Dossiers
Mediathek
Forum
Whitepaper

Energieeffizienz und Ökodesign, Teil 1

Die Ziele und Grundzüge der EuP-Richtlinie sowie deren Umsetzung

 

31.03.2009 | Autor: Dr. Norbert Reintjes*

 

Bislang wurde die Umsetzung der EuP- oder EcoDesign-Richtlinie in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen. Doch die die erarbeiteten Verordnungen haben umfassende Konsequenzen für die am Markt zugelassenen energieverbrauchenden Produkte (Energy-using-Products, EuP). Der erste Teil dieser Beitragsreihe erklärt die Grundzüge und Ziele der EuP.


Von den Massenmedien wird allenfalls das schrittweise Verbot der „Glühbirne“ in der Europäischen Union diskutiert. Parallel dazu liegen aber bereits Entwürfe für Mindestanforderungen an eine Vielzahl anderer Produktgruppen vor und Fachstudien schaffen die Basis für weitere Entwürfe. Nach den Planungen der EU-Kommissionen werden nach und nach die umwelt-relevantesten Produktgruppen abgearbeitet und die bereits bestehenden Anforderungen regelmäßig überprüft – ein ambitionierter Prozess.
Relevant sind diese Entwicklungen weniger für den Endkunden, der bestimmte Produkte möglicherweise nicht mehr in der gewohnten Form in den Regalen findet, sondern vor allem für die Hersteller und Importeure energieverbrauchender Geräte. Diese sind zur Einhaltung der Mindestanforderungen verpflichtet.
In den folgenden Teilen diese Beitragsreihe veranschaulichen die folgende Produktgruppen. Geräte, die den Anforderungen nicht genügen, dürfen nach einer Übergangsfrist nicht mehr vermarktet werden. Letztere kann unter Umständen recht knapp bemessen sein. Es ist daher von wesentlichem Vorteil für die Marktakteure, frühzeitig über bevorstehende Anforderungen informiert zu sein.
Neben den oben genannten Produktgruppen starten derzeit neue Vorstudien in der Abstimmung. Details über die Abarbeitung der Vorstudien und die Entwicklung von Durchführungsmaßnahmen finden sich unter www.eup-netzwerk.de Dieser Beitrag stellt die Grundzüge der EuP-Richtlinie sowie deren Umsetzung dar und gibt einen Überblick über die in den kommenden Teilen dieser Beitragsreihe behandelten Produktgruppen und Prozesse. Im EuP-Prozess gleichermaßen fortgeschritten sind die Produktgruppen:
  • Haushaltskühlgeräte

  • Haushaltswaschmaschinen

  • Haushaltsgeschirrspülmaschinen.

Und so funktioniert die EuP-Richtlinie in der Praxis

Die so genannte EuP-Richtlinie [1] – oder auch „Ökodesign-Richtlinie“ – verfolgt insbesondere das Ziel, die Energieeffizienz von energieverbrauchenden Produkten zu verbessern und soll damit gerade auch der Verwirklichung der europäischen Klimaschutzziele dienen. Weitere Ziele sind eine ganzheitlich umweltgerechte Gestaltung der Produkte sowie die Harmonisierung des europäischen Binnenmarktes für diese Produkte.
Eine Richtlinie bedarf der nationalstaatlichen Umsetzung; in Deutschland erfolgte dies durch das Energiebetriebene-Produkte-Gesetz (EbPG) vom März 2008 [2]. Als zuständige Behörde fungiert die dem Wirtschaftsministerium untergeordnete Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) [3]. In enger Kooperation mit dem Umweltbundesamt begleitet sie den EuP-Prozess auf europäischer Ebene und übernimmt Aufgaben in Deutschland.
Grundsätzlich umfasst der Geltungsbereich der Richtlinie alle Produkte bzw. Produktgruppen, die Energie für ihre bestimmungsgemäße Funktion benötigen. Ausgenommen davon sind Fahrzeuge.

