Gründe für Linux-Aus in München

OB Reiter: „Eine einheitliche Umstellung auf Linux war nie möglich“

16.02.17 | Autor / Redakteur: Peter Zschunke, dpa / Susanne Ehneß

Der Ausflug ins Linux-Land ist für München beendet.
Der Ausflug ins Linux-Land ist für München beendet. (Bild: Pixabay / CC0)

München war lange das Vorzeigemodell für freie Software in der Verwaltung. Jetzt wollen SPD und CSU wieder zu Windows zurückkehren. Dabei ist das Betriebssystem auf dem Rechner längst keine Glaubensfrage mehr, auch Microsoft setzt in der Cloud auf Linux.

München hat genug von Linux. Nach zehn Jahren Vorbereitung und drei Jahren praktischer Erfahrung an den Arbeitsplätzen der Verwaltung will die Stadt die Reißleine ziehen und in die Windows-Welt zurückkehren:

Viel Arbeit investiert

Techniker und Systemadministratoren haben viel Energie in „LiMux“ gesteckt, wie Beteiligte jetzt mit Blick auf das Aus bedauernd feststellen. Für eine möglichst einfache Bedienung haben sie Linux mit Bausteinen der Projekte Ubuntu und KDE an die Bedürfnisse der Verwaltung angepasst. Sie haben Brücken gebaut zwischen der Microsoft-Office-Welt und dem Open-Source-Paket Libre Office mit seinen Anwendungen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und anderes.

Und sie haben sich liebevoll um ihre „Eierlegende WollMux“ gekümmert, eine für „LiMux“ entwickelte Sammlung von Dokumentvorlagen, Briefköpfen, Formularen und Textbausteinen.

Aber aller Mühe zum Trotz fällt das Urteil der Stadtregierung negativ aus. „Eine einheitliche und komplette Umstellung auf Linux war nie möglich, weil viele sehr spezifische Fachanwendungen in den Referaten Windows erfordern“, erklärt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Nicht einheitlich

Als Folgen nennt er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur einen hohen Aufwand und die mangelnde Einheitlichkeit der Software-Ausstattung auf den Arbeitsplatzcomputern, „unter der sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch die Anwenderinnen und Anwender leiden“. Strategisches Ziel sei es jetzt, „dass die städtischen Anwendungen sowohl für die Bürgerinnen und Bürger, als auch für die städtischen Beschäftigten optimal funktionieren“.

Das war bereits ein Ziel bei der Entscheidung für „LiMux“, 2003 mit der damaligen Mehrheit von SPD und Grünen beschlossen. Einen womöglich entscheidenden Fehler sieht der Vorstandsvorsitzende der Open Source Business Alliance (OSBA), Peter Ganten, aber darin, dass die Einführung von „LiMux“ mit einer Neuordnung der gesamten IT-Infrastruktur in der Münchener Verwaltung verknüpft wurde.

Vor der Zentralisierung habe jedes Amt seine eigene Stelle für Informationstechnik gehabt, schnell erreichbar für die Beschäftigten im gleichen Haus. Die bei einer solchen Umstellung üblichen Schwierigkeiten seien dann auf die Einführung von Linux geschoben worden, sagt Ganten.

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