Diagnostik

Smartphone-Apps im Kampf gegen Schlafapnoe

05.05.15 | Redakteur: Sebastian Gerstl

Smartphone-gestützte Apps sollen künftig die Diagnose von Schlafapnoe vereinfachen. Forschier zielen darauf ab, insbesondere das Anfertigen von Polysomnografien weniger aufwändig und günstiger zu machen.
Smartphone-gestützte Apps sollen künftig die Diagnose von Schlafapnoe vereinfachen. Forschier zielen darauf ab, insbesondere das Anfertigen von Polysomnografien weniger aufwändig und günstiger zu machen. (Bild: Washington University)

Zwei verschiedene Ansätze der Universität Washington und der Oxford Universität sehen das Smartphone als geeignetes Hilfsmittel, um die Schlafbezogene Atmungsstörung individuell zu diagnostizieren und geeignete Behandlungsmuster zu erstellen.

Das Schlafapnoe-Syndrom ist eine Schlafstörung, die sehr individuell ausfallen kann und daher schwierig zu diagnostizieren ist. Es zeichnet sich durch Atmungsaussetzer oder Phasen an flacher beziehungsweise unregelmäßiger Atmung während des Schlafes aus. Dementsprechend vielseitig sind die Nebenerscheinungen oder Folgeerkrankungen einer Schlafapnoe: Sie können von Tagesmüdigkeit und häufigem Sekundenschlaf bis hin zu erhöhtem Diabetesrisiko, Leberversagen oder Hirnschädigungen durch gestörter Sauerstoffzufuhr reichen.

Eine der herkömmlichen Methodiken, um ein Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom festzustellen – also die Variante, bei der es zu einer Behinderung der oberen Atemwege kommt – sind das Anfertigen und die Auswertung einer Polysomnografie (PSG) und Oximetrie. Für ein PSG muss ein Patient für gewöhnlich eine oder mehrere Nächte in einem Schlaflabor verbringen, wo über eine Reihe von Sensoren Augenbewegung, Hirnwellen, Herzschlagrate, Körperbewegungen, Luftstrom über Nasen- und Mundraum und andere physiologische Merkmale während des Schlafes aufgezeichnet werden.

Um diesen Prozess zu vereinfachen haben Forscher der Universität Washington ein Samsung Galaxy S4 genutzt, das als eine Art Sonar zur Überwachung eines Patienten während des Schlafes dient. Es soll somit den Großteil einer Polysomnografie nachahmen. Die sogenannte ApneaApp sendet unhörbare Audiowellen, die von einem schlafenden Körper reflektiert werden. Mittels Signalauswertung soll die App somit Körperbewegungen und Atemunregelmäßigkeiten per App erfassen. Schlafen mehrere Personen in einem Bett, ist die App nach Angabe der Forscher in der Lage, für jeden Schläfer eine individuelle akustische signatur anzulegen und zu erkennen. Das Team, dem Doktranden in Computerwissenschaften und Forscher des Washington Medical School Sleep Centers angehörten, führte bislang Tests an 37 Patienten mit der App durch. Verglichen mit einem herkömmlichen PSG erreichte die App eine Trefferquote von 98% in der Auswertung.

Auch Forscher der Universität Oxford, unter Leitung von App-Entwickler Joachim Behar, versuchen sich daran, Smartphones als eine Plattform zur Feststellung von Schlafapnoe zu verwenden. Ihre Anwendung erfasst vom Patienten zunächst eine Reihe von Daten, die auch ein Arzt in einem ersten Schritt erfragen würde: Geschlecht, Alter, Schläfrigkeit am Tag und der Umfang des Halses – eine mögliche Ursache blockierter Luftzufuhr – spielen hierbei eine Rolle. In ihrer ersten Fassung nutzte die in Oxford entwickelte App das Mikrophon und den Beschleunigungssensor eines Smartphones, um Bewegung und Atmung zu erfassen. Des Weiteren wurden zusätzlich Sensoren angebracht, die den Pulsschlag prüften. Eine kürzlich überarbeiteten Fassung, genannt SmartCare Sleep App, ist nun in der Lage, über Bluetooth-Signal eine Reihe medizinischer Gerätschaften auszulesen, unter anderem ein WiFi-Pulsoximeter.

In Tests an 856 zufällig gewählten Patienten, die im Churchill Hospital in Oxford auf Schlafapnoe untersucht wurden, stellten die Forscher fest, dass der Algorithmus ihrer App zu 90% akkurate Ergebnisse lieferte. Wie im Beispiel der ApneaApp ist es Ziel des Forschungsteams, mit Hilfe des Smartphones die Aufgaben eine PSG nachzuahmen und somit die Diagnose Obstruktiver Schlafapnoe zu vereinfachen, mit weniger Aufwand und geringeren Kosten.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43359256 / Medizintechnik)