Interview mit Dr. Carsten Emde, OSADL

25 Jahre Linux: „Das vielseitigste Betriebssystem aller Zeiten“

12.09.16 | Redakteur: Franz Graser

Dr. Carsten Emde, Geschäftsführer des Open Source Automation Development Lab – OSADL. Über Linux sagt er: „Die richtige Person am richtigen Platz zur richtigen Zeit, die hohe Qualität und optimale Umgebungsbedingungen“ ließen Linux zum vielseitigsten Betriebssystem aller Zeiten wachsen.
Dr. Carsten Emde, Geschäftsführer des Open Source Automation Development Lab – OSADL. Über Linux sagt er: „Die richtige Person am richtigen Platz zur richtigen Zeit, die hohe Qualität und optimale Umgebungsbedingungen“ ließen Linux zum vielseitigsten Betriebssystem aller Zeiten wachsen. (Bild: OSADL)

Vor genau 25 Jahren hat Linus Torvalds die allererste Version des Linux-Kernels online gestellt. Das war der Anfang einer unvergleichlichen Erfolgsgeschichte für das freie Betriebssystem. Dr. Carsten Emde, Geschäftsführer des Open Source Automation Development Lab (OSADL), erinnert sich in einem Interview.

Linux ist ja von einem privaten Hobby von Linus Torvalds zu einer Software-Infrastruktur geworden, der heute viele private und Unternehmens-Nutzer vertrauen. Was war oder ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsgeheimnis von Linux?

Für den Erfolg eines Projekts muss zunächst einmal mindestens einer an das Projekt glauben, sonst geht es nicht. Und diese Person war bei Linux natürlich Linus Torvalds. Seine besondere Persönlichkeit spielt sicher eine sehr wichtige Rolle für den Erfolg von Linux. Bei ihm fällt einem sofort der Begriff des „benevolenten Diktators“ für den Maintainer eines Open Source-Projekts ein, obwohl zugegebenermaßen das Wohlwollen nicht in jedem seiner Forenbeiträge sofort erkennbar ist.

Zweitens muss der Inhalt stimmen. Im Einzelfall kann ein guter Verkäufer wohl tatsächlich alles verkaufen – auch ohne, dass der Inhalt stimmt. Aber für einen nachhaltigen Erfolg ist dies kein gutes Rezept. Und bei Linux hat der Inhalt gestimmt – sowohl die Codequalität als auch das Entwicklungsmodell und natürlich auch die Lizenz. Was nur wenige wissen: Erst ein paar Monate nach der Erstveröffentlichung hat Linus seinen Code umlizenziert und dafür die GPLv2 gewählt. Heute ist wohl unbestritten, dass die Wahl dieser Lizenz ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Linux ist. Linus selbst hat 1997 dazu gesagt: „Making Linux GPLed was definitely the best thing I ever did.“

Drittens fällt bei der Jahreszahl 1991 natürlich auf, dass dies auch genau die Zeit war, in der das Internet in kurzer Zeit gewaltig an Dynamik gewonnen hat. Denn das ist klar: Ohne das Internet und ohne das verteilte Entwicklungsmodell wäre die Entwicklung von Linux nicht denkbar. Als weiterer wichtiger Punkt muss man wissen, dass ein in der Praxis einsetzbares Linuxsystem natürlich bei weitem nicht nur aus dem Kernel besteht; dieser macht nur einen Bruchteil der erforderlichen Software aus.

Und damit kommt der vierte Erfolgsfaktor dazu: Richard Stallman und sein GNU-Projekt. Denn dieses Projekt hat dem Linux-Kernel nicht nur die Lizenz geliefert, sondern auch einen großen Teil der übrigen Systemsoftware und, was am allerwichtigsten ist, den Compiler. Wenn wir heute staunend feststellen, dass Linux über 30 verschiedene Prozessor-Architekturen unterstützt, dann verdanken wir dies auch der Unterstützung dieser Architekturen durch den GCC, der GNU Compiler Collection.

Auf dem genannten Nährboden – die richtige Person am richtigen Platz zur richtigen Zeit, die hohe Qualität des Produkts, ein passendes Systemumfeld und optimale Umgebungsbedingungen – ist dann das Linux von heute gewachsen: Das vielseitigste Betriebssystem aller Zeiten.

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