Betriebssysteme und Tools

„Der Embedded-Compiler von Green Hills machte technische Durchbrüche möglich“

09.08.12 | Redakteur: Franz Graser

Green Hills-CEO Dan O'Dowd: „Dank des ersten 32-Bit-Embedded-Compiler konnten Elektronikentwickler produktiver arbeiten, da sie höhere Programmiersprachen verwenden konnten.“
Green Hills-CEO Dan O'Dowd: „Dank des ersten 32-Bit-Embedded-Compiler konnten Elektronikentwickler produktiver arbeiten, da sie höhere Programmiersprachen verwenden konnten.“ (Bild: Green Hills Software)

Green Hills Software, der US-Spezialist für Embedded-Softwareentwicklung, blickt auf 30 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Dan O'Dowd, CEO des Embedded-Spezialisten, lässt die wichtigsten Etappen Revue passieren.

Heute ist Green Hills primär für das Echtzeitbetriebssystem (RTOS) Integrity und seine integrierte Entwicklungsumgebung (IDE) namens Multi bekannt. Vor 30 Jahren, als das Unternehmen gegründet wurde, stand vor allem die Compiler-Technik für den Embedded-Markt im Mittelpunkt.

Green Hills entwickelte 1983 den ersten 32-Bit-Embedded-Compiler. Wie bedeutend war zu dieser Zeit die Entwicklung dieses Compilers für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens?

Zunächst half der Compiler dabei, Green Hills profitabel zu machen. Die damit verbundene finanzielle Stärke und Selbstständigkeit hat sich dann von Jahr zu Jahr weiter verbessert, wodurch wir mehr in neue Technologien investieren konnten – und können – als unsere Wettbewerber.

Der Compiler ermöglichte mehrere technische Durchbrüche in der Entwicklung von Embedded-Systemen: Elektronikentwickler konnten damit produktiver arbeiten da sie höhere Programmiersprachen verwenden konnten. Cross-Compilation ermöglichte den Einsatz relativ leistungsfähiger Workstations für die Entwicklungsarbeit. Die Bereitstellung des ersten optimierenden Embedded-System-Compilers machte Programmiersprachen im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit praxisfähig.

Umfangreiches Wissen im Bereich Compiler-Technik ist auch weiterhin ein grundlegender Bestandteil unseres Lösungsangebots. In vielen Anwendungen bleibt die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Codes entscheidend, den der Compiler generiert. Green Hills ist daher stolz darauf, in diesem Bereich noch immer führend zu sein.

Was waren die wichtigsten Markt- und Technologietreiber bei der Entwicklung der grafischen Entwicklungsumgebung „Multi“ und des Echtzeitbetriebssystems Integrity in den 1990-er Jahren?

Der grafische Debugger für Embedded-Systeme wurde aus eigener Not heraus entwickelt. Kommandozeilen-Debugging war zwar damals die führende Technik, aber die Entwicklung eines ausgeklügelten Programms, wie z. B. eines Compilers, war mit diesem Ansatz sehr schwierig. Als Softwareentwickler stellten wir uns vor – was wir später auch erreichten –, dass anstatt einer einzeln einsehbaren und bearbeitbaren Codezeile hohe Produktivitätssteigerungen nur durch umfassende Codeeinsicht auf dem gesamten Bildschirm und moderne Steuerelemente wie Klicken und Scrollen erreicht werden können, etwa um Breakpoints zu setzen, Informationen einzusehen oder Code und Datenbeziehungen zu analysieren. Anfang der 90-er Jahre ermöglichten wir zudem das Mehrsprachen-, Multicore- und Multi-Thread-Debugging. Das waren die Gründe, warum wir die Entwicklungsumgebung später „Multi“ genannt haben.

Neben dem ersten 32-Bit-Embedded-Compiler war das Echtzeitbetriebssystem Integrity ein Meilenstein der Unternehmensgeschichte.
Neben dem ersten 32-Bit-Embedded-Compiler war das Echtzeitbetriebssystem Integrity ein Meilenstein der Unternehmensgeschichte. (Bild: Green Hills Software)

In den späten 90-er Jahren entwickelten wir Integrity, um Entwickler bei der Handhabung der wachsenden Komplexität im Bereich der Embedded-Systeme zu unterstützen. Zu dieser Zeit war der Embedded-Markt von Echtzeitbetriebssystemen mit linearem Speichermodell dominiert: VxWorks, pSOS, VRTX. Wir wussten, dass moderne Mikroprozessoren mit ihrem neuen Speichermanagement die beste Art von Betriebssystem und die beste Systemarchitektur für unsere Kunden unterstützen würden: modulare Systeme auf Basis eines hochzuverlässigen Microkernels mit stark isolierten Komponenten und dazugehörigen, genau definierten Schnittstellen. Erstaunlich ist, dass viele Embedded-Projekte immer noch monolithische Architekturen verwenden – mit Millionen von Codezeilen, die in einem einzigen Adressraum ablaufen. Ein einzelner Fehler kann hier das gesamte System lahmlegen! Doch die Elektronikwelt entwickelt sich langsam, aber stetig weiter. Ein typisches Beispiel: das Nachrüsten des Integrity-Microkernels unter Linux, Android und Windows. Dabei kommen Virtualisierungstechniken zum Einsatz, mit denen sich die Sicherheit und Zuverlässigkeit in zahlreichen elektronischen Systemen verbessern lässt.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 34993470 / Embedded Betriebssysteme)

Embedded Software Engineering Report abonnieren

4 mal jährlich: Die kostenlose Pflichtlektüre für Embedded­-Software- und Systems-Entwickler, von Analyse bis Wartung und Betrieb

* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung und AGB einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.