Kooperation

Taiwan will Partnerschaft mit Deutschland intensivieren

31.10.12 | Autor / Redakteur: Franz Graser / Franz Graser

Gute Beziehungen nach Deutschland: Vincent Chang, Vice President bei Eris Technology (links), zeigt EP-Redakteur Franz Graser die Dioden- und Gleichrichterproduktion am Firmensitz in Taipei. Das Unternehmen ging aus einer Kooperation mit dem ostdeutschen Halbleiterhersteller SECOS hervor.
Gute Beziehungen nach Deutschland: Vincent Chang, Vice President bei Eris Technology (links), zeigt EP-Redakteur Franz Graser die Dioden- und Gleichrichterproduktion am Firmensitz in Taipei. Das Unternehmen ging aus einer Kooperation mit dem ostdeutschen Halbleiterhersteller SECOS hervor. (Bild: ERIS Technology)

Für Taiwans Elektronikbranche gilt Deutschland als großes Vorbild. Viele Unternehmen lernen von deutschen Erfolgsgeheimnissen und wollen gerade mit deutschen Partnern besser ins Geschäft kommen.

Wenn sich über der taiwanischen Hauptstadt Taipei im Sommer kein Wölkchen am klaren blauen Himmel verliert, dann kann ein Taifun der Grund dafür sein. Manchmal, wenn ein solches Sturmtief von den Philippinen nach Norden zieht und Taiwan knapp links liegen lässt, dann wirkt der Taifun wie ein Magnet für Wolken. Die früher unter dem Namen Formosa bekannte Insel genießt den Sonnenschein, während draußen über dem Pazifik die Hölle los ist. Es kann aber auch umgekehrt sein – und die Taiwaner wissen sich darauf einzustellen und das Beste daraus zu machen.

Flexibilität und Improvisationskunst gehören zu ihren hervorstechenden Charakterzügen – vielleicht aufgrund des mitunter sehr extremen Wetters, vielleicht auch wegen der schwierigen politischen Situation: Die übermächtige Volksrepublik China auf dem Festland betrachtet die Inselrepublik als abtrünnige Provinz und unterhält keine Beziehungen zu Staaten, die Taiwan anerkennen.

Informell sind die beiden Chinas mit den unterschiedlichen politischen Systemen jedoch bereits näher aneinander gerückt. Anders als noch vor zehn Jahren sind etwa Direktflüge von der Insel aufs Festland inzwischen alltäglich. Und auch taiwanische Unternehmen sind in der Volksrepublik als Investoren sehr willkommen.

Von Piepsern und Summern zum Mini-Mikrofon

Das Vertriebsteam von Kingstate Electronics, von links: Vice President Charlotte Yeh, Sales Manager Emily Chen, Jeff Hsieh (Manager Product Marketing), Charlene Yu (Senior Marcom Specialist).
Das Vertriebsteam von Kingstate Electronics, von links: Vice President Charlotte Yeh, Sales Manager Emily Chen, Jeff Hsieh (Manager Product Marketing), Charlene Yu (Senior Marcom Specialist). (Bild: ELEKTRONIKPRAXIS)

Das trifft zum Beispiel auf Kingstate zu. Das Elektronikunternehmen, das sich auf Audio-Komponenten wie Mikrofone, Lautsprecher, Kopfhörer und Alarmsysteme spezialisiert hat, residiert in einem unscheinbaren Bürogebäude im Norden der Hauptstadt Taipei. Schon bei der Gründung des Betriebs spielte das Improvisationsvermögen der Taiwaner eine wichtige Rolle, wie Charlotte Yeh, Vice President bei Kingstate, erzählt: „Vor 35 Jahren gab es im gesamten chinesischen Raum keine Hersteller für Audio-Komponenten. Die gab es nur in Japan. Aber einige amerikanische Kunden suchten in Taiwan nach alternativen Anbietern. Also begann unser Unternehmensgründer 1977 mit der Produktion von elektronischen Summern – was ihm bald den Spitznamen "King of the Buzzers" einbrachte.“

Der anfängliche Erfolg von Kingstate gründete darauf, dass die Taiwaner einerseits billiger produzierten und schneller reagieren konnten als die japanische Konkurrenz. Andererseits war Kingstate auch in der Lage, die Produkte an neue Anwendungsfelder anzupassen und zu modifizieren. Die Summer wurden zum Beispiel in Türklingeln und Telefone eingebaut.

Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt war es, den Summer lauter zu machen. Denn ein Automobilzulieferer aus Japan fragte an, ob Kingstate Alarmanlagen für Fahrzeuge herstellen könnte. „Sie musste extrem laut sein – und die Qualitätsstandards der Automobilindustrie erfüllen“, erläutert Managerin Yeh.

Das war keine kleine Herausforderung. Denn, wie Yeh erklärt: „Einen Geräuscherzeuger mit 90 Dezibel zu bauen, ist ziemlich einfach. Wichtig ist aber, gleichbleibende Qualität garantieren zu können, damit auch tatsächlich jede Alarmanlage genau gleich laut ist.“ Um mit der Automobilindustrie ins Geschäft zu kommen, musste daher der gesamte Produktionsprozess auditiert werden.

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Es klingt fast wie eine Ironie, dass der Audio-Komponentenhersteller erst vergleichsweise spät mit Unternehmen aus dem eigenen Land ins Geschäft kam und Mikrofone sowie Lautsprecher für die taiwanischen PC- und Notebookhersteller entwickelte und baute. „Wir haben unsere Grundlagen im Auslandsmarkt gelegt, bis wir genug Ressourcen und Erfahrung hatten, um für den lokalen Markt zu fertigen“, blickt Yeh zurück.

Heute beschäftigt Kingstate 1200 Mitarbeiter. Der Großteil davon arbeitet in zwei Fabriken auf dem chinesischen Festland. In Taiwan selbst sind nur 70 Mitarbeiter tätig, darunter die Entwicklungsabteilung. Der Komponentenhersteller beliefert heute auch deutsche Unternehmen aus der Automobilbranche, darunter Bosch und VDO – Namen, die in Taiwan einen guten Klang haben: „Kingstate ist das erste externe Unternehmen, das für Bosch Sirenen fertigt“, sagt Yeh daher nicht ohne Stolz.

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Er selbst ist meist ab 8 Uhr früh im Büro zu finden, das er selten vor 22.30 Uhr...  lesen
posted am 03.06.2013 um 20:08 von Unregistriert


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