Lesehilfe aus dem 3-D-Drucker für sehbehinderte Menschen

| Redakteur: Hendrik Härter

Im Rahmen eines Projektes sollte eine Haltevorrichtung für ein Smartphone entwickelt werden, damit stark sehbeeinträchtigte Menschen Texte lesen können. (Symbolbild)
Im Rahmen eines Projektes sollte eine Haltevorrichtung für ein Smartphone entwickelt werden, damit stark sehbeeinträchtigte Menschen Texte lesen können. (Symbolbild) (Bild: pixabay / CC0)

Eine Art VR-Headset als Lesehilfe wurde im Rahmen eines 3-D-Druckwettbewerbs ausgelobt. Entstanden ist VRead, eine angepasste Vorrichtung für das Smartphone, um zusammen mit einer Leseapp Texte auf dem Smartphone lesen zu können.

Früher griff man zur Leselupe, wenn man Texte in Büchern und Zeitungen nicht mehr lesen konnte. Das geht heute anders und vor allem handlicher als ein Kamerasystem mit stationärem Bildschirm. Platziert man ein kleines Display nah genug an das Auge, dann entsteht ein weites Sichtfeld ohne erkennbare Grenzen. Und kleine Displays in Form eines Smartphones besitzt fast jeder.

Genau hier liegt der Ansatz von VRread, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts. Im Mittelpunkt von VRread steht eine angepasste Vorrichtung, die das Smartphone aufnimmt. Hinzu kommt eine androidbasierte Leseapplikation des Nutzers, das sehr viel Technik auf kleinstem Raum bietet und immer mehr auch von sehbehinderten Menschen genutzt wird.

Mit der an die individuelle Sehbeeinträchtigung angepassten Aufnahmevorrichtung wird das Smartphone entsprechend nah vor dem Auge platziert. Große in der Aufnahmevorrichtung integrierte Linsen fokussieren das Bild auf die kurze Distanz für den Nutzer. So eröffnet das Smartphone die Möglichkeit, in ein digitales Dokument einzutauchen und wird damit zur individuellen Lesehilfe für sehbehinderte Menschen.

Lageerkennung dient der Steuerung

Über die integrierte Gyrosensorik lässt sich die Lage des Smartphones erkennen und wird von der entwickelten VRread-Leseapplikation zur Steuerung und Navigation auf dem digital erfassten Dokument verwendet. Auf dem Smartphone vorhandene Dokumente können damit in einem völlig neuem Kontext und optimalem Seheindruck einfach und überall gelesen werden. Im Hauptmenü kann der Nutzer einmal vorab seine idealen Einstellungen wie die Schriftgröße und den Kontrast einstellen. Eine zuschaltbare Leselinie erleichtert die Navigation auf dem Dokument zusätzlich.

Die Software für Android selbst unterteilt sich in verschiedene Module. Das Steuermodul erfasst die Kopfbewegungen und ist in der Lage diese in Steuerinformationen zu übersetzen. Aus der Datenquelle des Textdokumentes wird im zweiten Modul eine nutzbare Textur erstellt. Die Textur wird in einem zweistufigen Prozess auf dem Bildschirm ausgegeben. Alle Module lassen sich später erweitern.

Verschiedene Designs für den 3-D-Drucker

Im Rahmen eines ausgeschriebenen Wettbewerbs in der Maker-Bewegung wurden drei per 3-D-Druck gedruckte Aufnahmevorrichtungen prämiert. Ein viertes Design entwickelte außer Konkurrenz das Fraunhofer IPA. Die Datensätze der vier Modelle stehen in Form von 3-D-Daten für den Ausdruck auf einem 3-D-Drucker für jedermann zur freien Verfügung, ebenso die Installationsdatei für die vom Fraunhofer-Institut entwickelte Leseapplikation. Mit Hilfe der eigenen Parameter wie des individuellen Augenabstands kann das Aufnahmegestell via 3-D-Druck bei einem Anbieter von photonischen 3-D-Druckverfahren auf Onlineplattformen kostengünstig bestellt werden.

Versierte Anwender oder Entwickler können die Ergebnisse auch als Basis zur eigenen Weiterentwicklung verwenden. Jetzt muss noch die VRread-Textleseapplikation auf dem Smartphone installiert werden und auf den Nutzer eingestellt werden. Dann lassen sich die auf dem Smartphone gespeicherten Dokumente oder die Zeitung problemlos lesen.

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