Funkprodukte international zulassen

Weltweite Märkte durch Funkzulassungen erschließen

07.12.12 | Autor / Redakteur: Uwe Dollitz * / Hendrik Härter

Testlabor: Phoenix Testlab sieht sich als Berater und Dienstleister, um die Anforderungen und entsprechende Zeitfenster in den jeweiligen Ländern zu beachten
Testlabor: Phoenix Testlab sieht sich als Berater und Dienstleister, um die Anforderungen und entsprechende Zeitfenster in den jeweiligen Ländern zu beachten

Was muss ich beachten, wenn Funkprodukte auf internationale Märkte gebracht werden sollen? Wir geben Ihnen Tipps, worauf es ankommt.

Mit der zunehmenden Globalisierung steigt auch die Notwendigkeit, den weltweiten Vertrieb von Funkprodukten zu ermöglichen. Eine Zertifizierung gemäß den jeweiligen nationalen gesetzlichen Anforderungen stellt einen weltweiten Vertrieb sicher. Die umfassenden und sich ständig ändernden nationalen gesetzlichen Anforderungen erschweren weltweite Zulassungen. Häufig sind technischen Anforderungen an Produkte ähnlich, es müssen jedoch landesspezifische Details und gewisse nicht-technische Anforderungen, wie Kennzeichnung und Benutzerhandbuch, beachtet werden, bevor weltweite Märkte erschlossen werden können.

Im ersten Schritt wird das Knowhow über die erforderliche Abwicklung einer Zertifizierung im jeweiligen Land benötigt. Diese Abwicklungen können übergreifend durch zwei Systeme beschrieben werden, von denen eine erfüllt werden muss: Die Hersteller-Konformitätserklärung oder die Zulassung. Wobei sich die unterschiedlichen Zertifizierungen stark nach den gesetzlichen Anforderungen in ihrer Durchführung unterscheiden, vom Einreichen einer Erklärung bis hin zur notwendigen Prüfungen im Land der Zulassung.

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Die Hersteller-Konformitätserklärung

Bei der Hersteller-Konformitätserklärung bestätigt der Inverkehrbringer, wie der Name es schon sagt, dass ein Produkt den minimalen gesetzlichen Anforderungen entspricht. Durch diese Erklärung kann ein Produkt sofort Inverkehr gebracht werden. Ein Beispiel ist die Europäische Union, in welcher der Hersteller oder sein Importeur das Produkt mit der CE-Kennzeichnung versieht und eine schriftliche EU-Konformitätserklärung erstellt. Diese Art der Zertifizierung wird beispielsweise nicht in den USA akzeptiert.

Die Zulassung ist eine Art einer Zertifizierung, bei der die jeweilig zuständige Behörde erst eine Genehmigung aussprechen muss, bevor das Produkt Inverkehr gebracht werden darf, wie in Kanada. Unter Zulassung versteht man in diesem Zusammenhang je nach landesspezifischen Anforderungen das Einreichen einer Erklärung, das Prüfen in einem anerkannten Labor im Land des Inverkehrbringers, oder In-Country-Prüfungen in dem jeweiligen Labor des Ziellandes. Als Beispiele für die Prüfung in anerkannten Laboren können die USA, Südafrika und Singapur genannt werden, In-Country-Prüfungen müssen beispielsweise in Brasilien und China durchgeführt werden. In Hongkong ist allein das Einreichen einer Erklärung für die Zulassung ausreichend. Natürlich werden durch diese unterschiedlichen Anforderungen an die Zertifizierung auch unterschiedlich lange Zeiträume benötigt, bevor eine Zertifizierung durch die jeweilige Behörde ausgesprochen wird.

Länderspezifische Anforderungen beachten

Komplexe Funkprodukte: Will ein Hersteller sein Produkt nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und China vertreiben, muss er für dieses eine Produkt drei verschiedene Zertifizierungsverfahren durchlaufen
Komplexe Funkprodukte: Will ein Hersteller sein Produkt nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und China vertreiben, muss er für dieses eine Produkt drei verschiedene Zertifizierungsverfahren durchlaufen

Es gibt zwei Arten: Wie wird eine Zertifizierung durchgeführt und gibt es technische und nicht technische Anorderungen, die ein Produkt einhalten muss, um eine Zertifizierung für den jeweiligen Markt zu erhalten? Genau diese Anforderungen müssen frühzeitig in ein Produkt einfließen, um den späteren Zertifizierungsprozess nicht unnötig zu verlängern. Da die technischen Anforderungen an ein Produkt sehr stark mit den Anforderungen der Länder zusammen hängen, in denen es in den Verkehr gebracht werden soll, müssen so früh wie möglich im Entwicklungsprozess die Zielmärkte in einer Länderliste definiert werden.

Auf Grund dieser Länderliste sollten die technischen Anforderungen in die Entwicklung des Produktes einfließen, um den späteren Zertifizierungsprozess zu erleichtern. Unter technischen Anforderungen werden der zu nutzende Frequenzbereich und die Leistung/Feldstärke verstanden. Ein typisches Beispiel für ein Produkt, an das unterschiedliche nationale technische Anforderungen gestellt wird, ist ein 2,4-GHz-WLAN-Produkt, welches neben Europa auch in den USA, Japan, Saudi-Arabien und Syrien in Verkehr gebracht werden soll.

Alleine für diese Länder gibt es unterschiedliche Anforderungen an die Leistung und den erlaubten Frequenzbereich, welche unbedingt vor der Entwicklung berücksichtigt werden sollten. Als Besonderheit ist der Frequenzbereich in Syrien für WLAN nicht freigegeben.

Zu den technischen Anforderungen gehört es auch, dass Prüfmuster bereitgestellt werden, die mit den notwendigen Testzuständen betrieben werden können. Eine Prüfung ist ohne sie nicht möglich. Im Gegensatz zu den technischen Anforderungen haben die nichttechnischen Anforderungen geringeren Einfluss auf die Entwicklung des Gerätes und können daher zu einem späteren Zeitpunkt berücksichtigt werden. Es ist relativ problemlos, das Label eines Prüfmusters anzupassen oder im Handbuch einen geforderten Text hinzuzufügen. Allerdings müssen diese nichttechnischen Anforderungen berücksichtigt werden, bevor das Produkt für die Markteinführung hergestellt wird, da eine Änderung an bereits hergestellten Produkten enorme Kosten und Zeitverzögerung mit sich bringen kann.

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