DLR

Neues System RCAS warnt Züge vor Kollision

11.05.2010 | Redakteur: Martina Hafner

Prof. Dr. Thomas Strang, RCAS-Projektleiter beim DLR: „Stellt das System einen drohenden Zusammenstoß fest, warnt es den Triebfahrzeugführer und unterstützt ihn mit Lösungsmöglichkeiten“,

Mit einem neuartigen Sicherheitssystem des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) namens RCAS können sich Züge auf Kollisionskurs gegenseitig warnen.

„RCAS (Railway Collision Avoidance System) ist ein System zur Vermeidung von Zugkollisionen, das unabhängig von Sicherungstechnik entlang der Strecke funktioniert“, fasst Projektleiter Prof. Dr. Thomas Strang vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation das Ziel des DLR-Projekts zusammen.

Das System nutzt moderne Kommunikations- und Sensortechnologien, die eine direkte Zug-zu-Zug-Kommunikation ermöglichen. Die Züge tauschen Informationen zu Position, Geschwindigkeit, geplanter Streckenführung und Lademaß aus, sobald sie in Funk-Reichweite sind. „Stellt das System einen drohenden Zusammenstoß fest, warnt es den Triebfahrzeugführer und unterstützt ihn mit Lösungsmöglichkeiten“, erklärt Strang weiter. RCAS ist aber nicht an eine technische Reaktion des Zugs wie etwa ein Bremsmanöver gekoppelt.

Bei RCAS spielen verschiedene Technologien zusammen. Hochgenaue Satellitenortung ermöglicht in Kombination mit weiteren Sensoren wie beispielsweise optischen Systemen eine exakte Positionsbestimmung des Zuges mit einer Auflösung von weniger als zwei Metern.

RCAS soll Sicherheitslücke im System schließen

Das Zugkollisions-Vermeidungssystem (RCAS) soll vorhandene Sicherheitstechnik nicht ersetzen, sondern ergänzen. Die bisherige Infrastruktur baue auf eine Sicherung an der Strecke. Mit ihrer Entwicklung bringen die DLR-Forscher die Sicherheitstechnik zum ersten Mal ausschließlich in die Züge, «motiviert durch die positiven Erfahrungen aus der Luftfahrt», sagte Strang. Bisher installierte Sicherheitstechnik werde dennoch nicht überflüssig. «Wo sie vorhanden ist, ist sie gut», sagte Strang. Aber Zugunglücke mit einer Verkettung «unglücklicher Umstände» zeigten, «es gibt noch eine Lücke im System», sagte der Wissenschaftler.

„RCAS ist ein typisches Ergänzungssystem“

„RCAS ist zunächst für Strecken und Situationen vorgesehen, in denen heute gar keine Sicherung eingesetzt wird, beispielsweise Strecken mit sehr geringem Verkehrsaufkommen, reine Industriebahnen, Baustellen oder Rangierbereiche“, skizziert Projektmitarbeiter und DLR-Schienenverkehrsforscher Dr. Michael Meyer zu Hörste die Einsatzmöglichkeiten. Er betonte, dass RCAS dabei keineswegs das einheitliche europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem (European Train Control System, ETCS) ersetzen solle: „RCAS ist ein typisches Ergänzungssystem: Zugleit- und Sicherungssysteme verhindern Zusammenstöße bereits erfolgreich. RCAS kann als sogenanntes ‚Safety-Overlay‘ die Sicherheit dort erhöhen, wo die herkömmliche Sicherungstechnik nicht zum Einsatz kommt.“

RCAS-Prototyp basiert auf handelsüblicher Hard- und Software

Der derzeitige Prototyp basiere auf handelsüblicher Hardware und Software, die in dieser Form keine Zulassung im sicherheitskritischen Betrieb haben oder erhalten werden. Da RCAS nicht auf funktionale Elemente in der Verkehrsinfrastruktur zurückgreift, kann das System laut DLR sehr kostengünstig als reine „On-Board-Unit“ für Züge ausgelegt und gebaut werden. Der genaue Zeitpunkt einer Markteinführung und der Preis würden aber von den funktionalen und zeitlichen Anforderungen der zuerst anwendenden Betreiber abhängen. Als Funktionsmuster für eine Erprobung unter betrieblichen oder realitätsnahen Randbedingungen sei RCAS bereits heute verfügbar.

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