EuP fordert Analyse der Umweltauswirkungen während des gesamten Lebensweges

Die EuP-Richtlinie formuliert übergreifende Zielstellungen und prozedurale Regeln, überlässt die weitere Ausgestaltung materieller Anforderungen an einzelne Produktgruppen aber einer nachgeschalteten Konkretisierung durch die EU-Kommission unter Beteiligung der Mitgliedsstaaten, der Marktakteure und anderer interessierter Kreise. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Entwurfsphase wesentlichen Einfluss auf die Umweltwirkungen eines komplexen Produktes hat, setzt die EuP-Richtlinie stärker als andere aktuelle produktbezogene Regelungen auf eine Analyse der Umweltauswirkungen während des gesamten Lebensweges, die durch unterschiedliche technologische Konzepte beeinflusst werden.
Zur Auswahl derjenigen Produkte bzw. Produktgruppen, für die konkrete Anforderungen auszuarbeiten sind, formuliert die EuP-Richtlinie Kriterien. Neben einem europaweiten Marktvolumen von mindestens 200.000 Stück sind das die Erheblichkeit der Umweltauswirkungen sowie bestehendes Optimierungspotenzial. Die Auswahl erfolgt durch die EU-Kommission, ebenfalls in Abstimmung mit den Mitgliedsstaaten und unter Beteiligung der Marktakteure und der interessierten Kreise.
1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  weiter
Redakteur: Johann Wiesböck
Social Networks:
Themenverwandte Beiträge
EuP-Richtlinie: Veröffentlichung des „Energiebetriebene Produkte Gesetz“ für Anfang 2008 erwartet
21.01.2008 - Nach Aussage von Vertretern des Bundeswirtschaftsministerium gehe die Umsetzung der EuP-Richtlinie planmäßig voran. Der Bundestag hat dem Gesetzesentwurf mit marginalen Änderungen zugestimmt und die Zustimmung des Bundesrates wird ebenfalls erwartet. Damit könnte Anfang 2008 – etwas verspätet – das „Energiebetriebene Produkte Gesetz – EBPG“ im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden, meldet der ZVEI. weiter
EuP-Richtlinie: Nach WEEE und RoHS steht EcoDesign auf dem Plan
EuP-Richtlinie: Nach WEEE und RoHS steht EcoDesign auf dem Plan
29.03.2007 - Mit den EU-Richtlinien WEEE und RoHS hat sich die Industrie bereits arrangiert. Der nächsten Meilenstein ist die EuP-Richtlinie 2005/32/EG mit dem Ziel Produkte umweltfreundlich zu gestalten, wobei die Energieeffizienz im Vordergrund steht. Die EuP soll die Integration von Umweltaspekten in den gesamten Produktlebenszyklus und damit die möglichst optimale Verringerung der Umweltauswirkungen dieser Produkte fördern. weiter
Die Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG: Zwischenbilanz der Ökodesign-Richtlinie, praktische Konsequenzen und Ausblick 2010
Die Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG: Zwischenbilanz der Ökodesign-Richtlinie, praktische Konsequenzen und Ausblick 2010
08.04.2010 - Im Zuge der Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie wurden bislang neun Verordnungen erlassen, die für verschiedene Produktgruppen, z.B. Fernseher und Motoren, EU-weit verbindliche Mindestanforderungen vor allem an die Energieeffizienz aufstellen. Für 2010 wird die Verabschiedung weiterer Verordnungen erwartet, u.a. für Computer und Monitore. weiter
Kommentare zu diesem Artikel
Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)
Spamschutz 

Bitte geben Sie das Resultat dieser Rechenaufgabe (Addition) ein:


Artikel Bewertung

VIDEO ZUM THEMA

LED Lighting

LED-Straßenlaternen solar betreiben

Solarangetriebene LEDs für die Straßenbeleuchtung: In diesem Webcast sehen Sie, wie sich die Spannung regulieren lässt und der maximale Power Point erreicht wird. weiter

Alle Videos >>
Firma zum Artikel
Firmen in diesem Themenumfeld

Schulz-Electronic GmbH

Baden-Baden, Deutschland

Es gibt nur eine Lösung  – Die Beste! Wenn Ingenieure in Industrie und Forschung für eine Mess-, Versuchs- oder Testeinrichtung ...



Whitepaper und Webcasts zum Thema
Whitepaper
High Efficiency AC/DC Power Supply mit Full Digital Control
Clean Tech und Eco-Design sind wichtige Punkte bei der Entwicklung neuer Produkte und gelten gerade in Bezug auf die Entwicklung von Stromversorgungen besonders.
Whitepaper
Software in der Medizintechnik
Das Whitepaper Software in der Medizintechnik zeigt, welche Rolle Application Lifecycle Management-Plattformen spielen, um Compliance, Kosten und Qualität in den Griff zu bekommen.
Whitepaper
Umform- und Oberflächentechnik: Grundlage für die Produktion
Ohne Erzeugnisse der Umformtechnik ist eine moderne Volkswirtschaft kaum vorstellbar.
Whitepaper
Praktischer Leitfaden für die Eigenkapitalsuche
Frühzeitig um Fremdkapital kümmern - in schlechten Zeiten kann es teuerer werden als geplant