Sicherheitskritische Systeme

EU investiert 3,8 Millionen Euro in Forschung für MILS-Architektur

27.09.13 | Redakteur: Franz Graser

Das Cockpit des Superjumbos A380. Der MILS-Technikansatz soll die Komplexität verteilter eingebetteter Systeme in Flugzeugen, aber auch in Automobilen bändigen helfen.
Das Cockpit des Superjumbos A380. Der MILS-Technikansatz soll die Komplexität verteilter eingebetteter Systeme in Flugzeugen, aber auch in Automobilen bändigen helfen. (Bild Wikimedia Commons (CC BY 2.0))

Die Open Group hat sich einem Industriekonsortium angeschlossen, das den Software-Architekturansatz MILS (Multiple Independent Levels of Security) für verteilte kritische Systeme einsetzen will. Die EU fördert dieses Vorhaben mit 3,8 Millionen Euro.

Der MILS-Ansatz trägt der Tatsache Rechnung, dass in Flugzeugen und zunehmend auch in Automobilen kritische und weniger kritische Anwendungen auf derselben Hardware- und Betriebssystemplattform laufen. Das D-MILS-Projekt (das Kürzel steht für Distributed MILS for Dependable Information and Communication Infrastructures), das von der EU gefördert wird, zielt auf eine skalierbare Systemarchitektur ab, die die Verlässlichkeit der Systeme deutlich steigert.

Diese Architektur soll herstellerunabhängig sein und neu entworfene Komponenten enthalten, die kritische Applikationen zuverlässiger und besser vorhersagbar machen. Zudem sollen Werkzeuge entwickelt werden, die die Produktivität der Entwickler steigern sowie die Abnahmekosten der Systeme und den Wartungsaufwand verringern.

MILS ist eine komponentenbasierte Architektur. Sie stützt sich darauf, dass einzeln entwickelte und geprüfte Komponenten dazu herangezogen werden können, um die Eigenschaften zusammengesetzter Systeme vorherzusagen und zu verifizieren. D-MILS soll es möglich machen, die Prüfung solcher Systeme, die im Automotive- und Aerospace-Bereich eingesetzt werden, weitestgehend zu automatisieren und damit die Zertifizierungskosten zu senken.

Das D-MILS-Konsortium besteht aus namhaften europäischen Forschungseinrichtungen sowie Systemlieferanten wie Lynuxworks, TTTech, Frequentis und fortiss. Die Koordinierung obliegt dem Verband The Open Group.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Distributed-MILS-Architektur es ermöglichen wird, neue Applikationen zu entwickeln, die mit der wachsenden Komplexität und der verteilten Charakteristik kritischer Systeme in der Avionik, im Automotive-Segment, der Telekommunikation und verwandter Bereiche Paroli bieten“, erläutert David Lounsbury, Chief Technical Officer der Open Group.

Die Aufgaben, die sich das Projekt gestellt hat, erstrecken sich über mehrere Ebenen. Einmal geht es um High-Level-Spezifikationen in deklarativen Sprachen, dann um weitreichende Unterstützung für den Entwurf und die Implementierung sowie nicht zuletzt um die Verifikation der Zuverlässigkeit und der Sicherheitsmerkmale.

David Lounsbury von der Open Group: „Die Ergebnisse des D-MILS-Projekts werden Systemarchitekten, Entwicklern, Systemintegratoren und Bedienern helfen – und nicht zuletzt den Organisationen und Kunden, die sich auf kritische Systeme verlassen. Schon deshalb, weil es eine größere Gewissheit gibt, dass viele Fehlerquellen eliminiert werden, die zusätzliche Kosten und auch gefährliche Fehler in kritischen Systemen verursachen. Erstmals werden wir eine Architektur für Industrieapplikationen haben, die mehrere Computersysteme lückenlos und mit einer skalierbaren deterministischen Operationsweise überbrücken kann.“

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Die Ueberschrift EU investiert 3,8 Millionen Euro in Forschung für MILS-Architektur ist ein...  lesen
posted am 02.10.2013 um 20:45 von Unregistriert


Mitdiskutieren

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42333866 / Embedded Betriebssysteme)

Embedded Software Engineering Report abonnieren

4 mal jährlich: Die kostenlose Pflichtlektüre für Embedded­-Software- und Systems-Entwickler, von Analyse bis Wartung und Betrieb

* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung und AGB einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.