Herr Ji und das weiße Gold

China und Deutschland im Wettrennen um Lithium-Abbau in Bolivien

17.07.17 | Autor / Redakteur: Georg Ismar, dpa / Sebastian Gerstl

Blick auf den größten Salzsee der Welt, den Salar de Uyuni, im bolivianischen Hochland. Unter der Salzkruste lagern die größten Lithiumreserven der Welt. Den Rohstoff braucht man für die Batterien von Elektroautos. Bolivien möchte zum Hauptversorger des Welt-Lithium-Bedarfs aufsteigen. Internationale Unternehmen streiten darum, wer die Rohstoffe ausbeuten darf.
Blick auf den größten Salzsee der Welt, den Salar de Uyuni, im bolivianischen Hochland. Unter der Salzkruste lagern die größten Lithiumreserven der Welt. Den Rohstoff braucht man für die Batterien von Elektroautos. Bolivien möchte zum Hauptversorger des Welt-Lithium-Bedarfs aufsteigen. Internationale Unternehmen streiten darum, wer die Rohstoffe ausbeuten darf. (Bild: Georg Ismar/dpa)

Lithium ist der Rohstoff der Zukunft, der Weltmarktpreis ist explodiert. Man braucht das „neue Gold“ für Batterien von E-Autos. Die größten Reserven lagern in einer Touristenattraktion in Bolivien. Deutsche Unternehmen buhlen um Aufträge. Die Chinesen sind schon da.

Plötzlich ist man in China. Mitten im größten Salzsee der Welt, auf 3600 Metern Höhe im bolivianischen Hochland, steht ein weißes Containerdorf. Drinnen dreht sich das Rondell mit Glasnudeln, scharfem Rindfleisch, Hühnchen süß-sauer und Spitzkohl - die Arbeiter sollen sich wie daheim fühlen.

Die Wohncontainer sind aus Fernost angekarrt worden; auch vier Köche hat man mitgebracht. Im Essensraum gibt es eine Karaokeanlage, und es gibt einen Tischtennis-Raum. Hinweiszettel mit chinesischen Schriftzeichen überall.

Ji Xinsheng empfängt, ein freundlicher Mensch mit besten Manieren. „In China haben wir nur einen Salzsee, aber dort gibt es eine riesige Nachfrage nach Lithium und Kaliumchlorid“, erläutert er. Herr Ji lebt seit 2016 in der Salzwüste und leitet für den CAMC-Konzern den Bau einer Großanlage zur Produktion von Kaliumchlorid als Düngemittel in der Landwirtschaft. Rund 350 000 Tonnen pro Jahr sollen hier von 2018 an produziert werden. Das ist erst der Anfang, die Anlage ist Türöffner für den weitaus wichtigeren Rohstoff. Aber darum buhlen auch viele andere.

Unter ihrem Arbeitsplatz liegt neben dem Kalium ein Schatz, auf den Konzerne weltweit ein Auge geworfen haben. Der Salar de Uyuni ist mit mehr als 10 000 Quadratkilometern der größte Salzsee der Welt - und in ihm schlummern auch die größten Lithiumreserven der Welt. Ohne Lithium keine globale Elektro-Auto-Offensive, man braucht den Rohstoff für die Batterien.

Boliviens Staatschef Evo Morales betont: „Lithium ist das neue Erdgas.“ Rhetorisch Sozialist, politisch Pragmatist, sucht er internationale Partner zur Förderung, wie schon beim Erdgas, das geholfen hat, aus dem einstigen Armenhaus Südamerikas das Land mit dem höchsten Wirtschaftswachstum der Region zu machen.

Der Preis je Tonne Lithiumkarbonat ist von 2500 US-Dollar (2005) auf zeitweise 13 000 Dollar gestiegen - seit 2016 hat sich der Preis fast verdoppelt. Lithium ist derzeit die heiße Wette, weil sich der Durchbruch des E-Autos immer mehr abzeichnet. Einige Experten preisen Lithiumfonds als gewinnbringenden Anlagetipp.

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Hallo, es gibt Hinweise das eine Speichertechnologie auf Natriumbasis möglich wäre. Das Ganze...  lesen
posted am 17.07.2017 um 23:41 von Unregistriert

Auch, wenn weniger Menschenrechtsverletzungen beim Litiumbergbau geschehen sollen, so werden...  lesen
posted am 17.07.2017 um 20:07 von Unregistriert


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