Social Bots

Von guten und bösen Bots: Maschinen, die helfen und manipulieren

15.07.17 | Autor / Redakteur: Thomas Bremser und Andrej Sokolow, dpa / Sebastian Gerstl

Der Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Spectrm, Max Koziolek, arbeitet an einem Chatbot. Bots, die menschliches Verhalten nachahmen, werden zu einem immer größeren Thema. Sie können eine willkommene Hilfestellung und Assistenz sein - aber auch gezielt manipulieren oder täuschen.
Der Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Spectrm, Max Koziolek, arbeitet an einem Chatbot. Bots, die menschliches Verhalten nachahmen, werden zu einem immer größeren Thema. Sie können eine willkommene Hilfestellung und Assistenz sein - aber auch gezielt manipulieren oder täuschen. (Bild: Gregor Fischer/dpa)

Sie informieren über Wetter und News, lösen den Anruf im Call-Center ab - werden aber auch darauf angesetzt, Wahlen zu manipulieren. Bots, die online mit Menschen kommunizieren, breiten sich aus. Ein Einblick in die Welt ihrer Entwickler - und Jäger.

Alles beginnt mit einem „Hallo!“. Max Koziolek tippt die Begrüßung in eine Maske in seiner Software - und lässt gleich weitere folgen. „Guten Tag!“, „Hi!“, „Grüß Gott!“. Die Maschine wird dann eines der Worte auswählen. Koziolek programmiert einen Chatbot - eine Software, die sich im Netz mit Menschen unterhält. Er ist Chef des Berliner Start-ups Spectrm.

Es hilft Medienunternehmen, ihre Inhalte in einfachen Dialogen rüberzubringen. Wie etwa: „Möchtest du mehr darüber erfahren?“ Je nachdem, ob der Nutzer „Ja“ oder „Nein“ eintippt, wird der nächste Informationsschnipsel eingeblendet. Oder die Software wechselt zum nächsten Thema.

Bots sind ein aktuelles Netz-Phänomen mit entsprechendem Hype. Schon jetzt kommen wir immer wieder mit ihnen in Kontakt, zum Beispiel wenn man Assistenten wie „Siri“ oder „Alexa“ nach dem Wetter fragt. Und in Zukunft wird man noch häufiger auf Bots treffen. Etwa wenn Dialog-Software in großem Stil im Kundendienst von Unternehmen die Call-Center ersetzt. Die Kehrseite des Trends ist die Angst vor Bot-Armeen, die Wahlen beeinflussen, indem sie die öffentliche Meinung manipulieren.

Hinter den heutigen Bot-Konversationen steckt noch mehr Mensch als Maschine. Die Äußerungen der Software bewegen sich in einem engen Rahmen, der vom Programmierer vorgegeben wurde.

„Die Antworten, die ein Chatbot gibt, müssen auf irgendeine Weise von Menschen erstellt werden“, sagt Koziolek. Chatbots, die selbst Inhalte formulieren und eine Unterhaltung führen können, seien zwar definitiv das Ziel. „Das wird früher oder später kommen.“ Doch im Moment komme man nicht daran vorbei, auch selbstlernende Bots von Menschen beaufsichtigen zu lassen.

Microsofts Debakel mit dem Spaß-Chatbot „Tay“, dem böswillige Internet-Nutzer binnen Stunden rassistische Ansichten beibrachten, sei ein mahnendes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.

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