den Betrieb von Fernsehern in der EU voraussichtlich von 60 TWh im Jahr 2007 auf 104 TWh in 2020 ansteigen, da Verbraucher sich vermehrt mit größeren und besser auflösenden Fernsehern sowie Zweitgeräten ausstatten.

Diesen sogenannten Rebound-Effekt gibt es bei vielen Produkten, im Fall der Fernseher ist er jedoch besonders ausgeprägt. Gleichzeitig mit der hier dargestellten Verordnung veröffentlichte die EU-Kommission Verordnungen zu Kühl- und Gefriergeräten, Elektromotoren und Umwälzpumpen. Somit sind inzwischen im Rahmen der Umsetzung der Ökodesign oder EuP-Richtlinie verbindliche Mindeststandards für insgesamt neun Produktgruppen in Form rechtlich verbindlicher EG-Verordnungen festgelegt worden. Weitere Verordnungen sind in Vorbereitung.

In einer von EBV Elektronik unterstützten Artikelserie erschien eine umfangreiche Darstellung der Ökodesign-Richtlinie und eine Darstellung der Verordnungen zum Standby- und Off-mode-Verbrauch elektrischer und elektronischer Haushalts- und Bürogeräte (1275/2008), zu einfachen Fernsehdekodern (Simple Set Top Boxes; 107/2009), zu Produkten der gewerblichen Beleuchtung (245/2009) und der Haushaltsbeleuchtung (244/2009) sowie zu Elektromotoren (640/2009) und Umwälzpumpen (641/2009), siehe InfoClick.

*Laura Spengler arbeitet bei Ökopol, Institut für Ökologie und Politik GmbH, in Hamburg und berät die EBV Elektronik in Ökodesign-Fragen.

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