Dreidimensionales Computermodell

1800 Jahre alte Römer-Säule digital neu erleben

16.02.17 | Redakteur: Hendrik Härter

Die Digitalisierung der Jupiter-Giganten-Säule erlaubt Archäologen und Laien neue Zugänge zu diesem Kulturerbe.
Die Digitalisierung der Jupiter-Giganten-Säule erlaubt Archäologen und Laien neue Zugänge zu diesem Kulturerbe. (Bild: KIT/IPF)

Mit Hilfe einer Spiegelreflexkamera haben Wissenschaftler ein römisches Denkmal untersucht und es digitalisiert. Damit sollen Archäologen und Laien einen neuen Zugang zur Geschichte erhalten (mit Video).

Archäologische Artefakte wie die Jupiter-Giganten-Säule der Römerstadt Ladenburg bergen auch nach 1800 Jahren noch immer Geheimnisse. Entdeckt wurde die Säule 1973, doch ist die Geschichte des Denkmals bis heute nicht näher bekannt. Jetzt wollen Forscher mit Hilfe der Digitalisierung die rund vier Meter hohe Jupiter-Giganten-Säule genauer untersuchen.

Im Projekt „HEiKA MUSIEKE“ sollen die auf der Säule und die dargestellten Figuren digital erfasst werden. Die Figuren stellen den Kampf zwischen den römischen Gott Jupiter und einem Giganten dar. Der Gigant symbolisiert das chthonische Chaos, der Sieg Jupiters steht für den Triumph der göttlichen Ordnung. Die Textur der Säule und die Reiterfigur scheinen einer keltischen Tradition zu folgen. „Durch das digitale Abbild lässt sich das Artefakt für Archäologen und Laien ganz neu erfahrbar machen“, erklärt es Dr. Thomas Vögtle vom Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung am KIT.

Spiegelreflexkamera erstellt 800 Bilder pro Tag

Um die dreidimensionale Struktur der Säule detailliert im Computer abzubilden, bedient sich das Team des KIT einer professionellen, aber handelsüblichen, digitalen Spiegelreflexkamera mit einer Auflösung von 36 Megapixel und konventioneller Beleuchtungstechnik. An einem Arbeitstag wurden rund 800 Bilder der Säule aus allen Perspektiven aufgenommen.

Am Computer werden charakteristische Merkmale der Säule erkannt, in den verschiedenen Bildern verknüpft und die Informationen der zweidimensionalen Bilder so verarbeitet, dass ein fotorealistisches, dreidimensionales Modell entsteht, an dem mit bloßen Augen schwer sichtbare Strukturen erkennbar werden.

Die Methoden der Photogrammetrie und Digitalisierung nutzt Vögtle normalerweise eher im technischen Umfeld. Etwa um aus Flugzeugaufnahmen die Dachausrichtung in Städten und damit die Eignung als Solaranlagenstandort zu bestimmen. Oder in der Industrieproduktion, um anhand von Kamerabildern zu prüfen, ob das Produkt innerhalb der Fehlertoleranzen gefertigt wurde, problemlos im nächsten Produktionsschritt verwendet werden kann oder justiert werden muss. Oder um den Baufortschritt einer U-Bahn-Haltestelle mit dem Plansoll zu vergleichen.

Video: Rätsel um die Jupiter-Giganten-Säule

Informationen zum Projekt „Multidimensionale Sicht- und Erfahrbarmachung von Kulturerbe: MUSIEKE“

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44529020 / Messen & Testen)

Digitale Ausgabe kostenlos lesen

ELEKTRONIKPRAXIS 4/2017

ELEKTRONIKPRAXIS 4/2017

Displays mit PCAP-Touch haben sich durchgesetzt

Weitere Themen:

Zuverlässige Speicher
Sequenzielles Ein und Ausschalten

zum ePaper

zum Heftarchiv

Embedded Software Engineering

Embedded Software Engineering

Warum Maschinen nicht verantwortlich handeln

Weitere Themen:

Warum sich Jailhouse für Echtzeit-Aufgaben eignet
Technische Dokumentation im Scrum-Team

zum ePaper

zum Heftarchiv