Exomars

ESA schiebt Schuld an Schiaparelli-Absturz auf Softwarefehler

26.10.16 | Autor: Sebastian Gerstl

Simuliertes Modell der geplanten Landung des Schiaparelli-Moduls. ESA-Forscher vermuten, dass ein Softwarefehler bei der Zusammenführung der Sensordaten zu einem vefrühten Abkoppeln der Bremsfallschirme, ein zu kurzes Zünden der Triebwerke und infolge dessen zum Absturz des Test-Landegeräts geführt haben dürfte.
Simuliertes Modell der geplanten Landung des Schiaparelli-Moduls. ESA-Forscher vermuten, dass ein Softwarefehler bei der Zusammenführung der Sensordaten zu einem vefrühten Abkoppeln der Bremsfallschirme, ein zu kurzes Zünden der Triebwerke und infolge dessen zum Absturz des Test-Landegeräts geführt haben dürfte. (Bild: ESA/ATG medialab)

Eine Woche nach dem gescheiterten Versuch, den Marslander Schiaparelli sicher auf dem Mars abzusetzen, suchen ESA und Roskosmos weiter nach den möglichen Ursachen. Nun scheint ein Schuldiger gefunden: Ein Softwarefehler könnte für den Absturz des Landegeräts verantwortlich sein.

Am vergangenen Mittwoch, dem 19. Oktober 2016, hätte das Testmodul Schiaparelli sicher auf der Marsoberfläche landen sollen. Es war die Generalprobe einer gemeinsamen Mission der Raumfahrtagenturen ESA und Roskosmos, die bis 2020 einen eigenen Rover auf den vierten Planeten unseres Sonnensystems bringen möchten. Doch während der Landung brach der Kontakt zu dem Testlandegerät plötzlich ab. Aufnahmen der NASA von der Landeebene am Folgetag bestätigen, dass Schiaparelli offensichtlich abgestürzt ist und bei der Landung zerstört wurde.

Auf der Suche nach einer möglichen Ursache für den Absturz will die ESA wohl nun einen Schuldigen ausfindig gemacht haben; Andrea Accomazzo, Leiter der planetaren Missionen innerhalb der ESA, gab gegenüber dem Fachjournal Nature an, dass ein Softwarefehler oder ein Glitch bei der Zusammenführung der Sensordaten die wahrscheinlichste Ursache sei.

Demnach hätte das Landegerät seine eigene Höhe während der Landung falsch eingeschätzt. Dies führte zu einem verfrühten Auskoppeln der Landefallschirme und einem zu kurzem Zünden der Triebwerke. Schiaparelli bremste aktiv nur drei statt wie vorgesehen 30 Sekunden lang, bevor das Modul aus schätzungsweise zwei bis vier Kilometern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde auf der Marsoberfläche einschlug. Der Direktor der ESA-Programme, Rolf Densing, bestätigte diesen Vorgang in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Sollte sich der Verdacht mit dem Softwarefehler bestätigen, sieht die ESA dies als eine vergleichsweise positive Nachricht. Wenn ein Glitch für den Absturz verantwortlich war, ließe sich dieses Problem leichter beheben als ein möglicher ursächlicher Konstruktionsfehler. Um diesen Verdacht zu bestätigen, wollen die Verantwortlichen den Absturz in weiteren Simulationen nachspielen und diese um die aus der missglückten Landung gewonnenen Daten erweitern.

Akteure der Exomars-Mission: Der Trace Gas Orbiter (links), das nun abgestürzte Schiaparelli-Testmodul (Mitte) und der für 2020 geplante Mars-Rover (rechts).
Akteure der Exomars-Mission: Der Trace Gas Orbiter (links), das nun abgestürzte Schiaparelli-Testmodul (Mitte) und der für 2020 geplante Mars-Rover (rechts). (Bild: ESA)

ESA-Chef Jan Wörner bezeichnet die Mission trotz Verlust des Schiaparelli-Moduls insgesamt als zu 96% erfolgreich. Schließlich sei der Exomars Trace Gas Orbiter (TGO), der ebenfalls Teil der Mission war, erfolgreich abgesetzt worden, was wichtiger als eine geglückte Landung Schiaparellis zu werten sei. Die Sonde soll in der Marsumlaufbahn für kommende Marsmissionen als Relais zur Erde dienen und bis dahin die Atmosphäre des Planeten analysieren. Schiaparelli, dass die Landetechnik testen sollte, habe bei seinem Absturz zudem noch wichtige Daten gesammelt und gesendet, die für eine erfolgreiche, für 2020 geplante Landung des angestrebten Marsrovers genutzt werden könnten.

Während die ESA die Exomars-Generalprobe nachdrücklich als Erfolg bezeichnet, äußern sich andere kritisch gegenüber dieser Einstellung. Schließlich hatte es bereits in der Vergangenheit Pannen während der Exomars-Mission gegeben. Ursprünglich hatte die Raumfahrtagentur schon bis 2018 geplant, einen Rover in der zweiten Phase der Mission auf der Marsoberfläche abzusetzen, ehe der Termin auf 2020 verschoben wurde. Inzwischen hat Exomars ein finanzielles Defizit von etwa 300 Millionen Euro aufzuweisen. Im Dezember möchte die ESA versuchen, von den EU-Staaten einen Zuschuss einzuholen, um das Budget auszugleichen. Dafür ist es natürlich wichtig, Erfolge vorweisen zu können.

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Mit Linux wäre das nicht passiert :-P  lesen
posted am 01.11.2016 um 12:59 von Unregistriert

Hätten die das mal ordentlich getestet.  lesen
posted am 28.10.2016 um 10:33 von Unregistriert

Seit Jahrzehnten werden in der Luft- und Raumfahrt automatische Landesysteme gebaut. Und die...  lesen
posted am 26.10.2016 um 16:38 von Unregistriert

Ein Softwarefehler? Na, dann können wir ja zur Tagesordnung übergehen. Ich bin sehr auf die...  lesen
posted am 26.10.2016 um 15:14 von Olaf Barheine

Na hoffentlich interpretieren die Marsbewohner den Einschlag von dem Teil nicht als...  lesen
posted am 26.10.2016 um 12:57 von Unregistriert


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