Zeitbomben im Wohnzimmer

Ramsch-Elektrogeräte überschwemmen den Consumer-Markt

17.07.17 | Autor / Redakteur: Rolf Schraa, dpa / Sebastian Gerstl

Ein illegaler Handy-Störsender ist in einer Ausstellung von beschlagnahmten Elektrogeräten bei der Bundesnetztagentur in Bonn (Nordrhein-Westfalen) zu sehen. Zahlreiche Billige Ramsch-Produkte finden ihren Weg in den Handel, die sich nicht nur massiv störend auf Funk- und Radiobetrieb auswirken - sondern auch hohe Brand- oder Explosionsgefahr bergen.
Ein illegaler Handy-Störsender ist in einer Ausstellung von beschlagnahmten Elektrogeräten bei der Bundesnetztagentur in Bonn (Nordrhein-Westfalen) zu sehen. Zahlreiche Billige Ramsch-Produkte finden ihren Weg in den Handel, die sich nicht nur massiv störend auf Funk- und Radiobetrieb auswirken - sondern auch hohe Brand- oder Explosionsgefahr bergen. (Bild: Henning Kaiser/dpa)

Ramsch-Stecker mit Brandgefahr, Lampen, die den Radioempfang stören und verbotene Handy-Blocker aus dem Ausland - die Marktüberwachung bekommt mit dem Aufblühen des Online-Handels immer mehr zu tun. Manchmal hilft nur noch eins: zerstören.

Der Einbaustrahler aus einem Kölner China-Markt kostet nur 2,50 Euro - ein Zehntel des Preises für eine Markenlampe. Dafür könnte das Billig-Netzteil in der Lampe Störfrequenzen erzeugen, warnt Kontrolleur Uwe Saalmann von der Bundesnetzagentur. Die Wärme staut sich im Plastik des Ramschprodukts - Brandgefahr. Eine verständliche Gebrauchsanweisung und die vorgeschriebene CE-Hersteller-Kennzeichnung fehlen sowieso. Die Marktüberwachung der Bundesnetzagentur zog die Lampe aus dem Verkehr.

Lampen und Funkkopfhörer, Drohnen, Steckdosenleisten, Handfunkgeräte und sogenannte FM-Transmitter, die Musik vom Smartphone zum Radio übertragen: Störanfällige Billig-Elektroprodukte - oft, aber nicht immer aus China - überschwemmen seit Jahren zunehmend den Markt. Das hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Kunden im Internet einkaufen, wobei Lieferungen schwer zu kontrollieren sind. Die Bonner Bundesnetzagentur, die über einen störungsfreien Funk- und Radiobetrieb wacht, der Zoll und die regionalen Aufsichtsbehörden führen angesichts der Importschwemme einen schwierigen Kampf.

„Der Vertrieb übers Netz drückt immer mehr rein“, sagt ein Behördensprecher. „Das ist wie Don Quichotte - in manche Läden können Sie jede Woche wieder gehen“, sagt Saalmann, der von Dortmund aus in fast ganz Nordrhein-Westfalen kontrolliert. Bei der Bundesnetzagentur überwachen bereits mehr als 400 Mitarbeiter an 20 Standorten den Markt und beheben Funkstörungen. „Angesichts der wachsenden Flut unsicherer Produkte werden wir unsere Arbeit vor allem im Online-Handel weiter intensivieren“, sagt Behördenchef Jochen Homann.

Die Aufsichtsbehörde stellt von Dienstag, dem 18. 07. 2017 an in einer Wanderausstellung besonders gefährliche Geräte aus, die in manchen Fällen wie Zeitbomben im Wohn- oder Schlafzimmer wirken: Ein Film in der Ausstellung zeigt, wie eine Funksteckdose aus Billigmaterial im Versuchslabor unter Stromlast erst Funken schlägt und dann Feuer fängt. Der Brand wäre unter realen Bedingungen wohl lebensgefährlich.

Eine dänische Design-Glühbirne - zu Tausenden am deutschen Markt vertrieben - stört so stark den Radioempfang, dass man in der Ausstellung ein direkt daneben stehendes Radio kaum noch verstehen kann. In der Realität hatte sich sogar der Nachbar des Lampenbesitzers aus Augsburg an die Störstelle gewandt, weil aus seinem Gerät nur noch Rauschen kam. Ersatzlos vom Markt genommen wurde auch eine Haar-Glättbürste aus den Niederlanden - sie brachte nicht nur allzu lockiges Haar auf Temperatur und dann in Form, sondern produzierte mangels ausreichender Abschirmung auch am Griff noch 121,5 Grad Celsius.

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posted am 21.07.2017 um 16:40 von Schoenegg

Hatte mal einen Papiershredder von einem bekannten Kaffeeversendergekauft. Dessen EMI-Störungen...  lesen
posted am 21.07.2017 um 12:14 von Unregistriert

Und hat der Appell gefruchtet, Cayla fachgerecht zu entsorgen? Vermutlich nicht, schließlich...  lesen
posted am 17.07.2017 um 12:00 von Olaf Barheine


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