NASA-Mission New Horizons

Die wandernden Hügel und dunstige Atmosphäre des Pluto

28.03.16 | Autor / Redakteur: Till Mundzeck, dpa / Sebastian Gerstl

Die Atmosphäre des Pluto, aufgezeichnet von der Raumsonde New Horizons: In fünf Beiträgen im Fachmagazine Science haben NASA-Forscher eine Reihe überraschender Erkenntnisse über den Zwergplaneten zusammengefasst.
Die Atmosphäre des Pluto, aufgezeichnet von der Raumsonde New Horizons: In fünf Beiträgen im Fachmagazine Science haben NASA-Forscher eine Reihe überraschender Erkenntnisse über den Zwergplaneten zusammengefasst. (Bild: G.R. Gladstone et al. / Science)

Minus 230° C, kilometerhohe Wassereisberge, Stickstoffeis: Die Landschaften des Pluto wirken bizarr und wenig einladend. Der Zwergplanet kleckert seinen Mond Charon mit rötlichen Substanzen voll, vermuten Forscher auch. In einer Reihe von Fachbeiträgen haben NASA-Wissenschaft nun ihren derzeitigen Erkenntnisstand bekanntgegeben.

Der Zwergplanet Pluto in den Außenbezirken unseres Sonnensystems ist alles andere als eine eintönige Eiswüste. Das hat die Raumsonde „New Horizons“ der US-Raumfahrtbehörde Nasa eindrucksvoll gezeigt, die im vergangenen Sommer als erster irdischer Besucher den Pluto aus der Nähe untersucht hat. In der aktuellen Ausgabe des Fachblatts „Science“ fassen die „New Horizons“-Forscher bisherige Erkenntnisse in einer Serie von fünf Fachaufsätzen zusammen.

Die Pluto-Oberfläche ist demnach ein komplexes Durcheinander verschiedener Landschaftsformen. Es gibt weite, nahezu glatte Ebenen, fließende Gletscher, zerklüftetes Terrain, Schluchten, Berge, Mulden, Verwerfungen und vieles mehr. Rund 30 verschiedene Geländearten weist eine kürzlich von der Nasa veröffentlichte Karte aus. Manche Regionen sind mit einem Alter von maximal zehn Millionen Jahren geologisch gesehen ausgesprochen jung, andere bis zu vier Milliarden Jahre alt. Aktive geologische Prozesse formen offensichtlich Teile der Oberfläche fortwährend wieder neu.

Auf dem Zwergplaneten ist es mit etwa minus 230 Grad Celsius extrem kalt. Verschiedene Eisarten bedecken den Planeten, darunter Stickstoff- (N2), Kohlenmonoxid- (CO), Methan- (CH4), Ammoniak- (NH3) und natürlich Wassereis (H2O), das sich zum Teil zu kilometerhohen Bergen türmt. Da Wassereis leichter ist als stickstoffhaltiges Eis, driften in manchen Gegenden des Pluto Wassereisberge durch das übrige Stickstoffeis. Die Astronomen haben auf den Bildern der Raumsonde ganze Ketten von dahintreibenden, bis zu 20 Kilometer breiten Hügeln ausgemacht, die durch die Tiefebene Sputnik Planum wandern.

Sputnik Planum ist eine Hälfte der großen, auffällig herzförmigen Region am Plutoäquator, die als Tombaugh Regio bezeichnet wird - zu Ehren des Pluto-Entdeckers Clyde Tombaugh (1906-1997) aus den USA. Die Tiefebene Sputnik Planum ist mit rund 870.000 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Schweden und Norwegen zusammen. Sie ist besonders glatt, hat nicht einen einzigen Einschlagkrater und gilt daher als sehr jung. Die Ebene besteht wahrscheinlich aus Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis, wie Jeffrey Moore vom Ames-Forschungszentrum der Nasa und Kollegen in „Science“ schreiben.

Im zentralen und nördlichen Teil der Ebene zeigen sich zellartige Strukturen. Der Mittelpunkt dieser Zellen erhebt sich bis zu 50 Meter über die Ränder. Vermutlich handele es sich um eine Art Konvektionszellen, in denen Eis aus der Tiefe emporsteige, schreiben die Wissenschaftler. Auf diese Weise kann die Oberfläche der Tiefebene in geologisch kurzen Zeiträumen immer wieder neu geformt werden, so dass auch Einschlagkrater nicht lange erhalten bleiben.

Anders als Pluto ist sein größter Mond Charon offensichtlich derzeit nicht geologisch aktiv. Er muss jedoch vor rund vier Milliarden Jahren großräumige tektonische Prozesse und eine Erneuerung seiner Oberfläche erlebt haben, berichten die Forscher. Charons Oberfläche ist größtenteils mit Wassereis bedeckt und zeigt am Nordpol eine auffällige rötliche Färbung. Die Oberfläche sei unter den Eismonden im äußeren Sonnensystem einzigartig, schreiben Will Grundy vom Lowell-Observatorium und Kollegen in einem weiteren Fachartikel. Vermutlich stammt Charons Rouge am Nordpol von speziellen Kohlenwasserstoff-Verbindungen namens Tholinen, die auch Pluto sein rötliches Aussehen geben.

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