Dodd-Frank-Gesetzespaket

Blüht der Handel mit Konfliktmineralien erneut auf?

20.04.17 | Autor / Redakteur: Jürgen Bätz, dpa / Benjamin Kirchbeck

Mushamua Mweze klopft in der Mine Zola Zola auf der Suche Kassiterit oder Coltan. Im Kongo liegen große Vorkommen von Rohstoffen, die weltweit für Elektronikbauteile benötigt werden. Dieser Reichtum lockt Milizen an, die die Bevölkerung terrorisieren und das Land ausbeuten.
Mushamua Mweze klopft in der Mine Zola Zola auf der Suche Kassiterit oder Coltan. Im Kongo liegen große Vorkommen von Rohstoffen, die weltweit für Elektronikbauteile benötigt werden. Dieser Reichtum lockt Milizen an, die die Bevölkerung terrorisieren und das Land ausbeuten. (Bild: Jürgen Bätz/dpa)

Während die EU vor wenigen Wochen einen Verordnungsentwurf beschlossen hat, der den Import von Konfliktmineralien eindämmen soll, steuert die USA dem komplett entgegen. Das seit 2010 geltende und bei der Wirtschaft äußerst unbeliebte Dodd-Frank-Gesetzespaket soll wieder gekippt werden. Das könnte die Gewalt im Krisenland Kongo erneut eskalieren lassen.

Als Serge 15 Jahre alt war, hat er seinen Onkel und neun weitere Menschen hingerichtet. Der Junge ist ein früherer Kindersoldat aus dem Ost-Kongo. Wenn er die Geiseln seiner Miliz nicht mit der Kalaschnikow niedergemäht hätte, hätte sein Peiniger ihn zu Tode gefoltert.

Mit dieser Drohung nötigte der erwachsene Kämpfer das Kind zum Morden. Wie Tausenden anderen Kongolesen wurden Serge die Bodenschätze der Region zum Verhängnis: Gold, Diamanten, Kobalt, Coltan und andere Erze ziehen Milizen an. Die Banden beuten die Menschen aus. Mit ihren Einnahmen kaufen sie Waffen, um weitere Gebiete zu erobern.

Ein Smartphone ohne Konfliktmaterialien gibt es nicht

Jeden Tag vergewaltigen Bewaffnete im Ost-Kongo Dutzende Frauen. Dorfbewohner werden versklavt oder getötet, Kinder werden von Milizen zu Mittätern gemacht. Doch trotz dieser Menschenrechtsverletzungen wandern weiter viele Mineralien aus dem Land in Zentralafrika in Laptops und Smartphones.

Und damit auch zu uns nach Deutschland. Benutzt werden sie etwa für den Vibrationsalarm und in Akkus. Ein in Masse produziertes Handy, das generell ohne diese Bodenschätze aus vielen Ländern auskommt, gibt es nicht.

In einem Smartphone stecken jeweils wenige Gramm von Dutzenden Mineralien. Die Telefone sollen handlich klein sein und trotzdem möglichst viel leisten. Dafür brauchen die Hersteller Stoffe wie Kobalt und das weniger bekannte Coltan. Die Mineralien sind das Doping der Mobiltelefone.

Etwa die Hälfte der weltweiten Produktion der beiden Stoffe kommt aus Zentralafrika. Kobalt wird zumeist nach Asien exportiert, Coltan geht oft nach Deutschland, weil hier ein führender Verarbeitungsbetrieb sitzt. Aus dem Erz lässt sich das grau-glänzende, seltene Metall Tantal gewinnen. Mit diesem Stoff können extrem leistungsfähige Kondensatoren hergestellt werden.

Der Ex-Kindersoldat Serge war zwölf Jahre alt, als er nahe der Stadt Walikale in der Provinz Nord-Kivu von Kämpfern einer örtlichen Miliz, der Mai Mai Cheka, entführt wurde. „Das erste Mal habe ich zwei Tage nach meiner Ankunft im Lager getötet“, erinnert sich Serge.

Der Umgang mit Waffen wurde ihm sofort beigebracht. „Dann musste ich eine der Geiseln der Gruppe erschießen, um zu beweisen, dass ich gut gelernt hatte.“ Das hat Methode: Die Milizen zwingen Kinder rasch, andere zu töten, damit sie sich schämen und sich nicht zurück zu ihren Familien trauen.

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