Wissenschaft in Iran

Kopftuch und Nanotechnik

17.03.17 | Autor / Redakteur: Patrick Illinger, SZ.de* / Sebastian Gerstl

Eine iranische Studentin setzt einen Roboter während des International Iran Open Robocup 2016 in Bewegung.
Eine iranische Studentin setzt einen Roboter während des International Iran Open Robocup 2016 in Bewegung. (Bild: dpa - Bildfunk)

Aufbruchstimmung in Iran: Unter dem Druck der Sanktionen hat sich das Land in einen Hort des Erfindergeistes verwandelt. Doch der Zwiespalt zwischen Religion und Hightech ist permanent spürbar.

"Das ist das MIT Irans", raunt eine Studentin ehrfürchtig, als sich eine Labortür im Obergeschoss der Teheraner Sharif-Universität öffnet. Der stolze Vergleich mit dem berühmten Massachusetts Institute of Technology wirkt beim Betreten des Raums zunächst bizarr. Das Labor sieht aus wie eine Bastelstube. Auf einem Tisch steht eine längliche Kiste, in die ein Assistent mit einem Gartenschlauch Wasser füllt. In dem Geblubber leuchtet ein grüner Laserstrahl.

Doch es ist wie so vieles in Iran: Der äußere Schein trügt. Mit unbestreitbarer Kompetenz erklären die anwesenden Physiker, wie die Dispersion des Laserlichts unter Wasser von Sauerstoff- und Salzgehalt abhängt. Und ein Schaubild an der Wand zeigt, dass der Laser im Wasserbecken keine Spielerei ist: Es ist der erste Schritt zu einem vernetzten Kommunikationssystem für U-Boote. Ein Unterwasser-Internet.

In anderen Laboren der Universität arbeiten Nanotechniker, Quantenphysiker, Biotechnologen und Robotiker. Sharif, das ist Irans führende Adresse für Natur- und Ingenieurwissenschaftler. Von den etwa 700.000 Schülern, die jedes Jahr einen landesweiten "Concours" absolvieren, eine mehrstündige Eignungsprüfung, werden die hundert begabtesten an die Elite-Uni zugelassen.

Mit besonderem Stolz blickt die Universität im Herzen Teherans auf ihre ehemalige Studentin Maryam Mirzakhani. Die heute als Professorin im amerikanischen Stanford forschende Mathematikerin hat 2014 die höchste Auszeichnung ihres Fachs erhalten, die mit einer Million Dollar dotierte Fields-Medaille.

Leidenschaft für Technik und Naturwissenschaft ist auch an den anderen Hochschulen der Hauptstadt spürbar, der Iran University und der Universität von Teheran. Weder die Rumpelkammerhaftigkeit der Labore noch der Smog über der Millionenstadt und der Dauerinfarkt in den völlig überfüllten Straßen sollten über die Aufbruchstimmung des Landes hinwegtäuschen. Das Ziel der iranischen Regierung ist, das Land vom Öl-Exporteur in eine "Wissens-Gesellschaft" zu überführen.

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