Atmosphärenforschung

Ausnahmeflugzeug HALO fliegt für den Klimaschutz

15.03.17 | Redakteur: Franz Graser

Das deutsche Forschungsflugzeug HALO (High Altitude, LOng range) bereitet sich auf seine aktuelle Mission CoMet vor. Die Maschine soll ab Mitte April die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioixid und Methan in den hohen Atmosphärenschichten messen.
Das deutsche Forschungsflugzeug HALO (High Altitude, LOng range) bereitet sich auf seine aktuelle Mission CoMet vor. Die Maschine soll ab Mitte April die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioixid und Methan in den hohen Atmosphärenschichten messen. (Bild: DLR)

Seit fünf Jahren ist das Forschungsflugzeug HALO des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) weltweit unterwegs, um Atmosphärendaten zu sammeln. Die Maschine, die in bis zu 15 Kilometer Höhe aufsteigen kann, bricht in wenigen Wochen zu einer Mission auf, bei der es um die Konzentration der Gase CO2 und Methan geht.

Für die Umwelt- und Klimaforschung hinauf in die Stratosphäre vordringen, Nord- und Südpol befliegen und rund um die Welt bis in entlegene Winkel Atmosphärendaten sammeln: Das ist seit fünf Jahren das Einsatzspektrum des deutschen Forschungsflugzeugs HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft).

Anfang der Woche haben die Vorbereitungen für die aktuelle Mission CoMet von HALO begonnen. Bei diesem Forschungsprojekt geht es darum, die Konzentration der Gase Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) in der oberen Atmosphäre zu messen. Die Auswirkungen von Methan auf die Erderwärmung sind nach Angaben der DLR auf 100 Jahre gerechnet pro Molekül 28 mal größer als bei Kohlendioxid.

Das Flugzeug HALO soll bei seinen zwischen Mitte April und Mitte Mai angesetzten Testflügen ermitteln, wie sich diese sogenannten Treibhausgase in der Atmosphäre verteilen und wie sich deren Konzentration mit der Zeit verändert. Darüber hinaus soll die von einem Business-Jet des Typs Gulfstream G550 abgeleitete Maschine an bekannten Emissionsquellen für Treibhausgase wie Kohlenbergwerken, Wärmekraftwerken und Vulkanen vorbeifliegen und den Austritt der Gase in die Atmosphäre messen.

Anlässlich eines Symposiums zu den bisherigen und bis 2022 geplanten HALO-Missionen, sagte Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka in Berlin: „Mehr denn je brauchen wir grundlegende Forschungsarbeiten und eine detaillierte Auswertung von Klimadaten, damit wir uns beim Klimaschutz auf gesicherte Fakten stützen können. Wir werden daher weiter auf hohem Niveau in die Klimaforschung investieren.“

Wanka sagte weiter: „Klimaschutz ist ein Motor für Innovationen und eine Modernisierungsstrategie für unser Land, beides stärkt Deutschland im Wettbewerb mit anderen Staaten. Mit einer ambitionierten Klimapolitik stoßen wir einen technologischen und gesellschaftlichen Innovationsschub in allen Lebens- und Produktionsbereichen an."

Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR, betont: "Seit August 2012 ist das deutsche Forschungsflugzeug HALO für die Umwelt- und Klimaforschung im Einsatz. Auf bisher 18 wissenschaftlichen Missionen rund um den Globus konnten die Forscher die Atmosphärenchemie untersuchen, Wolken und Niederschlagsbildung vermessen sowie die Dynamik und Transportprozesse unserer Atmosphäre studieren."

Klimagase, Wolkenbildung, Wetterprognosen

Beispielhaft im Bereich Atmosphärenchemie ist die Mission POLSTRACC (The Polar Stratosphere in a Changing Climate), wo in der Arktis während des Winters 2016 untersucht wurde, wie empfindlich sich die Spurengase Ozon und Wasserdampf auf das bodennahe Klima auswirken. Im Bereich Wolkenforschung war HALO im Herbst 2014 auf außergewöhnlichen Flügen über dem Brasilianischen Regenwald unterwegs.

Bei der Mission ACRIDICON (Aerosol, Cloud, Precipitation, and Radiation Interactions and Dynamics of Convective Cloud Systems) untersuchten die Forscher, wie sich der Ruß zahlreicher Brandrodungen in den Tropen auf die Wolkenbildung und Niederschlagsintensität auswirkt. Die Mission ML-CIRRUS (Mid-Latitude Cirrus) rückte davor im Frühjahr 2014 den Blick auf die hohen Eiswolken (Zirren) in acht bis 14 Kilometern Höhe sowie deren Auswirkung auf das Klima.

NAWDEX (North Atlantic Waveguide and Downstream impact Experiment). Bei dieser Mission flog HALO im Herbst 2016 im Rahmen einer internationalen Messkampagne gemeinsam mit Partnern aus den USA, Großbritannien und der Schweiz, um die Atmosphärendynamik und Transportprozesse über dem Nordatlantik zu vermessen. Mithilfe der umfangreichen Daten sollen zukünftig Wetterprognosen verfeinert sowie Extremwetterereignisse besser verstanden und vorhergesagt werden.

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