Interaktion

Elektronische Tattoos steuern mobile Endgeräte

18.05.17 | Redakteur: Sariana Kunze

Über ultradünne, elektronische Tattoos an markanten Körperstellen können Nutzer mobile Endgeräte steuern.
Über ultradünne, elektronische Tattoos an markanten Körperstellen können Nutzer mobile Endgeräte steuern. (Bild: Universität des Saarlandes)

Ähnlich wie Klebe-Tattoos für Kinder tragen Forscher der Saar-Universität und von Google ultradünne elektronische Tattoos an den markanten Körperstellen auf. Die Nutzer können diese berühren, quetschen und ziehen, um intuitiv mobile Endgeräte zu steuern.

Bereits 2015 konnten Saarbrücker Informatiker nachweisen, dass sich der menschliche Körper als berührungsempfindliche Eingabefläche für mobile Geräte einsetzen lässt. Zusammen mit Forscher der US-amerikanischen Carnegie-Mellon-University hatten sie aus flexiblen Silikon und leitfähigen Elektrosensoren „iSkin“, berührungsempfindliche Sticker, für die Haut entwickelt.

Auf den Unterarm geklebt und mit dem Smartphone verbunden, konnte man so durch das Drücken des Stickers einen Anruf entgegennehmen oder die Lautstärke des gerade laufenden Liedes regeln. Dieses Verfahren eignete sich jedoch nur für bestimmte Körperstellen, da es eine relativ ebene Fläche voraussetzte. Zudem waren die Sticker vergleichsweise groß.

Elektronik präzise auf der Haut platzieren

„Wir wollen an Körperstellen gehen, wo zuvor keine Interaktion möglich war. Aber Elektronik präzise auf der Haut zu platzieren und dann noch so, dass sie sich an Knochenstrukturen wie die Fingerknöchel oder Mikrostrukturen wie Falten anpasst, ist sehr kompliziert“, erklärt Martin Weigel, Doktorand bei Jürgen Steimle, Professor für Mensch-Computer-Interaktion an der Universität des Saarlandes.

Den Forschern war jedoch auch klar: Für die Nutzer würde es sich lohnen. „Wenn du den ersten Fingerknöchel deiner linken Hand drücken musst, weißt du ganz intuitiv, wo sich dieser befindet. Das gleiche gilt für die Innenseite deines Zeigefingers“, führt Weigel weiter aus.

Gemeinsam mit Alex Olwal von Google tüftelten Weigel, sein Kollege Aditya Shekhar Nittala und Prof. Jürgen Steimle an der richtigen Kombination von leitfähiger Tinte und Druckverfahren, um die Leiterbahnen und Elektroden so kompakt und so dünn wie möglich auf das temporäre Tattoo-Papier zu drucken.

Nach etlichen Tests gelang schließlich der Durchbruch: Ein leitfähiger Kunststoff namens PEDOT:PSS war die Lösung. Mit ihm konnten die Forscher das Tattoo noch dünner als ein Haar drucken und damit sicherstellen, dass es sich sowohl über die Fingerknöchel legt, Falten erfasst, gleichzeitig aber auch so flexibel ist, dass es auch Stauchung und Streckung aushält.

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