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Karrierestrategien

„Geld oder Leben?“ – Wenn das Gehalt zum Schmerzensgeld wird

 

02.09.2010 | Autor: Alexandra Klier*

 

Als Personalberater erlebt man es des Öfteren, dass Arbeitnehmer nicht mehr unbedingt bereit sind, für ein Top-Gehalt ihr Privatleben und ihre Gesundheit zu opfern. In der Tat sollte bei der Arbeitgeberwahl das Gesamtpaket zählen.


„Geld oder Leben?“ – Wenn das Gehalt zum Schmerzensgeld wird
*Die Autorin: Alexandra Klier ist Projektleiterin bei der Personalberatung für die Elektronik-Branche SchuhEder Consulting
Stephen Meyer (Name von der Redaktion geändert) ist ein erfolgreicher Vertriebsingenieur bei einem renommierten Elektronikunternehmen. Für uns, als Personalberatung, die sich auf die Elektronik-Branche spezialisiert hat, also ein attraktiver, potentieller Kandidat. Und: Wir haben auch gleich ein passendes Projekt für ihn: Es gilt, zeitnah eine Position als Key-Account Manager bei einem soliden, langfristig ausgerichteten, europäischen Unternehmen zu besetzen.
Rein fachlich käme Meyer sofort für die Position in Frage. Allerdings liegt das vom Unternehmen festgelegte Zieljahresgehalt bei maximal 90 k (davon 70 % fix und 30 % variabel). Schade, das war`s dann wohl, denken wir, als wir erfahren, dass sich sein derzeitiges Jahresgehalt auf 120 k (davon 100 k fix) beläuft.
Aber alles kommt anders - Meyers Reaktion ist überraschend. Er will im Gespräch bleiben. Der Job reizt ihn und Geld spielt lediglich eine Nebenrolle. Fakt ist, das Burn-Out-Syndrom wirft bei Meyer bereits seinen Schatten voraus. Privat hat ihm seine Ehefrau längst die rote Karte gezeigt, während sich Meyer in seinem beruflichen Hamsterrad am Rand des nervlichen Zusammenbruchs bewegt. Was bedeuten da schon 30k brutto weniger im Jahr, wenn die Möglichkeit besteht, sein Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen?

Wenn Arbeitnehmer ihr Gehalt als Schmerzensgeld erleben

In der Tat, erlebt man als Personalberater in seinem täglichen Geschäft des Öfteren, dass Arbeitnehmer ihr Gehalt als eine Art „Schmerzensgeld“ erleben und nicht mehr unbedingt bereit sind, einen so hohen Preis für ihr Privatleben und ihre Gesundheit zu bezahlen. Bei ca. 60 bis 70 Wochenstunden, einer überdurchschnittlichen hohen Reisetätigkeit und/oder dem anspruchsvollen Arbeiten in drei verschiedenen Zeitzonen bleibt eine ausgeglichene Work- / Live-Balance schnell auf der Strecke.
In der heutigen Zeit gesellen sich oftmals noch weitere Stressfaktoren, wie eine mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte und Kollegen dazu, die einem nur noch mehr das Gefühl vermittelt, einer „Schachfigur“ ohne echte berufliche Perspektiven zu gleichen. Das greift die Psyche an und führt letztlich in eine „Sackgasse“.
Die langfristigen Auswirkungen eines solchen stressgeplagten Lebensstils sind fatal. Das physische und psychische Gleichgewicht ist nicht mehr hergestellt. Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen, sei es in der Familie oder im Freundeskreis, fehlende körperliche Bewegung oder Ausgleich durch Hobbies führen zu negativem Stress und damit – gar nicht so selten - zu gesundheitlichen Problemen.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen erkennen, dass bei einem insgesamt überdurchschnittlichen Gehalt – wie es Elektronikingenieuren tendenziell bezahlt wird – 10.000 € mehr oder weniger beim Jahresgehalt nicht der überzeugende Aspekt sein können. Es ist sogar wissenschaftlich belegt, dass Geld als Motivationsfaktor nur bis zu einem bestimmten Grad brauchbar ist, langfristig aber schnell seinen Reiz verwirkt hat.
So hat beispielsweise der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno Frey in seinen zahlreichen empirischen Studien tausende von Personen dazu befragt, ob Geld wirklich glücklich macht. „Ja“, sagt Frey, „Menschen mit höherem Einkommen weisen im Durchschnitt eine höhere Lebenszufriedenheit auf als Menschen mit niedrigerem Einkommen.“
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Redakteur: Martina Hafner
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